Was passiert im Kinderheim?

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Das "Aus" für den Zirkuss Josefina scheint beschlossene Sache. (Foto: Foto (Archiv): Bangert)
Harsche Kritik an Geschäftsführerin / Widerstand gegen Entscheidung formiert sich

Die Entscheidung, den Kinderzirkus Josefina auszusetzen, stößt auf harsche Kritik: Kinderheimleiterin Gudrun Gerschermann hatte die Absage am vergangenen Samstag per Mail verbreitet.

Dabei war erst kürzlich zur Teilnahme am diesjährigen Zirkusprojekt unter dem Motto "Hokus Pokus" aufgerufen worden. Die Aktionswoche sollte am 13. August mit einem Gottesdienst im Zirkus Antoni starten und bis zum 18. August dauern. Nur wenige Tage später nun die Absage. Die Überraschung ist nicht nur bei den Eltern groß. Auch die Sponsoren sind - gelinde gesagt - sauer. Rewe Geschäftsführer Thomas Lenk kommentierte auf Facebook: "Eine für mich nicht nachvollziehbare Entscheidung. Als einer der Sponsoren dies im Internet zu lesen und nicht im Vorfeld eine Info zu bekommen, spricht eine deutliche Sprache. Will Frau Gudrun Gerschermann alle vor den Kopf stoßen? Interne Zwistigkeiten trägt man nicht auf den Rücken der Kinder aus. Für mich gab es kein besseres Beispiel für gelebte Integration", so der sozial engagierte Supermarkt-Chef. Für das Verhalten der Leiterin hat er kein Verständnis.
Und er steht nicht allein mit seiner Meinung: Kiki Radicke ist ebenfalls enttäuscht über die Entscheidung von Gerschermann. Als Marketingleiterin der Adacor Hosting GmbH hatte Radicke für die Firma als Sponsor Mittel für das Zirkus-Projekt zur Verfügung gestellt. "Wir waren immer begeistert vom Engagement, dem Elan und vor allem dem Herzblut, mit dem das Team die Zirkuswochen organisiert und durchgeführt hat. Als einer der Hauptsponsoren hätten wir uns gewünscht, in die Entscheidung über die Absage einbezogen worden zu sein", so die Marketingleiterin. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es finanzielle Gründe hatte, das Projekt nicht durchzuführen", teilte sie mit.
Auch zahlreiche Eltern kritisieren die Entscheidung. Rund 100 Kinder sind davon betroffen. Entsetzt ist auch Kerstin Jaletzky, ehemaliges Fördermitglied des Förderkreises St. Josefshaus. "Die Entscheidung, den Zirkus abzusagen, ohne Mitwirkende im Vorfeld darüber in Kenntnis zusetzen, stößt auf großes Unverständnis. Weder der Zirkus Antoni, die zahlreichen Sponsoren noch die Eltern wurden vorab informiert", so Jaletzky. Da sei es nicht verwunderlich, dass sich die Bürger Sorgen um die Kinder des Kinderheims machten. Ramona Tränkler vom Zirkus Antoni bedauert die Absage. "Wir haben im Internet darüber gelesen und am Montag die Absage per Post erhalten. Es ist schade, dass der Zirkus in diesem Jahr nicht stattfinden soll." Der Zirkus habe sich in den vergangenen 16 Jahren den Termin immer freigehalten, um mit den Kettwiger Kindern ein Extraprogramm zu erarbeiten.
Der Verwaltungsratsvorsitzende der gGmbh, Michael Scheiermann, wollte sich gestern zu den Querelen im Kinderheim nicht äußern. Er verwies darauf, dass ein Teil der Probleme durch den Rücktritt des Vorstandes des Fördervereins verursacht seien. Ob der Gänseball in der bisherigen Form stattfinden wird, sei ebenfalls noch offen. Man denke über eine Alternative nach. Am Dienstagnachmittag soll eine Sitzung der gGmbH stattfinden. Kritik gibt es inzwischen auch am Aufsichtsgremium. Es gerät zunehmend ins Visier, weil es seine Kontrollfunktion nicht ausreichend wahrnehme, heißt es aus Kirchenkreisen. Öffentlich äußern wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand. Das Erzbistum Köln konnte die Fragen des Kettwig Kurier bis Redaktionschluss noch nicht beantworten.
Gerschermann selbst war, trotz mehrfacher Anfragen, in den vergangenen zwei Tagen bis zum Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Pfarrer Sven Goldhammer als offizieller Vertreter der Kirchengemeinde vor Ort ist im Urlaub.

Am Samstag hatte Gudrun Gerschermann folgende Info verschickt:

"Die begonnene Umstrukturierung im Kinderheim St. Josefshaus beinhalten nicht nur die Schließung des Ladens Pusteblume, sondern nun auch die Absage des Zirkusprojektes Josefina im Sommer 2017. „Dies ist eine reine Vernunftentscheidung im Rahmen des stattfindenden Veränderungsprozesses der gesamten Einrichtung und wir schauen mit Ihnen und Euch allen auf 16 Jahre Zirkussommer voller bunter und lebendiger Erinnerungen zurück. Mir ist bewusst, dass dies Raum zu Verwunderung, Enttäuschung und Mutmaßungen gibt, aber manchmal benötigen zukunftsorientierte Wege einen großen Schatz an Erinnerungen, eine Pause zum Durchamten, und danach Zeit für neue Wege, Projekte und Möglichkeiten innerhalb und außerhalb dieser Sozialen Einrichtung hier im ‚Dorf‘. Wir sehen uns weiterhin integriert in das tägliche Leben des Stadtteils Kettwig und die Öffentlichkeitsarbeit, der persönliche und fachliche Austausch vor Ort werden weiterhin ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Arbeit bleiben“, so die Kinderheimleiterin Gudrun Gerschermann für ihr gesamtes Team.
„Wir müssen leider den Laden des Kinderheims „Pusteblume“ schließen, machen uns aber dafür stark, dass ein ähnliches Konzept, getragen von mehreren Schultern evtl. wieder ans Laufen kommt, um die riesige Spendenbereitschaft und das große Potential von “Wir können etwas abgeben und verteilen“, zu nutzen und zu gestalten. Der Ideenaustausch mit unseren PartnerInnen aus dem Stadtteil und den Gemeinden über neue, gemeinsame Möglichkeiten zum Umgang mit der großen Spendenbereitschaft in Kettwig hat in regem Austausch begonnen.
Und Ideen für neue Projekte der Zukunft sind im Prozess.
Mit allen UnterstützerInnen und großherzigen SpenderInnen der letzten Jahre, mit allen Weggefährten, Entdeckern und allen Menschen, die uns auch auf neuen Wegen in die Zukunft unserer Arbeit für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin begleiten möchten, werden wir am Samstag, den 8.4.2017 zwischen 14:00 Uhr und 16:00 Uhr ein letztes Mal die Türen des Ladens Pusteblume öffnen und möchten Sie an dieser Stelle von Herzen willkommen heißen, zu einem persönlichen Gespräch, zum Tütenverkauf für je 2,oo €, einem Stöbern in unserem Laden und einer offenen Begegnung."
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