Nachts kam der erste Bus in Emmerich an

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So sieht es in der Hansahalle aus. Hier haben die Flüchtlinge für ein paar Tage erst einmal eine Unterkunft. Foto: Jörg Terbrüggen
 
Bis Mittwochabend waren Freiwillige damit beschäftigt, die 150 Betten zusammen zu bauen. Foto: Jörg Terbrüggen

Es war gegen Mitternacht, als am Donnerstag der erste Bus mit Flüchtlingen an der Hansahalle eintraf. Zahlreiche Helfer hatten zuvor noch bis in den späten Abend Betten aufgebaut. Mittlerweile trafen am Donnerstag zwei weitere Busse ein.

Der Krisenstab im Rathaus hatte älle Hände voll zu tun. Denn die Nachrichten aus Passau, wann die Busse ihre siebenstündige Fahrt Richtung Emmerich antreten würden, änderte sich quasi stündlich. Währenddessen wurde in der Halle eifrig gearbeitet. Viele freiwillige Helfer packten hier mit an. Die eigentlich gedachten Feldbetten wurden kurzerhand wieder ausgeräumt. Dafür hatte man dann bei Poco in Goch Betten für die Flüchtlinge gekauft.
Die mussten nun nacheinander zusammengebaut werden. Eines nach dem anderen wurde fertig und in die Reihe gestellt. An den Wänden hingen dutzende von Kabeln und Steckdosen, damit hier die Handys aufgeladen werden können. Schließlich ist das auch die einzige Verbindung in die Heimat. Ein Teil der Tribüne in der Halle wurde verkleidet. An den Türen zu den sanitären Einrichtungen gibt es bebilderte Schilder, wie die Menschen mit der Hygiene umgehen sollen.

Auch im Spital ist man vorbereitet

Dort, wo sonst Turnmaterialien gelagert wurden, ist jetzt das Materiallager und die Essensausgabe. In der Nacht gab es heißen Kaffee und Tee für die ersten Ankömmlinge und auch eine warme Mahlzeit. Auch hier waren viele ehrenamtliche Helfer vor Ort, die sich um die Flüchtlinge kümmerten. Anschließend wurden sie von Mitarbeitern der Stadtverwaltung registriert.
Nach den zahlreichen Strapazen konnten die ersten gut 50 Flüchtlinge dann ein paar Stunden versuchen zu schlafen. „Es hat bisher keine Probleme gegeben“, bestätigte uns Dietmar Stalder, organisatorischer Leiter des Theodor-Brauer-Hauses. Auch im Emmericher Willibrord-Spital war man auf den Erstfall vorbereitet. „Wir kümmern uns schon seit vier Wochen um die Flüchtlinge“, erklärte Holger Hagemann dem Stadtanzeiger. Rund 200 Flüchtlinge aus Weeze wurden bereits im Krankenhaus geröntgt.
„Unser Engagement geht allerdings weit darüber hinaus. Wir haben der Stadt Emmerich zwei Liegen und zwei Rollcontainer für die Erstausstattung des Sanitätsraumes zur Verfügung gestellt.“ Am Freitag wurden die jetzt in Emmerich angekommenen Flüchtlinge Gruppenweise in die Radiologie begleitet. „Dort wird die Brust von Frau Doktor Angelika Mosch-Messerich geröntgt, anschließend gibt es einen schriftlichen Befund, den die Flüchtlinge dann wieder mit zurück nehmen. Wir blockieren in der Radiologie dafür stundenweise einen Röntgenarbeitsplatz.“ Sonderschichten werden hier keine gefahren. „Das läuft alles während des Tagesgeschäfts“, so Hagemann.

Die Menschen waren geschlaucht

Neu-Bürgermeister Peter Hinze erklärte auf einer kurzfrsitig einberufenen Pressekonferenz, dass die Halle mit 147 Personen belegt sei. „Die Menschen waren geschlaucht, hatten eine lange Bahn- und Busfahrt hinter sich. Sie wussten überhaupt nicht, wo sie gelandet sind.“ Eine Familie aus Syrien sei sieben Tage unterwegs gewesen. Unter den Flüchtlingen sind auch zwei schwangere Frauen, viele Kinder und auch alleinreisende Jugendliche. „Meist haben sie nur das an Klamotten mit, was sie am Körper tragen.“
„Die Unterbringung hier ist ja für sie nur die Drehscheibe, bis sie in andere Kommunen und Gemeinden kommen.“ Ein Problem gab es allerdings bereits am ersten Morgen, als die beiden Busse zu viele Flüchtlinge an Bord hatten. „Es waren 32 Personen, die wir nach einer kruzen Aufnahme weiter geschickt haben nach Hilden“, erläuterte Peter Hinze. Alles ging problemlos über die Bühne, was auch ein Verdienst der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer war. „Ohne deren Bereitschaft wäre das alles nicht möglich“, so Hinze.

Die Situation ist fühlbarer

Der versteht übrigens auch die Ängste seitens der Bevölkerung. „Die Betroffenheit wird jetzt größer, die Situation ist für jeden fühlbarer. Nur durch Information können wir alle mitnehmen. Wir müssen offen und transparent sein. Jeder der den Menschen ins Gesicht blickt wird sehen, was er hinter sich hat. Sie verlassen ihre Heimat ja nicht aus freien Stücken, nur weil es in Deutschland so schön ist. Sie fliehen vor Tod und Terror.“
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