Einmalig in Deutschland: "Menschen unter Strom" und Amprion unterzeichnen Vereinbarung

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Nur strahlende Gesichter bei der Vertragsunterschrift. (Foto: Stephan Faber)
  Hagen: Rathaus an der Volme |

Die Garenfelder Bürgerinitiative „Menschen unter Strom e.V." und der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion unterzeichneten am Mittwoch im Rathaus an der Volme eine gemeinsame Mediationsvereinbarung zum Neubau der 380-kV-Umspannanlage in Hagen-Garenfeld.

Der Neubau ist nötig, um beim geplanten Ausbau der bestehenden 220-kV-Freileitung von Dortmund-Kruckel nach Attendorn in eine 380-kV-Höchst-spannungsfreileitung die Anlage der Enervie in Garenfeld weiterhin zuverlässig anzubinden. Das wiederum sichert die Versorgung der Enervie sowie ihrer nachgelagerten Kunden in der Region.
Mit ihren Unterschriften unter die Mediationsvereinbarung setzen beide Parteien gemeinsam den Schlusspunkt unter einen erfolgreichen Dialogprozess und beweisen damit, dass sich im Gespräch auf Augenhöhe auch zunächst unvereinbar scheinende Interessen auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Der Dialog wurde seit April 2014 mit dem expliziten Ziel geführt, unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten offen das Für und Wider möglicher Varianten zu erörtern.
„Amprion hat sich diesem Mediationsprozess gerne gestellt, um im gemeinsa-men Dialog das bestmögliche Konzept zur Realisierung des Bauprojektes zu entwickeln“, sagt Dr. Ingo Jürgens, Leiter Projekt-Management bei Amprion und fügt hinzu: „Das Verfahren war für uns Neuland, aber wir sind mit dem konstruk-tiven Verlauf sehr zufrieden.“ Berthold Pilz, Leiter Anlagenprojekte bei Amprion ergänzt: „Es ist gelungen, ein für alle Seiten tolles Ergebnis zu erzielen. Daher ein dickes Danke an alle Beteiligten.“

Einmaliger Mediationsprozess in Deutschland


Dieser für den Netzausbau in Deutschland bislang einmalige Mediationsprozess wurde mit den Mediatoren Ulrich Kleinert, Vorsitzender Richter am Landgericht a.D. sowie Rolf Heeger, Rechtsanwalt und Notar aus Hamm durchgeführt. Mit am Tisch saßen - neben der Bürgerinitiative und Amprion - Vertreter der Kommunalpolitik, der Stadt Hagen sowie des Stromversorgers Enervie.
Auf der Suche nach der besten Kompromisslösung wurden in mühevoller Klein-arbeit 14 mögliche Standorte mit 17 Planungsvarianten innerhalb und außerhalb von Hagen für den Neubau der Umspannanlage erarbeitet und einzeln bewertet. Der zur Bewertung der Standorte benutzte Kriterienkatalog wurde von allen Beteiligten mit Unterstützung eines unabhängigen Planungsbüros gemeinsam festgelegt.
Nach 15 gemeinsamen Sitzungen, bei denen ebenso leidenschaftlich wie sach-lich diskutiert wurde, stand nach achtmonatiger Arbeit schließlich eine von allen Beteiligten getragene Kompromisslösung fest. Diese wurde am 5. Dezember 2014 einer Bürgerversammlung in Garenfeld zur Abstimmung vorgelegt und auch von allen 170 Anwesenden einstimmig als beste Lösung verabschiedet.

Neuer Standort für Umspannanlage in Garenfeld

Konkret sieht das Ergebnis des Mediationsverfahrens als Standort für die neue 380-kV-Umspannanlage nun eine Fläche in Garenfeld in unmittelbarer Nähe des Waldrandes vor. Der Standort liegt damit neben der zurzeit bestehenden 220-kV-Umspannanlage der Enervie, die jedoch aufgrund sich ändernder Rah-menbedingungen im Netz der Enervie voraussichtlich vollständig entfallen kann. Sofern die nötigen Voraussetzungen dafür geschaffen sind, könnte ungefähr im Jahr 2023 der Rückbau erfolgen.
Die neue 380-kV-Umspannanlage wahrt mit ca. 400 Metern den größtmöglichen Abstand zur nächstgelegenen Wohnbebauung. Zudem wird die Anlage in ein umfangreiches Landschaftskonzept eingebettet, das durch ein darauf spezi-alisiertes Ingenieursbüro erarbeitet wurde. Das Konzept sorgt in Kombination mit baulichen Maßnahmen für den erforderlichen Schall- und Sichtschutz. So verringert sich die Bauhöhe der Anlage von 22,5 Meter auf 14,5 Meter. Ergänzt werden die landschaftsbaulichen Maßnahmen durch das Anpflanzen von Bäu-men und Hecken sowie das Anlegen von Streuobstwiesen, die ebenfalls als Sichtschutz für die Anwohner dienen.
Mit der Unterzeichnung der Mediationsvereinbarung ist nach überein-stimmender Ansicht von Amprion wie auch von „Menschen unter Strom e.V.“ der Weg frei für die Einleitung des Genehmigungsverfahrens zur Errichtung der 380-kV-Umspannanlage. Die Bürgerinitiative wird die weitere Planung und Um-setzung des Projektes eng begleiten.
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