Nur die Punktrichter besiegten den starken Aleksej Jasincuk aus Steele

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Alex Jasincuk (links) auf dem Weg zur Bronzemedaille bei den Deutschen Boxmeisterschaften der U21.
 
Essener Trio bei der Deutschen Meisterschaft in Oldenburg: Vitali Gafurov, Trainer Viktor Ginkel und Aleksej Jasincuk (von links). huwifotos
Trotz Trainingssorgen: Zwei Essener Boxer bei den DM in Oldenburg -
Nach äußerst knappem Kampfausgang wurde der erst vor drei Wochen 19 Jahre jung gewordene Halbschwergewichtler Aleksej Jasincuk vom Boxring Essen um „seine“ Bronzemedaille gebracht. Vereinskollege Vitali Gafurov „fehlten die Körner“ zum Sieg im Leichtgewichts-Viertelfinale. Trainer Viktor Ginkel war zufrieden, reagierte aber säuerlich, als er nach der Vorbereitung gefragt wurde: Durch den Wegfall des Leistungszentrums Boxen in Stoppenberg, hat er für seine Spitzenboxer und den Nachwuchs keine guten Trainingsbedingungen. „Meistens müssen wir im Wald und auf Wiesen trainieren. In Essen gibt es keine Sporthalle, kein Boxgym für unsere Sportler – das verstehe ich nicht!“

Die kleine Essener Sportfamilie aus dem Olympischen Boxen ist angesichts der Trainingsbedingungen, die man nur als unmöglich bezeichnen kann, mit dem Erreichten zufrieden. Die beiden Essener Talente, die unter der Leitung des aus Kasachstan stammenden Boxtrainers Viktor Ginkel bei den Deutschen Meisterschaften in der Oldenburger EWE-Arena an den Start gingen, zeigten ausgezeichnete Leistungen. Für eine Medaille reichte es in der Eliteklasse nicht.

Vitali Gafurov, die kleine „Kampfmaschine“ mit dem großen Herz, schaffte es dieses Mal nicht aufs Siegertreppchen. 81 Mal stand er im Boxring und wollte eigentlich in Oldenburg seinen 50. Sieg (bei vier Remis) feiern. Da hatte sich der Deutsche Jugendmeister von 2009 allerdings verrechnet. In der 60 Kg-Klasse entbrannte sich gegen Sergey Dudinski (Niedersachsen) ein temporeiches Duell mit vielen super Schlagkombinationen. Beide Fighter kämpften – wie es die neuen Regeln vorschreiben, ohne Kopfschutz – gingen auf volles Risiko. Der für NRW startende Essener Gafurov hatte zunächst oft eine Hand mehr drin.


Dudinski begab sich ab der zweiten Runde vermehrt in den Rückwärtsgang und überließ Gafurov (20 Jahre) die Initiative. Mit seinen harten Kontern war der Niedersachse aber durchaus effektiv. Als der Gong zum letzten Durchgang erklang, war noch alles offen. Gafurov schien nun ein wenig nachzulassen. Dudinski machte noch einige Reserven los und brachte mehrere Haken ins Ziel. Zudem arbeitete er viel zum Körper, womit er seinem Rivalen die Luft nahm. Am Ende zahlte sich die Arbeit des Niedersachsen aus. Er siegte knapp nach Punkten und blieb dem Turnier erhalten.
Vitali Gafurov zählt weiterhin zu den besten acht Leichtgewichtlern in Deutschland. Der Schüler ist auf dem Weg zum Fachabitur (12. Klasse) und nennt als Berufsziel Bau-Ingenieur. Be seinem liebsten Hobby, dem Boxsport, möchte Gafurov an seine großen Erfolge – DM-Titel 2009, Vizemeister U21 in 2011 und Bronzemedaillengewinner im Vorjahr, als Gafurov im Halbfinale gegen Jugend-Olympiasieger und Weltmeister Artur Bril nach großen Kampf ausgeschieden ist.

Aleksej Jasincuk, den alle Freunde nur „Alex“ rufen, startete in der Halbschwergewi htsklasse (81 Kg) gegen starke Konkurrenz. Im ersten Kampf besiegte der aus Kasachstan stammende Steelenser (der für den Boxring Essen an den Start geht) den dunkelhäutigen Schleswig-Holsteiner Dennis Nyamot-Bbege nach heftigem Schlagwechsel zum Ende der ersten Runde durch TKo. in Runde zwei. Eine Augenbrauenverletzung sorgte für das Kampfende, der Ringarzt stoppte den Kampf zu Gunsten des Esseners, der damit das Viertelfinale erreichte.
Jasincuk machte sich damit ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, denn kurz vor der „Deutschen“ hatte er seinen 19. Geburtstag gefeiert und kurz vorher das Abitur am Gymnasium Wolfskuhle geschafft. Bei den Deutschen Meisterschaften der U21-Boxer in Moers holte Alex Bronze.

Jetzt studiert der Boxer an der Uni Duisburg-Essen und will Wirtschafts-Ingenieur werden.

In Oldenburg zeigte Jasincuk sein Talent und beherrschte den klaren Favoriten Tony Witzke (Meckpomm), der von keinem Geringeren als dem Erfolgstrainer Michael Timm gecoacht wurde. Der Essener wusste auf alle Aktionen Witzkes eine Antwort, dominierte mit seinem präzisen linken Haken und als viele in der Arena sich schon mit Jasincuks Punktsieg abgefunden hatten, hörte man das Urteil: „Mit 2:1 Richterstimmen Sieger nach Punkten Tony Witzke!“

Buhrufe, Kopfschütteln, Unverständnis bei vielen Boxfans und Experten und selbst der langjährige Bundestrainer und frühere Europameister Valentin Silaghi konnte es nicht fassen: „Der Essener Junge hatte gewonnen, wer soll so ein Urteil verstehen?“

Alex Jasincuk lässt sich nicht entmutigen: „Jetzt erst recht“, sagt er sich und strebt als nächstes sportliches Ziel die Boxbundesliga an.
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