Klopps Traum vom Finalsieg in Wembley - auch ohne Götze

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Meistertrainer, Pokalsieger - und jetzt will Jürgen Klopp mit dem BVB die Champions League gewinnen. Foto: Schütze
 

Jürgen Klopp wählt den ganz großen Vergleich. Sepp Herberger, WM-Endspiel 1954. „Er wird auch nicht gesagt haben, dass er sich ganz sicher ist, dass Deutschland gewinnt. Aber er hat an die Chance geglaubt.“ Und das tut auch Klopp, wenn es für den BVB am Samstag im Finale der Champions League gegen Bayern München geht. Und das auch ohne Mario Götze

Der WM-Triumph von 1954, als Deutschland als Außenseiter die favorisierten Ungarn schlug, hat Jürgen Klopp fußballerisch am meisten geprägt. „Weil er gezeigt hat, dass im Fußball immer alles möglich ist. Und dass in einem Finale alles möglich ist.“

Genau das will der Dortmunder Trainer seiner Mannschaft vermitteln für das Duell gegen „die derzeit vielleicht beste Mannschaft der Welt“. Er lässt keinen Zweifel, mit welcher Einstellung seine Spieler am 25. Mai in London auflaufen: „Zum Anpfiff wird jeder meiner Spieler wissen, dass an diesem Tag alles möglich ist!“

Voller Vorfreude. Selbstbewusst, aber nicht überheblich. So will Klopp seine Elf sehen. „Man muss bereit sein, sich ganz weit aus dem Fenster zu lehnen und ganz groß zu träumen. Auch auf die Gefahr hin, dann härter aufzuschlagen“, hat er seinen Spielern ins Stammbuch geschrieben.

Natürlich ist es auch für ihn ein Fußballmärchen, was der BVB seit Monaten in Europa abliefert. „Etwas, wovon man nicht zu träumen wagt. Etwas, das man für unmöglich hält. Eigentlich steht diese Mannschaft zu früh im Endspiel. So wie wir vor zwei Jahren eigentlich zu früh Meister geworden sind und vor einem Jahr eigentlich zu früh das Double geholt haben. Aber das hat uns nicht abgehalten, jedes Mal mit aller Leidenschaft zu versuchen, den Titel zu gewinnen.“

Ein Überraschungscoup. Ganz so wie 1997, als Borussia Dortmund gegen Juventus Turin schon einmal im Finale der Champions League triumphierte und den silbernen Henkelpott gewann. „Damals waren wir auch Außenseiter. Juventus war gerade Meister geworden und konnte sich nicht vorstellen, dass sie das Spiel gegen uns verlieren würden“, erinnert sich Sportdirektor Michael Zorc, der damals als Kapitän den Pokal entgegen nehmen durfte. „Und jetzt sind wir im Finale wieder nicht der Favorit.“

Leidenschaft und Lust soll Berge versetzen

Es scheint, als fühle man sich in Dortmund durchaus wohl in der Rolle des Underdogs. Und lässt doch keinen Zweifel, dass „wir Geschichte schreiben wollen“, wie es Jürgen Klopp auf den Punkt bringt. Leidenschaft soll wie bei den Titeln der letzten Jahre auch dieses Mal Berge versetzen, gepaart mit „totaler Lust auf dieses Finale und unheimlich viel Freude“, wie es BVB-Boss Hans-Joachim Watzke der Mannschaft empfohlen hat.

Und mit der Überzeugung, immer wieder gezeigt zu haben, dass man den Bayern Paroli bieten kann. „Wir haben uns in letzten Jahren sportlich zu einem großen Konkurrenten für die Bayern entwickelt. Dieser Konkurrent wollen wir auch im Finale sein“, kündigt Klopp an.

Dass in dieser Saison noch kein Sieg gegen Bayern gelang, nimmt man entspannt zur Kenntnis. „Wir hatten immer Momente, in denen wir sie sehr gut verteidigt haben. Und in denen wir mit unserem Umschaltspiel sehr gefährlich waren. Daran orientieren wir uns“, so Klopp. Selbst bei der Pokalniederlage, bei der „wir einen sehr schlechten Tag hatten“, hätten die Bayern keine 80 Torchancen gehabt.

Auch den Ausfall von Mario Götze will der BVB in London vergessen machen. Seit Mittwoch steht fest: Der Mittelfeldspieler muss verletzungsbedingt auf einen Einsatz verzichten. Nach der Muskelverletzung, die er sich im Halbfinalrückspiel gegen Real Madrid zugezogen hatte, war er zwar wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, beklagte aber erneut Probleme an der lädierten Stelle.

Der BVB will das wegstecken. Und sich einlassen auf den ganz großen Traum. Gegen alle Widerstände. Gegen alle Prognosen. So wie Deutschland 1954 gegen Ungarn. „Wir denken bestimmt nicht, dass wir gegen Bayern einfach so gewinnen“, meint Jürgen Klopp. „Aber wir haben die Chance. Und wir werden mit allem dafür kämpfen, was uns zur Verfügung steht.“

Dietmar Nolte
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