"Walddynamik im Dorney"

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Überall im Wald liegen noch Holzstapel zum Abtransport
 
Trampelpfad als Wanderweg gekennzeichnet an der Dorneystraße
 
Aufforstungsfläche mit Douglasien und Buchen
Dortmund: Oespel-Dorney |

Eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet

Am 16.05.16 um 15.00 Uhr trafen sich ca. 18 BürgerInnen auf dem Parkplatz des Dorney Sportplatzes, um an der Wanderung unter dem Thema „Walddynamik im Dorney“ teilzunehmen.
Sogar aus der Innenstadt West und aus Barop waren interessierte Bürger angereist.

Der Dorney umfasst ca. 40 ha. Der Wald südl. der Dorneystraße (Teich) gehört der Stadt Dortmund, liegt aber auf Wittener Gebiet.

Unter der fachlichen Leitung des Revierförsters Marcel Möller machte sich das gemischte Trüppchen auf den Weg.
Eine Weggabelung nordöst. des Sportplatzes war der erste Haltepunkt. Hier zeigte Marcel Möller ein Foto des Standortes nach dem Sturm Ela Pfingsten 2014 zum Vergleich der heutigen Situation an diesem Ort.

Dorney von Sturm Ela im Jahr 2014 nur wenig betroffen


Marcel Möller berichtete, dass im Winter 2014/2015 die Bäume, die vom Sturm Ela gebeschädigt, gefällt wurden. Gleichzeitig wurden dann aber auch alte und junge, dicke und dünne Bäume gefällt.
Interessanterweise hieß es doch in einem Schreiben von Stadtrat Lürwer vom 28.10.14 zu den Schäden, die Ela im Stadtbezirk Lütgendortmund hinterlassen hatte: „Die Waldbestände in dem vom Sturm wenig betroffenen Dorneywald werden im Winterhalbjahr 2014/2015 planmäßig durchforstet.

Ziel der Waldpflegearbeiten


Die Stadt möchte eine Naturverjüngung des Waldes erreichen. Ziel sei ein artenreicher Mischwald, nicht nur Buchen, die durch ihre ausladenden Kronen z.B. die Eiche und andere Laubbäume verdrängen.
Alle Wald-Pflegearbeiten werden geplant, der unteren Forstbehörde vorgestellt und mit dem Umweltamt und dem Umweltbeirat abgestimmt. Die Naturschutzverbände würden mit einbezogen werden. Das Ergebnis wird dann der Öffentlichkeit präsentiert.
An dem Standort ist noch ein sehr großer Holzstapel aus dem Einschlag Winter2014/2015 gelagert. Diese Stapel findet man noch im ganzen Wald verteilt, was auf großes Unverständnis der Teilnehmer stieß.
Einige der „Ur-Einwohner“ merkten an, dass noch nie so viel Holz wie bei den Forstarbeiten 2014/2015 geschlagen wurde. Marcel Möller erklärte, dass die Stapel verkauft wären, wegen der schlechten Wetterverhältnisse aber noch nicht abgefahren wurden, um die Weg nicht noch stärker zu beschädigen.

Irgendwie war Herrn Möller wohl entfallen, dass wir das Jahr 2016 schreiben und inzwischen schon über ein Jahr vergangen war, in dem die Holzstapel vor sich hin rotten.

Das Holz sei wertlos, somit nur für Spanplatten, Laminat und ähnliches zu gebrauchen, so Möller. In den Stapeln würden sich Bockkäfer einnisten, die von Totholz leben, aber nicht auf den Wald übergreifen würden. Die Stadt wäre nicht glücklich mit der Situation, dass die Käufer den Wald als Lagerplatz nutzen.
Dies stieß wiederum auf Unverständnis der Teilnehmer, die Stadt als Eigentümer des Waldes gibt vor, keine Handhabe gegen die Vorgehensweise der Käufer zu haben. Möller versicherte aber, dass das Holz jetzt bald abgefahren würde.
Die großen, älteren Bäume sind nicht verwertbar, da sie z.T. Metallsplitter aus Kriegszeiten enthalten.
Da stellt sich für den kritischen Bürger doch die Frage, warum sie gefällt und dazu noch in Überseecontainern nach China verschifft wurden, gerade, gut gewachsene Stämme.
Außerdem kritisierten die Teilnehmer, dass sich die Brombeeren überall im Wald breit machen würden. Brombeeren in geringer Anzahl und nicht sehr groß würden gut für den Wald sein, so Möller, nur wenn sie zu groß würden, wäre es kritisch.
Aber wie jedermann weiß, Brombeeren wuchern schnell und unkontrolliert, wenn sie nicht in Schach gehalten werden und es werden wohl kaum Waldarbeiter im Wald die Brombeerbestände pflegen.
Marcel Möller wies auch auf die vielen kleinen Buchen hin, die sich selber ausgesät haben und das nur, weil sie auch Licht bekommen. Je dunkler ein Wald wäre, je artenärmer sei er.

Dorney unterliegt hohem Erholungsdruck


Wegen des unbeständigen Wetters wurde die Wanderung etwas abgekürzt.
Es ging vorbei an den sogenannten Rückegassen, Einschnitte mit tiefen Reifenspuren im Waldboden und an den Trampelpfaden, die in großer Anzahl den Dorney durchziehen und somit auch gleich thematisiert wurden. Möller sieht hierin genauso ein Problem wie die Bürger. Der Dorney ist ein Naturschutzgebiet mit hohen rechtlichen Auflagen und dazu gehört auch, dass das Verlassen der Wege verboten ist, genauso wie die Bärlauch-Ernte oder Entnahme sonstiger Pflanzen und das Sammeln von Holz. Vor zwei Jahren habe er eine „Bärlauch-Ernte“ zur Anzeige gebracht, allerdings wusste er nicht, was daraus geworden ist.
Der Dorney würde einem hohen Erholungsdruck unterliegen, stärker wäre dieser nur in der Bolmke oder am Wochenende in der Bittermark.
Ein Teilnehmer der Wanderung schlug vor, die Trampelpfade mit Hinweisschildern kenntlich zu machen, dass es sich hier nicht um einen regulären Waldweg handelt. Ein anderer schlug vor, Totholz als Barriere vor den illegalen Wegen aufzuschichten.
Dies wird aber wahrscheinlich dazu führen, dass daneben dann der nächste Trampelpfad entsteht. Ein weiter Vorschlag war die Verhängung einer Ordnungsstrafe zur Abschreckung.
Zur Sprache kam auch ein als Wanderweg gekennzeichneter Trampelpfad – obwohl von dort drei Wege in den Wald führen - der von der Dorneystraße aus geht. Die Ausschilderung würde der sauerländische Gebirgsverein vornehmen, so Möller.
Marcel Möller zeigte eine Stelle, an der man versucht hatte, durch eine errichtete Barriere aus Totholz einen Trampelpfad zu versperren. Das Ergebnis war, dass das Holz verschwunden war, nur noch Überreste zeugten von dem kläglichen Versuch.
Kinder müssen das Verhalten in einem Naturschutzgebiet lernen, aber es ist unverständlich, dass erwachsene Menschen nicht so viel Verantwortungsbewusstsein der Umwelt gegenüber zeigen!

In Erinnerung bleibt der Zeitpunkt, als der Dorney zum Naturschutzgebiet erklärt werden sollte. Die Wellen der Empörung schlugen hoch. Bedeutete das doch, dass man nicht mehr kreuz und quer durch den Wald laufen durfte.
In seinem eigenen Garten läuft man ja auch nicht über die Blumenbeete!

Versuchsfläche: Anpflanzung von Douglasien und Buchen


Das letzte Ziel war eine Fläche im östl. Bereich des Dorneys (dem „Rundweg“ am Eingang am Jugenddorf). Hier zeigte Marcel Möller den Teilnehmern eine Fläche, auf der Buchen- und Douglasiensetzlinge angepflanzt wurden.

Die Douglasie stammt ursprünglich aus dem Weste Nordamerikas. Ist ein schnell wachsender Nadelbaum, erntereif in ca 80 Jahren. Der Schädlingsbefall ist nicht so groß wie bei den heimischen Nadelbäumen, außerdem ist sie weniger windanfällig und somit eine Chance für den Klimawandel. Die Buche dagegen habe Komplexkrankheiten entwickelt.

Man habe auf dieser Fläche gebohrt und habe sich die Beschaffenheit des Untergrundes nicht erklären können.

Bei der Aufklärung des rätselhaften Untergrundes konne ich gleich behilflich sein. In diesem Bereich waren in der Vergangenheit Tagesbrüche gefallen, Bergsenkungen sind an dieser Stelle heute noch zu sehen. Ein Tagesbruch wurde vor dem Krieg mit Hausmüll verfüllt, der zweite nach dem Krieg mit Schutt.
Grade dieser ist im Bereich der Neuanpflanzung an der Oberfläche zu sehen.

Was hat die Wanderung gebracht?

Zusammenfassend ist über die Wanderung zu sagen, dass sie sehr informativ war. Herr Möller war sichtlich erleichtert, dass er nicht Wutbürgern Rede und Antwort stehen musste. Die Diskussion war ruhig, aber die kritischen Bürger hielten mit ihrer Meinung auch nicht hinter dem Berg. Der größte Teil war weiterhin der Ansicht, dass das Naturschutzgebiet Dorney nur eine Waldplantage sei, um gewinnbringend Holz zu ernten.
Die Bürger, die genau hingehört haben, wurden in ihrer Meinung bestätigt, als Marcel Möller den Dorney als Erholungs- und Nutzwald bezeichnete.
Nutzwald ist mit Naturschutz nicht zu vereinbaren. Wir brauchen keinen verjüngten Wald, sondern einen natürlich gewachsenen Wald mit Bäumen aller Altersklassen, auch mit sehr alten Bäumen, die aber gerne "geerntet" werden. Der Wald muss gepflegt werden, auch von den Bürgern, indem sie ihn schonend behandeln.
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