David Beckham gab den großen Kick

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BZ: (v.l.) Roman Heger, Alessio Benetazzo, Michael Alexis Ulmer, Cihan Koray Mavruk, Stefan Berger. Foto: Rhôme/Stefan Braunbarth.
 
BZ: (V.l.) Michael Alexis Ulmer, Alessio Benetazzo, Cihan Koray Mavruk und Roman Heger. Foto: Rhôme/Fabien Holzer.
Sanfte Operateure aus dem Werdener Gemeinde-Probenkeller landeten einen Riesen-Musik-Erfolg:

Vier Jungs aus Essen-Werden und ihr Kölner Sänger landen plötzlich als Band „Rhôme“ mit ihrem Lied „Paradise“ auf der Besten-Liste des weltberühmten Musik-Magazins „Rolling Stone“. Aus dem Probenkeller der Werdener Jona-Gemeinde in den Pop-Olymp: Wie geht das denn?

Noch kann man sich einfach als Presse vor Ort mit dreien von den „Rhôme“-Jungs bei „da Omero“ am Werdener Porthofplatz treffen. Noch ganz ohne Kreisch-Alarm aus dem Marien-Gymnasium gleich nebenan..

Also, den ersten „Hype“ um ihren Hit haben sie offenbar ganz gut überstanden:

Keyboarder Alessio und seine Freunde Roman, Michael, Cihan und Stefan - alle Mitte Zwanzig. Immer noch fast ein wenig verwundert wirkend schauen sie zurück, denn das mit „Paradise“ ist ja noch gar nicht lange her.

Und wie kommt man nun echt auf die Best-Of-Liste?

„Wir hatten uns im letzten Dezember an einem Rolling-Stone-Youtube-Contest beteiligt und bekamen dann plötzlich diese wahnsinnigen Klickzahlen: Das war der Hammer – wir waren tatsächlich auf der Best-of-Liste.“

Was Alessio gut erzogen nicht sagt: Dahinter stecken drei Jahre Arbeit und ein paar Events, mit denen sich „Rhôme“ seit 2013 in der Szene einen Namen machen konnte. Unter anderem war der Auftritt der damals noch völlig unbekannten Fünf offenbar letztlich das nachhaltigere Event, als die oft als provinziell kritisierte „Berlin Fashion Week“ selbst. Trotzdem hatten die Mittler 2014 einen guten Riecher, denn zum Fashion-Anlass luden die Veranstalter zwecks Aufwertung internationale Promis ein.

Und so ist dort Einiges passiert. Denn erstens hat dort „Rhôme“ mit seinem süffigen Easy-Listening-Sound die Models wohl zu ganz besonders schwingenden Auftritten auf dem Catwalk inspiriert. Und dann?

Die berühmte Geschichte von ihrem mega-prominenten „Fan der ersten Stunde“, dem Weltfussballer und Style-Gott namens David Beckham, DIE story haben sie inzwischen schon so oft erzählt, erzählen müssen, dass wir das hier einfach mal ausklammern wollten. Geht aber nicht: Gut, also, der hörte live die Jungs in der Berliner „Trust Bar“, von der er im Londoner „Guardian“ als einem der besten Clubs in Berlin mit der besten Musik gelesen hatte. Und – postete und zwitscherte seine Begeisterung über den „Rhôme“-Auftritt dort in die ganze Welt. Der echte, ja DER echte David Beckham! Was für ein Multiplikator-Effekt. Na, dann müssen die ja wohl was drauf haben! (Haben sie auch. Wo ein Beckham recht hat, hat er recht. Und zwar überall, in der Audio-Welt und auch am Porthofplatz. )

Wir gehen dazu „Back to the Roots“ – Zurück zu den Wurzeln:

Die Jungs aus Werden kennen sich seit der Schulzeit. Michael, Roman und Stefan haben schon mit 14 Jahren in einer Rock-Band im Keller der Jona-Gemeinde „Am Schwarzen“ geprobt. Irgendwann haben sie Alessio angesprochen, weil sie eine neue Band Richtung „Elektro-Pop“ bilden wollten.

Die musikalische Chemie stimmte sofort:

Da waren erstmals die coolen, schwebenden Syntheziser-Klang-Betten von Alessio. Durchaus auch inspiriert von einst Sade mit ihrem Titel „Smooth Operator“ von 1984. Und von Lounge- und Bar-Music, wie sie auch im „da Omero“ läuft, dem Restaurant vom Pappa. Darauf aufbauend entwickelte dann das „alte Trio“ aus Gitarrist Michael, Schlagzeuger Roman und Bassist Stefan schließlich auch „Paradise“ und mischten mit Alessio ihren gemeinsamen großen Hit-Durchbruch. Denn mit Sänger Cihan aus Kölle bekam das Ganze noch eine weitere reizvolle klangliche Dimension. Ein merkfähiger Sound, endlos tanzbar, ohne jede Angst vor Kitsch, mit Chören, in Schach gehalten vom Drummer. Eigenwillige, eigenständige, heutige Music mit großem Potenzial.

Was an den Jungs sofort auffällt, sind ihre intelligenten Antworten. Man spürt viel Engagement und Herzblut. Dazu auch noch gut erzogen. Und: sehr gut angezogen. Und die eigene Performance mit einer Oregano-Prise Selbstironie gewürzt.

Auf vorsichtige Nachfrage nach ihrem für die Szene ungewöhnlich geschmackssicheren Style reagieren sie witzelnd selbstbewusst: „Wir sind so, nicht nur auf der Bühne. Was sollen wir uns extra die Jeans zerreißen, passt doch gar nicht zu dieser Musik? Ja gut, am Anfang gibt es schon manchmal ein paar blöde Sprüche über unsere Sakkos - von Leuten, die uns nicht kennen. Aber das legt sich schnell, wenn wir anfangen zu spielen.“

So auch auf dem Helene-Beach-Festival Frankfurt/Oder 2014, wo die Newcomer „Rhôme“ mit etablierten Stars wie „Cro“ oder „Jennifer Rostock“ auf der Hauptbühne auftraten. „Vor 20.000 Leuten zu spielen, das war schon der Wahnsinn. Wir haben erst hinterher realisiert, was das bedeutet. Auf der Bühne verschmilzt Du mit Deiner Musik und wirst vom Publikum getragen. Da denkt man nicht, da spielt es aus einem heraus, wie im Traum.“

Wieder auf dem Boden fiel die Entscheidung: Nein, sie gehen nicht nach Berlin oder sonstwohin. Sie bleiben an der Ruhr, lesen den Kurier und proben wie bisher in der Jona-Gemeinde Am Schwarzen gegenüber von der Sparkassen-Filiale Heidhausen. Denn hier an der Haltestelle von 169er und SB 19 sind ihre Wurzeln. Und seit einem Jahrzehnt die wahre Inspiration im Probenkeller der Gemeinde. Also dann: „Kick it like Beckham, smooth operators!“. cd
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