Werhahn-Linie - Die letzten 75 Meter werden vereist

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Ehrenoberbürgermeisterin Marlies Smeets vor der Heiligen Barbara von Nikomedien, die Schutzpatronin der Tunnelbauer und Bergleute.
 
Kaufhof-Unterfahrung an der Kö. Die Realisierung eines der technisch schwierigsten Tunnelabschnitte, die rund 75 m lange Unterfahrung der Galeria-Kaufhof an der Kö, erfolgt durch einen Sondervorschlag des Zentralbereichs Tunnelbau in bergmännischer Bauweise im Schutze einer Baugrundvereisung (hier blau). (Foto: Firma Max Bögl)

Unter großer Beteiligung von Politik, Verwaltung und Presse, wurde der Vereisungstunnel der Wehrhahn-Linie durch Marlies Smeets aus der Taufe gehoben. Der Tunnel trägt den Namen „Tunnel Marlies“.

Nach altem Brauch ist es Sitte, dass die Tunneltaufe von einer Frau vorgenommen wird. "Im Rahmen dieser Tradition ist es mir eine große Freude, dass unsere Ehrenoberbürgermeisterin Frau Marlies Smeets die Patenschaft für den Vereisungstunnel der neuen Stadtbahnstrecke Wehrhahn-Linie übernehmen wird", so Oberbürgermeister Dirk Elbers. Marlies Smeets, Ehrenoberbürgermeisterin, freute sich auf das neue Amt: "Gerne übernehme ich die Patenschaft für den U-Bahn-Tunnel und bin stolz darauf, damit diese alte Tradition fortführen zu können“. Den Arbeitern wünschte sie einen guten und unfallfreien Verlauf.


Neues Verfahren: Baugrundvereisung

Um die Substanz des denkmalgeschützen Kaufhof an der Kö zu schützen und so wenig wie möglich in die oberirdischen Verkehre eingriff nehmen zu müssen, hat man sich für eine Vereisung des Baugrundes entschieden. Die künstliche Baugrundvereisung zur Herstellung statisch tragender und wasserdichter Frostkörper hat sich als begleitende Bauhilfsmaßnahme im Tunnelbau bewährt und gewinnt zunehmende Beachtung bei einer Vielzahl aktueller Bauvorhaben.

Für die Vereisung mussten ca 120 Rohre jeweils 75 Meter tief in die Wand gebohrt werden, durch die Kühlflüssigkeit mit minus 35 Grad Celsius fließen. So entsteht ein 2,50 Meter dicker Eisring, aus dessen Mitte in klassischer bergmännischer Bauweise das ungefrorene Erdreich abgetragen wird. Danach werden die Wände mit Spritzbeton ausgekleidet. Durch das künstliche Gefrieren werden Grundwasser, Sand und Verkieselungen verfestigt und wasserundurchlässig gemacht. Der entstehende Frostkörper verleiht der Baugrube somit während der Vortriebsphase Stabilität. Rund 47 000 Kubikmeter wurden auf diese Weise gefroren.

Mit der Bodenvereisung nutzen wir im Bereich des Kaufhofs eine hochmoderne Bauweise, die den unumgänglichen Eingriff in die Umgebung deutlich reduziert hat", erklärte Oberbürgermeister Dirk Elbers bei der Tunneltaufe.

Etwa 780 Millionen Euro soll die Wehrhahnlinie kosten, davon 71 Millionen Euro für den Vereisungstunnel. "Und wir arbeiten kräftig daran, die Kosten so ungefähr einzuhalten", schloss Elbers seine Reda ab. 2015 soll die Wehrhahn-Linie fertig sein.

Ähnliche Tunnelbauprojekte mit einem umhüllenden Frostkörper als temporäre Sicherung wurden schon in München am U-Bahnhof Marienplatz unter dem Münchener Rathaus sowie am Berliner U-Bahnhof Brandenburger Tor verwirklicht.


Daten und Fakten zur Vereisung unter dem Kaufhof (bla)

Länge des Tunnels: 75 Meter
Dicke des umgebenden Eispanzers: 2,50 Meter
Zahl der Eisleitungen im Boden: 120
Durchmesser der Eisleitungen: 15 Zentimeter
Länge der Leitungen: 75 Meter
nötige Kühlleistung: 1.200 Kilowatt (entspricht 2000
Haushaltskühlschränken)
Kühlmittel: 30 Prozent wässrige Salzlösung (Sole)
Temperatur: minus 35 Grad
Zahl der Temperaturfühler: 500
Messtechnik im Kaufhof: 152 Einzelsensoren
Abwicklung der Arbeiten: 24 Stunden an sieben Tagen der Woche
Abzubauendes Erdreich: 26.000 Kubikmeter
Fertigstellung Rohbau: Mitte 2014
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