Spurensuche Kö: Schuld waren Pferdeäpfel

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Düsseldorfer Wahrzeichen: Die Königsallee mit Kö-Graben. Foto: Siegel
 
Der 1898 fertig gestellte Tritonenbrunnen am Nordende der Königsallee. Foto: Siegel

Neben der Düsseldorfer Altstadt, der „längsten Theke der Welt“, ist sie das bekannteste Aushängeschild der Stadt: die Kö. Die Prachtstraße ist in aller Welt bekannt und symbolisiert das urbane Flair Düsseldorfs. Ihren Namen verdankt die Königsallee allerdings Pferdeäpfeln.

Die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert bescherte Europa Zeiten des Aufbruchs und der Unruhe. Die französische Revolution und der Aufstieg Napoleon Bonapartes prägten die Epoche. Auch Düsseldorf blieb von den kriegerischen Auseinandersetzungen nicht verschont. Die Festung der Stadt wurde nach dem Ende des zweiten Koalitionskrieges, dem Frieden von Lunéville, geschliffen. Seit 1795 war Düsseldorf von französischen Revolutionstruppen besetzt worden.

Der in Benrath geborene Hofbaumeister Caspar Anton Huschberger, der Wasserbauingenieur Christian Wilhelm Gottlieb Bauer und der Landschaftsgärtner Maximilian Friedrich Weyhe entwickelten anstelle der zur Festung gehörenden Wälle einen Stadtgraben. 30 Meter war der Graben breit und fast einen Kilometer lang: die Geburt des heutigen Kö-Grabens.

Die Straße, die heute Königsallee heißt, hieß zunächst Mittelallee. 1831 wurde sie in Kastanienallee umbenannt. Die zentrale Bedeutung der Straße dokumentiert vielleicht am besten der Umstand, dass der Anschluss Düsseldorfs an ein neues Verkehrsmittel im Jahre 1838 hier seinen Ausgang fand: Am heutigen Graf-Adolf-Platz befand sich der erste Düsseldorfer Bahnhof. Der Düsseldorfer Hauptbahnhof wurde an seinem jetzigen Standort erst 1891 fertig gestellt.

1848 schließlich ereignete sich das sogenannte Pferdeäpfelattentat. Im März nahm die 1848er Revolution ihren Anfang; das Bürgertum forderte die Vereinigung des in einzelne Fürstentümer zerfallenen Deutschlands unter einer demokratischen Verfassung an. Die politischen Ereignisse gingen auch an Düsseldorf nicht vorbei und gipfelten am 14. August in einem Eklat, als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen auf der Durchreise seinem Cousin Prinz Friedrich von Preußen einen Besuch abstattete. Mit einer Kutsche war der Monarch auf der Kastanienallee unterwegs, als er von Teilen des Volks ausgepfiffen und mit Pferdeäpfeln beworfen wurde. Im weiteren Verlauf kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Militär, bei denen ein Soldat getötet wurde.

Der preußische Prinz zeigte der Stadt die kalte Schulter und verließ Düsseldorf. In den folgenden Monaten konnten sich die konterrevolutionären Kräfte in Deutschland durchsetzen. Die Revolution war verloren. Um die preußischen Landesherren ob des Pferdeäpfelattentats zu besänftigen, erhielt der Stadtteil Friedrichstadt seinen bis heute geltenden Namen. Auch die Kastanienallee wurde unbenannt und heißt seitdem Königsallee.

Seitdem der heutige Kö-Graben Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt worden war, hat es rund um die Straße immer wieder bauliche Veränderungen gegeben. 1906 fand hier das heutige Görres-Gymnasium (an der Ecke zur Bastionstraße) seine Heimat.

Diverse Luxushotels, Cafés und Geschäfte siedelten sich hier an und gehören genauso zur Kö wie der 1898 fertig gestellte Tritonenbrunnen am Nord- und der 1916 eingeweihte Bergische Löwe am Südende der Straße. Erst vor kurzem kam mit dem Kö-Bogen ein weiteres Bauwerk hinzu.
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