Schadowstraße beleben! Aber wie?

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Die Schadowstraße leidet unter der Dauerbaustelle. Die Düsseldorfer Jonges versuchten, eine Leitidee zu erarbeiten. Foto: Lammert
Düsseldorf: Henkelsaal |

Die Schadowstraße war lange Zeit eine der umsatzstärksten Verkaufsstraßen in Deutschland. Die langen Bauarbeiten für die Wehrhahnlinie haben dafür gesorgt, dass in den vergangenen Jahren weniger Kauflustige die Straße besuchten.

Lärm, Dreck und die fortdauernde Baustellenromantik laden nicht gerade zum Flanieren und Shoppen ein. Doch mit der Eröffnung der Wehrhahnlinie sollte bald alles wieder gut werden mit einer schicken, neu gestalteten, schöneren Schadowstraße. Die lässt allerdings noch auf sich warten – und diese Warterei erhitzt manche Gemüter in der Stadt.
Deshalb diskutierten die Düsseldorfer Jonges im bis auf den letzten Platz gefüllten Henkelsaal über die Zukunft der Straße. Wie soll sie aussehen, die schmucke Schadowstraße von morgen? Die Stadt sieht eine Fußgängerzone vor, in deren Mitte ein Radweg verläuft. Auch Cafés, Bäume und Bänke sollen die Straße attraktiver machen. Landschaftsarchitekt Thomas Fenner zeigte Bilder von anderen bekannten Einkaufsstraßen, die mit unterschiedlichen Konzepten erfolgreich sind. Mit seinem Team gewann Fenner 2009 den ersten Preis für die Gestaltung des Freiraums um den neuen Kö-Bogen und ist nun stimmberechtigtes Mitglied der Empfehlungskommission für den zweiten Wettbewerb, in dem es um die Neugestaltung des östlichen Abschnitts der Schadowstraße geht. Die Zukunft der Straße liegt also auch ein Stückweit in seiner Hand. Die stark besuchte Schildergasse in Köln zum Beispiel kommt ohne Radweg aus, die Strøget, Kopenhagens berühmte Shoppingmeile, bietet Platz sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer und auf der Einkaufstraße zwischen Kensington Station und Hyde Park in London sind Autos, Fahrräder und Fußgänger gleichberechtigt nebeneinander unterwegs. Welchem Vorbild soll die Schadowstraße folgen? Schnell wurde klar, dass die wenigsten Jonges sich mit der Variante „Radweg“ anfreunden wollen. "Wenn Sie die Schadowstraße töten wollen, machen Sie den Radweg!", tönte es gegen Ende der Veranstaltung aus dem Saal, und diese Aussage erntete den größten Beifall des Abends.
Da half es wenig, dass Prof. Fenner auf den neuen Mobilitätstrend hinwies. Junge Menschen fahren heute wenig Auto, Car-Sharing ist auf dem Vormarsch und Radfahren absolut in. Ein Radweg sei daher fast das Gebot der Stunde. Diese Meinung vertrat auch Martin Volkenrath, Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses der Stadt. Eine Umfrage der IHK habe ergeben, dass die Bevölkerung eine Fußgängerzone mit Radweg wolle, „und so wird es sein, die Ampel wird den Radweg beschließen“. Viele Wünsche an die künftige Gestaltung wurden an diesem Abend geäußert – darunter der, die Straße auch in den Abendstunden durch Gastronomie zu beleben. Und wieder wurden die Fahrräder als Problem gesehen, die das verhindern könnten.
Doch viel drängender als die Frage, ob Fußgängerzone mit oder ohne Radweg, wurde über die aktuelle Situation vor Ort diskutiert. Inzwischen steht fest, dass die Schadowstraße noch weitere vier Jahre lang eine Baustelle bleiben wird. Johanna Groeneweg-de Kroon, Sprecherin des City-Rings Schadowstraße, kritisierte, dass es für diese Zeit kein schlüssiges Übergangskonzept gebe. Man habe den Geschäftsbetreibern schon viel abverlangt, fast alle hätten sich der Situation angepasst und versucht, die Straße lebendig zu halten. Ob alle Läden weitere vier Jahre mit dem Dreck und Lärm überleben könnten, sei jedoch fraglich. „Eine Lösung muss her. Uns ist klar, dass die Stadt keine großen Summen in ein Provisorium stecken kann, doch zumindest die Gehwege sollten attraktiver gestaltet werden.“ Befürchtet wurde, dass durch nochmals in die Länge gezogene Bauarbeiten weitere Besucher abgeschreckt werden. „Glaubt nicht, dass Kunden, die jetzt weg sind, wiederkommen“, fasste es Dr. Bornemeyer zusammen, dessen Familie seit mehr als 80 Jahren ein hochwertiges Textilgeschäft auf der Schadowstraße betreibt. Das Provisorium könnten findige Kaufleute allerdings auch als Chance für kreative Ideen nutzen, statt es nur als Hindernis zu betrachten, meinte Jonges-Vorstandsmitglied Volker Vogel.
Wie die Gestaltung der neuen Schadowstraße am Ende aussehen wird, ist offen. Die Wettbewerbsfrist ist gerade erst beendet, die Gewinner werden am 12. August ihre fertigen Entwürfe abgeben. Doch hoffen wir Düsseldorfer, dass wir mit den Jonges dann einstimmen können, dat nirjends op die schöne Welt eine Einkaufsmeile so jefällt als onsre schöne Schadowstraße.
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4 Kommentare
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 26.05.2016 | 21:00  
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Margot Klütsch aus Düsseldorf | 28.05.2016 | 22:00  
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 28.05.2016 | 23:50  
7.017
Margot Klütsch aus Düsseldorf | 30.05.2016 | 11:06  
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