Bodendenkmal mit Lehmkuppel-Backöfen in Wambel ist Dortmunder "Denkmal des Monats April"

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Der Fund in Wambel bei den Arbeiten im Neubaugebiet an der Lueckestraße. (Foto: archaeologie.de/S. Senczek)
 
Alle Funde haben die Archäologen akkurat kartiert. (Foto: archaeologie.de/E. Augustin)
Dortmund: Lueckestraße |

In Dortmund stehen rund 1100 Objekte unter Denkmalschutz. Einige Denkmäler sind jedermann bekannt, etwa das Dortmunder U oder die Zeche Zollern. Andere Objekte sind weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert. Gemeinsam haben jedoch alle Denkmäler, dass sie ihre eigene, erzählenswerte Geschichte haben. Einmal im Monat greift die Denkmalbehörde die aktuelle 'Geschichte' eines Denkmals heraus und stellt diese in der Reihe "Denkmal des Monats" vor. Im April 2017 ist es ein ungewöhnliches Bodendenkmal in Wambel.

Mehrere rundliche Öfen aus rotgebranntem Lehm neben- und übereinander – was hatte das zu bedeuten? Nachdem der Bagger auf der alten Hofstelle in Wambel den Oberboden abgenommen hatte, waren sie direkt darunter aufgetaucht. Ein paar Scherben steckten darin: rottonige, bemalte Ware des 17. oder 18. Jahrhundert - für Archäologen eine einfach zu lösende Datierungsaufgabe. Weitere Gegenstände waren nicht zu finden.

Wozu benötigte man in dieser Zeit solch kleine Öfen? Die vorsichtige Antwort soll hier als Denkmal des Monats April 2017 vorgestellt werden.

Im letzten Sommer ließ die Stadtarchäologie der Denkmalbehörde im Vorgriff auf eine geplante Neubaumaßnahme an der Lueckestraße archäologische Sondierungen durchführen. Neben zahlreichen Fundamenten alter Hofgebäude fanden sich dabei auch die unteren Reste von ungefähr einem Duzend kleiner Lehmkuppel-Öfen.

Sie lagen dicht an dicht und überschnitten sich teilweise. Offensichtlich waren es ursprünglich drei bis vier Öfen gewesen, die man jeweils mehrfach erneuert und somit über einen längeren Zeitraum benutzt hatte. Ihr Aufbau und ihre Form waren immer gleich: Die Brennkammern besaßen einen runden Querschnitt mit einem Durchmesser von zirka 0,60 m und öffneten sich im Nordwesten für einen zirka 0,80 cm langen Schürkanal. Besonders die Verfüllung dieser Schüröffnungen enthielt viele Holzkohlenstücke.

Alle Öfen waren zusammen in einer großen Senke gebaut worden, wahrscheinlich zur besseren Regulierung der Luftzufuhr für den Brennvorgang. Außer den Holzkohlen enthielten sie keine weiteren Hinweise auf ihre ehemalige Funktion. Eine Interpretation als Metall- oder Glasschmelzen scheitert an fehlenden Schlacken und anderen Abfällen, Meilerplätze sehen ebenfalls anders aus. Somit kann es sich - sozusagen im Ausschlussverfahren – vermutlich nur um Backöfen handeln.

(Brot)backen in früheren Zeiten

Zum (Brot)backen erhitzte man eine Brennkammer, entfernte anschließend Glut und Asche wahrscheinlich mit Hilfe eines Ofenkratzers durch die Schüröffnung und schob dann das Brot hinein. In Westfalen gehörte zu fast jedem Bauernhof ein gemauertes Backhaus, dass im Herbst oft auch zum Trocknen und Dörren von Gemüse und Obst genutzt wurde.

Beispiele für diese Backhäuser kann man auch heute noch in Dortmund, etwa in Grevel und Oespel, finden. Teilweise existierte auch ein gemeinschaftlich von mehreren Hofstellen genutztes Backhaus. Einfache, auf den Boden gesetzte, kleine Lehmöfen gab es seit dem Mittelalter nirgends mehr.

Ein Blick in die Geschichte Wambels

Warum nun hatte man in der frühen Neuzeit in Wambel diese kleinen Backöfen gebaut? Vielleicht liegt die Erklärung in der Datierung und der Dorfgeschichte begründet. Der Ort liegt am Nordrand des Hellwegs unmittelbar östlich der alten Reichsstadt Dortmund und gehörte seit dem 13. Jahrhundert zur Grafschaft Dortmund. Diese Tatsache und die räumliche Nähe zur Reichsstadt hatten zur Folge, dass der Ort immer wieder auch in die kriegerischen Auseinandersetzungen Dortmunds eingebunden war.

Besonders schwierig wurde die Situation für die Bauern, als die „kleine Eiszeit“ zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert mit ihrer gravierenden Klimaverschlechterung zu Missernten und Hungersnöten führte. Zudem verpflichteten die Dortmunder die Bewohner der zugehörigen Dörfer, darunter auch Wambel, immer wieder zur Einquartierung verbündeter Truppen.

Häufige Beschwerden und Klagen über Plünderungen und die Willkür der Soldaten sind in alten Berichten verbürgt. So waren beispielsweise gegen Ende des 30-jährigen Krieges von 41 Wambeler Höfen nur noch 27 Hofstellen bewohnt. Die alte Urkunde beschreibt die verbliebenen Bewohner als „arme, verdorbene Leute“.

Offensichtlich hatten sich die an der Lueckestraße einquartierten Truppen selber versorgen müssen und provisorische Feldback-Öfen angelegt. Womöglich ist das des Rätsels Lösung?!
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1 Kommentar
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 02.04.2017 | 09:45  
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