Toll! WG für Senioren

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Im ehemaligen Pfarrhaus wohnen jetzt Senioren mit ihrem Betreuungsteam und Praktikant Kevin Friday. Foto: Caroline Büsgen

Eines war für Marianne Reckmann irgendwann klar: Jeder hat das Recht, seinen Lebensabend begleitet und selbstbestimmt in einem anregungsreichen Millieu zu verbringen, auch wenn das Budget noch so klein ist.

Zu dieser Einstellung gelangte sie während ihrer Pflegetätigkeit in privaten Haushalten. Die Schicksale mündeten schließlich im Altenheim, die Rahmenbedingungen fand sie keineswegs immer würdig. Sie selbst wolle so auf keinen Fall ihren Lebensabend verbringen, ein ‚eigenes kleines Altersheim‘ sei ein Traum gewesen, den sich gemeinsam mit anderen inzwischen hat Wirklichkeit werden lassen.
Dabei kam ihr der Zufall zu Hilfe, denn es war in Emmerich zunächst unmöglich, ein Haus zu mieten, das ausreichend Platz für eine kleine Senioren-Wohngemeinschaft bot. Fehlanzeige bei den Maklern, dann kontaktierte sie die Kirchengemeinden.
Pfarrer Bernd de Baey schließlich schlug das ehemalige Pfarrhaus und Domizil von Pastor Bienenmann vor. Hier wohnt die fröhliche Truppe jetzt seit Mai zusammen wie eine große Familie und Marianne Reckmann freut sich, dass ihre Idee so viel Anklang gefunden hat: „Es ist kaum zu glauben, aber sogar Weihnachten wollen die Bewohner hier gerne gemeinsam als ‚Wahlfamilie‘ zusammen feiern.
Nach Umbauarbeiten gibt es eine Badewanne mit Lifter, barrierefreie Duschen, ein Treppenlift wird in Kürze installiert, den aber derzeit noch niemand braucht, weil alle Bewohner noch gut zu Fuß sind. Auch den Pfarrgarten pflegen die Bewohner selbst, schmeißen den Haushalt, backen, kochen, beschäftigen sich mit den beiden Hunden ‚Rusty‘ und ‚Rocco‘. Das kleine weiße Wollknäuel Rocco sollte ins Tierheim, weil sein Herrchen ins Altenheim kam. „Das fand der alte Mann schrecklich“, erinnert sich Marianne Reckmann, also zog Rocco in die Praester Senioren-WG und sein Herrchen war zufrieden.
Auch Kaninchen und die Meerschweinchen ‚Paul‘ und ‚Paulinchen‘ gehören zum WG-Team. Stolz ist die Altenpflegerin auch ihr Konzept, bei dem die Bewohner gemeinsam für viel Abwechslung im Alltag sorgen: regelmäßige Kinobesuche, zum Essen ausgehen oder ein Besuch in einer Galerie … hier wird jeder mitgenommen, ganz gleich, ob ein Rollstuhl oder Rollator mit muss. Die WG hat ein Auto, die Senioren sind mobil, können sich sogar Gäste einladen und diese durchaus auch abholen und wieder nach Hause bringen.
Jeder Bewohner hat einen eigenen Schlafraum, die Gemeinschaftsräume sind für alle da. „Ohne mein tolles Team wäre diese Arbeit gar nicht zu leisten“, zieht Marianne Reckmann, die die WG als Selbständige leitet, Bilanz. Unterstützung kommt dabei für Kessi Dag, Töchterchen Shiri ist auch gleich das Wahl-Enkelkind für die Bewohner, von Kirsten Portugall-Lewald und Marita Hecht. Auch der 34-jährige Asylbewerber Kevin Friday, der in der WG ein Praktikum macht, gehört zum Team von Marianne Reckmann.
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Beate Haack aus Emmerich am Rhein | 09.12.2015 | 17:26  
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