Annaberg: Wallfahrt der Schlesier

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Rund 600 Gläubige folgten dem Aufruf der Landsmannschaft Oberschlesien zur Wallfahrt auf den Annaberg. Trotz des allmählichen Verschwindens der Zeitzeugen ist die alljährliche Zusammenkunft auch im 65. Vereinsjahr noch ein fester Termin.

Die Verehrung der Mutter Anna spielt im katholischen Glauben seit dem Mittelalter eine wichtige Rolle, und seit der frühen Neuzeit sind Wallfahrten auf den Halterner Annaberg bezeugt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Berg an der Lippe als Ersatz für sein gleichnamiges Pendant im nun polnischen Schlesien ein wichtiger Anlaufpunkt für Heimatvertriebene. Die Landsmannschaften kamen hier nun zur Verehrung der Marienmutter zusammen und erinnerten an ihre Heimat.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Zahl derjenigen, die noch in einem deutschen Schlesien aufgewachsen waren, immer geringer. Inzwischen sind es die Kinder und Kindeskinder, die die Traditionen und Sprache am Leben halten. Auch ist der Ton gemäßigter geworden: Revanchistische Thesen und Rückforderung der verlorenen Gebiete werden nicht mehr laut geäußert, statt dessen bekennen sich die Schlesier zum europäischen Gedanken und zur Aussöhnung unter den Völkern. Eine christlich-konservative Grundeinstellung haben sie sich aber bewahrt.

Dass man auf dem Annaberg neben schlesischen Frauentrachten auch Herren in schwarzer Bergmannsuniform sehen konnte, war kein Zufall: Als wichtige Montanregion verfügt Schlesien über eine lange Zechentradition. So wurde zu Beginn und am Ende der Heimatgedenkstunde an der Anna-Stele die Bergmannsglocke geschlagen, und die Männer unter dem Schachthut begleiteten die Veranstaltung auch musikalisch.

Den Besuch von NRWs Justizminister Thomas Kutschaty kann man auch als Indiz deuten, dass sich die einst politisch durchaus umstrittene Landsmannschaft inzwischen erfolgreich um ein demokratisches Image bemüht hat. Noch vor wenigen Jahren wurde die eigene Jugendabteilung wegen rechtsradikaler Verbindungen aus der Landsmannschaft ausgeschlossen.
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