Dem Schweinchen auf den Fersen

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  Jeder, der schon einmal im Sommer Urlaub in Frankreich gemacht hat, kennt das Bild: Kleine Grüppchen, die vertieft in ein Ballspiel sind, wobei es gilt, Eisenkugeln so nah es geht an eine kleine Holzkugel heran zu spielen. Die Rede ist natürlich von dem Nationalsport der Franzosen, genannt Boule.
Schon seit langer Zeit hat es dieses gemütliche Kugelspiel geschafft, auch über die Grenzen Frankreichs hinaus Bekanntheit zu erlangen. Um nun noch mehr Menschen das Spiel nahe zu bringen, haben der DJK Altendorf 09, der DJK-Landesverband und der Landessportbund zu einem Boule-Aktionstag im Bockmühlenpark geladen.
„Boule ist ein Wurfspiel für die ganze Familie, vergleichbar mit Boccia“, erklärt Arndt Fischenich, Mitglied des Vereins. „Vor ein paar Jahren habe ich damit begonnen, dann gab es eine längere Pause. Jetzt hat mich das Spiel aber wieder in seinen Bann gezogen. Ich habe eigentlich mit einer anderen Ballsportart begonnen, nachdem ich diese aber nicht mehr machen konnte, habe ich mich dem Boule zugewandt. Jeder, der schon einmal Handball, Tennis oder Fußball gespielt hat, wird auch gut im Boule sein.“
Boule, kurz für Boule Lyonnaise, hat seine Wurzeln in einem im Römischen Reich verbreiteten Kugelspiel mit Steinkugeln, das schon etwa 460 vor Christus von Ärzten als gesunder und nicht zu anstrengender Zeitvertreib empfohlen wurde.
„In Frankreich, wo das Boule-Spiel Nationalsport ist, wird das Spiel selbst als eine Art Lebensgefühl angesehen. Da treffen sich der Bäcker, der Metzger und der Bürgermeister am späten Nachmittag an ihrer Stammkneipe zu einer gemütlichen Partie Boule und lassen so den Tag ausklingen“, meint Norbert Koch, Boulebeauftragter des BPV NRW für den Landessportbund NRW. „Boule ist ein Sport, bei dem sich alle Generationen treffen können, weil es keine Altersgrenzen gibt: Da spielt die 80-jährige Oma mit ihrer zehnjährigen Nichte zusammen. Boule ist wetterunabhängig spielbar und auch auf fast jedem Untergrund: Sand, Kies oder Beton, Hauptsache die Kugeln können noch ein bisschen rollen.“
So vielseitig zu spielen, so denkbar einfach sind auch die Regeln: Jede Mannschaft muss versuchen, ihre Boulekugeln so nah wie möglich an das „Schweinchen“ (fr. cochonnet), eine kleine Zielkugel, zu legen. Dabei dürfen die Kugeln der anderen Mannschaft weggeschossen oder verrückt werden.
„Eine Mannschaft kann aus jeweils einem Spieler (fr. tête à tête), zwei Spielern (fr. doublette) oder drei Spielern (fr. triplette) bestehen. Eine Geschlechtertrennung innerhalb der Mannschaften ist nicht üblich, ebenso wenig wie eine Unterteilung in Altersklassen. Jeder Spieler hat dann entweder zwei oder drei Kugeln zur Verfügung, die so nah wie möglich an das „Schweinchen“ gelegt werden müssen. Beim Werfen wechseln sich die Mannschaften ab. Ab dem Dublette können Spieler in zwei Kategorien unterschieden werden: Einer, der die Kugeln „legt“ (fr. pointeur) und einer, der die Kugeln „schießt“ (fr. tireur). Wenn alle Kugeln auf dem Spielfeld liegen, werden die Punkte gezählt, wobei nur die Kugeln zählen, die am nächsten an der Zielkugel liegen. Üblich ist ein Spiel bis 13 Punkte.“
Beim Boule kommt es demzufolge nicht auf Kraft oder Ausdauer an, weshalb es vor allem für ältere Herrschaften eine sehr geeignete Sportart ist: Frische Luft, soziale Kontakte und Bewegung werden vereint. Wer zudem noch ehrgeizig ist, kann natürlich auch an Wettkämpfen und Meisterschaften teilnehmen.
Ein Spieler, der sich an diesem Tag besonders gut schlägt ist Olivier (22), der schon früher in Frankreich Boule gespielt hat: „Ich habe in den Ferien auf einem Campingplatz in Frankreich gearbeitet und immer dann, wenn ich Zeit hatte, habe ich ein paar Kugeln geworfen. Ich glaube, dass man für das Spiel ein gewisses Gefühl hat oder sich das mit der Zeit entwickelt. Der Aktionstag hat mir gut gefallen und ich kann mir vorstellen, weiter Boule zu spielen.“
Und ganz ehrlich: Bei welcher anderen Sportart wird man sogar mit einer Zigarette im Mund oder einem Gläschen in der Hand so herzlich begrüßt als beim Boule-Spiel?
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