„Selbstverletzendes Verhalten“: Wichtiges Thema für Dortmunder Jugendverbände

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Sozialpädagoge Tobias Falke gab den Delegierten der Jugendring-Vollversammlung wichtige Impulse für die Jugendverbandsarbeit mit auf den Weg.
 
In Kleingruppen konnten die Delegierten der Jugendverbände sich unter fachkundiger Anleitung zum Thema "Selbstverletzendes Verhalten" austauschen.

Dortmund. Bereits zum zweiten Mal war die Vollversammlung des Jugendrings Dortmund zu Gast in den Räumlichkeiten der Elisabeth-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des LWL in Aplerbeck. Nachdem im vergangenen Jahr ADHS auf der Tagesordnung stand, bekamen die Delegierten der Dortmunder Jugendverbände nun die Gelegenheit, sich mit selbstverletzendem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen auseinanderzusetzen.

Probleme machen keinen Halt vor Gruppenräumen, Trainingsstätten und Ferienfreizeiten. Psychosoziale Gesundheit ist daher auch ein Thema im Alltag von Jugendverbänden, schließlich verbringen Kinder und Jugendliche hier viel Zeit. Dass speziell selbstverletzendes Verhalten etwas mit Jugendverbänden zu tun habe, „ist nicht meine Idee gewesen“ betonte Jugendring-Vorstandsmitglied Tobias Falke in seinen einleitenden Worten. Er war am Abend gleich in mehrfacher Funktion vor Ort: Ehrenamtlich in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) aktiv, arbeitet der Sozialpädagoge hauptberuflich in der LWL-Elisabeth-Klinik. Vom BDKJ schließlich kam für ihn der Impuls sich aus Verbandsperspektive mit dem Thema selbstverletzendes Verhalten zu beschäftigen. Der Verband hat eine Handreichung mit Tipps und Informationen für Jugendleiterinnen und Jugendleiter entwickelt.

Ziel der Veranstaltung war zu sensibilisieren und informieren. Das Phänomen sei weit verbreitet: Bis zu einem Viertel aller Menschen verletzten sich im Laufe ihres Lebens in selbstschädigender Absicht selbst. Die Erscheinungsformen selbstverletzenden Verhaltens sind vielfältig und reichen vom Ritzen, Kratzen und Schlagen bis hin zu übermäßigem Sport. Genauso ideenreich werden Betroffene bei der Wahl von Hilfsmitteln. „Es erübrigt sich die Frage, ob man Gruppenräume oder sogar eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie komplett sicher gestalten kann“ so Tobias Falke.

Was können Jugendverbände leisten? Oft könnten Veränderungen im Verhalten von Gruppenmitgliedern schon von Leiterinnen und Leitern, aber auch durch andere Kinder und Jugendliche wahrgenommen werden. Hier gelte es die Ruhe zu bewahren und in einem sicheren Rahmen die Beobachtungen anzusprechen. „Mit Euren Gruppenmitgliedern über lockere, aber auch über ernste Themen zu sprechen ist das, was ihr kennt, was ihr könnt“ machte Tobias Falke Mut, aber: Weder sollte über-, noch gar nicht reagiert werden. Immer sollten die Eltern einbezogen werden, um gemeinsam weiteres Vorgehen zu besprechen.

Mit Psychotherapeutin Anja-Christine Kopa, Ärztin Sarah Klüpfel und Sozialarbeiter Andreas Busse wurden die anschließenden Gesprächsgruppen durch weitere erfahrene Personen aus dem klinischen Alltag der LWL-Elisabeth-Klinik begleitet, die sich genau wie Tobias Falke auch in der Jugendverbandsarbeit auskennen. In den Kleingruppen wurde klar, dass sehr viele der Teilnehmenden bereits Berührungspunkte mit dem Thema in ihrem Verbandsalltag hatten. „Das ist nichts, worüber man nicht reden kann“ bestärkten sie sich gegenseitig und tauschten konkrete Handlungsmöglichkeiten aus. Aber auch eigene Grenzen und die weiterer Beteiligter wurden angesprochen. Sarah Klüpfel bestätigt, dass es immer wichtig sei zu wissen, wem dieses Thema zuzumuten ist und wer ins Vertrauen gezogen werden kann.

Beendet wurde der Abend mit einem Rundgang durch die Klinik. Schließlich sollte die Vollversammlung auch dazu dienen, eventuell bestehende Vorurteile und Ängste der Teilnehmenden vor der Arbeit einer psychiatrischen Klinik abzubauen. Von den Teilnehmenden wurde abschließend ein positives Resümee der Veranstaltung gezogen, sie sei sehr interessant und aufschlussreich gewesen und das Thema in der eigenen Arbeit enorm wichtig. „Rundum ein super Abend.“
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