Heimische Betriebe bilden Lehrlinge aus 84 Nationen aus

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Morgens um acht Uhr in der Backstube der Stadtbäckerei Münster Limberg: Produktionsleiter Frank Meinecke (3.v.r.) freut sich mit den Auszubildenden aus fünf Nationen nach getaner Arbeit über das gute Miteinander (v.l.): Yaya Conde (aus Guinea), Bajram Gashi (Kosovo), Bathie Barry (Guinea), Frank, Luisa Lübke (Deutschland), Florida Neli (Albanien).

Kreis. Das Handwerk im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region gibt Auszubildenden aus 84 Nationen eine Heimat. Insgesamt stammen 1.134 Lehrlinge (9 Prozent aller 12.663 Auszubildenden im Kammerbezirk Münster) aus dem Ausland – aus Europa, Afrika, Südamerika und Asien.



Größte Gruppe unter den ausländischen Lehrlingen sind Türken (329), gefolgt von Kosovaren (61) und Polen (40). 248 Flüchtlinge werden ausgebildet. Die Integrationskraft der kleinen und mittleren Betriebe gehe aber weit darüber hinaus, teilt die Handwerkskammer Münster (HWK) mit. Hinzu kämen alle, die einen Migrationshintergrund mitbrächten und die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hätten, aber deshalb statistisch nicht erfassbar seien. „Das Handwerk ist offen für Menschen aus der ganzen Welt“, betont Kammerpräsident Hans Hund. Der Slogan „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hinwill“ sei gelebte Willkommenskultur in den kleinen und mittleren Betrieben. Angesichts zahlreicher unbesetzter Lehrstellen stünden die ausländischen Lehrstellenbewerber nicht in Konkurrenz zu inländischen: „Wir brauchen sie alle.“ Ziel der Ausbildung von Flüchtlingen sei es zudem, diese für den Fall einer künftigen Rückkehr in ihre Herkunftsländer für eine dortige Tätigkeit zu qualifizieren.
Die meistgewählten Berufe von ausländischen Lehrlingen sind Kfz-Mechatroniker (Kfz-Servicemechaniker), Anlagenmechaniker für Sanitär-Heizung-Klima und Friseur.
Die Integrationskraft des Handwerks zeigt sich auch bei den Unternehmern und Führungskräften im Handwerk: 12 Prozent aller 28.310 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster haben einen Inhaber, Gesellschafter, Geschäftsführer oder Ausbilder mit ausländischem Pass – insgesamt 3.375 Unternehmen. Die am meisten vertretenen Nationalitäten sind polnisch, türkisch, niederländisch, italienisch und kosovarisch. HWK-Präsident Hans Hund hofft allerdings, dass künftig mehr Ausländer, die in Deutschland leben, nach der Handwerkslehre auch den Weg zur Meisterprüfung einschlagen. Unter den Inhabern und gesetzlichen Vertretern von Handwerksbetrieben im Kammerbezirk mit Meisterqualifikation haben nur 2 Prozent eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dabei steige die Lebensdauer von Handwerksunternehmen mit der handwerksspezifischen Qualifikation der Inhaber.„Das Handwerk übernimmt Verantwortung für die berufliche Qualifikation und Integration von Zugewanderten und Flüchtlingen“, so Hans Hund. Voraussetzung für eine Ausbildung seien jedoch ausreichende Sprachkenntnisse und grundlegende Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, damit in der dualen Berufsausbildung neben praktischen Kenntnissen auch der Stoff im Berufskolleg bewältigt werden könne.


Hans Hund fordert einheitlichere Qualitätsstandards bei den Anbietern von Sprachkursen für Flüchtlinge und mehr Rechts- und Planungssicherheit bei deren Ausbildung. Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden müsse verbessert werden, um bürokratische Hürden abzubauen. „Die Betriebe brauchen Rechts- und Planungssicherheit, wenn sie Flüchtlinge ausbilden“, unterstrich Hund.
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