Maiempfang im Alten Rathaus: Ausbildung und Mindestlohn im Fokus

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Gastredner Norbert Maus stellte klar, dass zu guter Arbeit auch faire Löhne gehören müssten, deshalb seien die aktuellen Forderungen der Gewerkschaften absolut angemessen. (Foto: Stadt)

Haltern. Gut besucht war der traditionelle Maiempfang im Alten Rathaus. In Vertretung von Bürgermeister Bodo Klimpel begrüßte der stellvertretenden Bürgermeister Heinrich Wiengarten eine Reihe von Interessierten, an erster Stelle den Gastredner Norbert Maus, der Betriebsratsvorsitzender des Bergwerks Auguste Victoria und zudem im Gesamtbetriebsrat der Ruhrkohle AG vertreten ist.

Wiengarten stellte die Bedeutung des Empfangs heraus und erinnerte daran, dass die deutschen Gewerkschaften und viele andere Personen und Institutionen es geschafft haben, einen für die meisten Arbeitnehmer guten Standard an sozialen Errungenschaften zu erarbeiten, manchmal sicherlich auch zu erkämpfen.
Er erinnerte auch daran, dass „wir in Deutschland seit nunmehr fast 70 Jahren in einer sehr gefestigten Demokratie leben, in der wir unsere Standpunkte vertreten können und auch müssen. Unser aller Anspruch sollte dabei sein, humane Arbeitsplätze zu gestalten, dass alle Beteiligten eine gesunde Basis haben, ihr Leben gut und vor allem human zu gestalten.“
Dabei sprach er den zu Beginn des Jahres eingeführten Mindestlohn an: „Wir hören derzeit immer wieder von absolut schlimmen Fällen, in denen dubiose Firmen offenbar Lücken im Mindestlohngesetz schamlos für sich ausnutzen und letztlich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach wie vor Löhne bezahlen, die weit entfernt sind von den geforderten 8,50 Euro pro Stunde. Dieses Vorgehen müssen wir bekämpfen und solchen Firmen, die beispielsweise über Subunternehmen und mit scheinbarer Selbstständigkeit den Mindestlohn aushebeln, das Handwerk legen.“

"Die Quote der Ausbildungsbetriebe liegt mit 20,7 Prozent auf dem tiefsten Wert seit 1999..."


Heinrich Wiengarten erwähnte einen weiteren Aspekt, der immer mehr in den Mittelpunkt rücken müsse: „Ich denke daran, dass aktuell die Zahl der Ausbildungsverträge mit rund 522.000 den niedrigsten Stand seit der Deutschen Einheit erreicht hat. Die Quote der Ausbildungsbetriebe liegt mit 20,7 Prozent auf dem tiefsten Wert seit 1999. Und das trotz robuster Konjunktur und günstiger Demographie. Daran sehen Sie, verehrte Gäste, dass wir nicht müde werden dürfen, gerade auch in unsere Kinder und Jugendlichen zu investieren. Es geht um deren Zukunft und ebenso darum, endlich mehr gegen den schon jetzt in einigen Bereichen spürbaren Facharbeitermangel zu unternehmen.“

Gastredner Norbert Maus stellte klar, dass zu guter Arbeit auch faire Löhne gehören müssten, deshalb seien die aktuellen Forderungen der Gewerkschaften absolut angemessen. Schließlich würden auch die Lebenshaltungskosten und Mieten teils drastisch steigen. Für junge Leute müsse es ebenso mehr Perspektiven geben. Damit meinte er, dass es für Menschen, die nach einem Studium ins Berufsleben einsteigen, mehr geben müsse als immer wieder befristete Arbeitsverhältnisse.
Als Vertreter der Bergmänner stellte Maus klar, dass es aus seiner Sicht noch lange Jahre notwendig sei, Stein- und Braunkohle als Brücke anzusehen, den Weg zur optimalen Nutzung von erneuerbaren Energien zu finden. Für ihn ist klar, dass AV, wo noch 89 Halterner beschäftigt sind, Ende dieses Jahres Schluss sei. „Danach werden wir den Rückbau betreiben, danach werden wir mit Anstand, Würde und erhobenen Hauptes gehen.“ In diesem Zusammenhang mahnte er auch an, dass das Entstehen neuer Arbeitsplätze möglichst schnell erreicht werden müsse.
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