Naturschützer erhalten Auszeichnung des NABU

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Stefan Wanske (links) vom NABU Recklinghausen verleiht Urkunde und Plakette an Carola De Marco und Christian Lynen.
 
Fledermäuse gibt es in vielen Variationen und Größen. In Wohngebieten ist hauptsächlich die Zwergfledermaus anzutreffen.
 
Die tierischen Mitbewohner leben in speziellen Brutkästen unter dem Dach und in artgerecht konzipierten Vorrichtungen, die schon beim Bau der Fassade in die Dämmung und die Verkleidung integriert werden.


Im Rahmen der vom Umweltministerium NRW geförderten Aktion "Fledermausfreundliches Wohnen" hat der NABU NRW ein weiteres besonderes Haus im Kreis NRW ausgezeichnet. Stefan Wanske vom NABU Recklinghausen und Mitglied der AG Fledermausschutz überreichte Carola De Marco und Christian Lynen aus Haltern neben einer Urkunde die dazugehörige Plakette, die zukünftig das Wohnhaus der beiden Naturschutzaktivisten im Wienäckern schmücken wird. Ausschlaggebend für die Auszeichnung ist das bei der energetischen Sanierung in die Dämmung eingesetzte Fledermausquartier.

Carola De Marco und Christian Lynen teilen ihr Haus mit einer tierischen Wohngemeinschaft. Insekten, Vögel und Fledermäuse finden am und um das Haus des Paares ideale Lebensbedingungen. Gerade die Nachtschwärmer aber haben es ihnen besonders angetan. Bei vielen Menschen lösen die am Tage unsichtbaren und in der Nacht lautlos auf die Jagd gehenden Räuber ein ungutes Gefühl aus. Besonders gefürchtet sind die sogenannten Vampirfledermäuse, die Pate gestanden haben für so manchen Horrorfilm.

Schützenswerter Nützling

“Zu Unrecht“, erklärt Stefan Wanske vom NABU: “Fledermäuse gehören ausdrücklich zu den Nützlingen! Eine Zwergfledermaus, die selbst nicht mehr als sechs Gramm auf die Waage bringt und ausgewachsen eine Spannbreite von etwa 22 cm erreicht, vertilgt im Laufe einer Saison eine Menge an Insekten, die dem Gewicht von zwei Paketen Butter entspricht. Ohne diese tierische Hilfe bei der Insektenbekämpfung kämen wir im Sommer gegen eine Mückenplage nicht an. Auch andere Insekten und sogar Käfer zählen zu ihrer Beute. Was eine einzige Fledermaus zwischen April und Oktober leistet, wäre für einen Menschen völlig unmöglich. Jedenfalls nicht ohne den Einsatz umweltschädigender Gifte.“

Das Haus von Carola De Marco und Christian Lynen, selbst NABU-Mitglieder, ist das dritte dieser Art, das der Naturschützer mit Urkunde und Plakette in Haltern auszeichnet. In zwei mitgebrachten Schaukästen befinden sich präparierte Fledermäuse. Vom winzigen Neugeborenen bis hin zum ausgewachsenen Großen Mausohr erklärt Wanske die verschiedenen heimischen Arten. Sie alle gehören zur Ordnung der Chiroptera und sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Weltweit gibt es etwa 900 Fledermausarten. Zu den Mäusen gehören sie aber keinswegs.

Nützliche Untermieter unterm Dach

Im Garten und am Haus des Ehepaares leben Zwergfledermäuse. “Sie sind die am häufigsten vorkommende Art innerhalb unserer Wohngebiete. Als Höhlenbewohner bevorzugen sie Nistplätze aus Beton, die ihren natürlichen Bedürfnissen an ehesten entsprechen“, erklärt Carola De Marco. Solche Wohnmöglichkeiten gibt es reichlich am Haus des Paares. Neben bewusst zur Verfügung gestellten Ritzen und Nischen in der Verkleidung des Hauses gibt es spezielle Höhlen aus Beton, sogenannte Fledermausquartiere, die schon beim Umbau im Jahr 2009 in die Verkleidung der Außenwand integriert wurden. Natürlich finden hier auch andere Tiere die Gastfreundschaft der Halterner Naturschützer. Nistkästen für Mauersegler und Singvögel haben hier ebenso ihren Platz wie Insektenhotels. Gelegentlich kommt es vor, dass Vögel und Fledermäuse die für sie vorgesehenen Behausungen verwechseln. So ziehen die Fledermäuse auch schon mal ins Vogelhäuschen ein und umgekehrt.

Ruheort für Mensch und Tier

“Das macht nichts. Hauptsache die Tiere mögen es und fühlen sich wohl,“ meint Christian Lynen. Den tierischen Schützlingen gefällt es ganz offensichtlich. Auch im Garten hinter dem Haus nisten zahlreiche Vögel in den Bäumen und Sträuchern. Insekten schwirren über den ersten Blüten im hohen Gras und Haufen aus Laub und Totholz bieten Igeln Unterschlupf. Es ist ein heimeliges Ambiente zum Wohlfühlen und Entspannen. Ein Bild wie aus Kindertagen und Erinnerungen an idyllische Sommerferien im Dorf. Dass es dennoch Menschen gibt, die diese Form eines Hausgartens als ungepflegt empfinden, können Carola De Marco und Christian Lynen nicht verstehen. Für sie steht das Wohl der vierbeinigen, gefiederten und geflügelten Mitgeschöpfe im Vordergrund. “Wir bauen unsere Häuser in ihren Lebensraum. Mit unseren Bemühungen, den Tieren Lebensraum zu schaffen, möchten wir ihnen ein Stück von dem zurückgeben, was wir ihnen genommen haben,“ erklären sie.

Naturschutz praktisch umgesetzt

Damit geben Sie ein Beispiel, das unbedingt Nachahmer finden sollte! In Zeiten des Klimawandels ist es eine Menschenpflicht, Gewohnheiten zu überdenken, mit Energie verantwortungsvoll umzugehen, Chemikalien sparsam einzusetzen und nach Möglichkeiten dem Aussterben bedrohter Tierarten entgegenzuwirken. Schon ein Stückchen Wildbienenwiese im heimischen Garten oder sogar im Kübel auf der Terrasse kann dazu beitragen.

Wer den eigenen Garten fledermaus- oder insektenfreundlich machen möchte, der findet auf verschiedenen Internetseiten wertvolle Hilfe. Auch der NABU steht gern beratend zur Seite.

Hintergrund:

Ein Zusammenleben zwischen Fledermäusen und Menschen ist heute leider nicht mehr selbstverständlich. Viele Quartiere werden bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten zerstört, so dass vielerorts Quartiermangel für die fliegenden Nützlinge herrscht. Menschen, die Fledermäuse dulden und Ihnen ein sicheres Zuhause bieten, möchte der NABU daher mit einer Plakette auszeichnen. Der NABU ruft Fledermausfreunde in ganz Nordrhein-Westfalen dazu auf, sich an der Aktion zu beteiligen und sich um die Auszeichnung “Fledermausfreundliches Haus“ zu bewerben. Auch Berufsgruppen wie Dachdecker und Handwerker, die regelmäßig Fledermäusen in Gebäuden begegnen, sind zum Mitmachen aufgerufen.

Weitere Informationen zum Projekt und den Teilnahmemöglichkeiten gibt es beim NABU NRW, Nadine Willius, Völklinger Straße 7-9,40219 Düsseldorf.
Telefon:0221-159251-50.
E-Mail: fledermaus@nabu-nrw.de und unter www.fledermaus-willkommen.de

Für Rückfragen vor Ort steht Stefan Wanske vom NABU Recklinghausen zur Verfügung. Telefon: 0177-7374018
oder per E-Mail: stefan.wanske@t-online.de
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