Ansichten eines "Berufs-Radlers"

Gefährliche Situationen ergeben sich für Radfahrer u.a. nach dem Überqueren der großen Kreuzung in Niederhemer.
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Der Hemeraner Joachim Meyer kann sich ohne Übertreibung "Berufs-Radler" nennen. Er ist zwar kein Sportprofi, der während der Tour de France die steilsten Alpenpässe erklimmt, doch er fährt täglich mit dem Rad von seiner Wohnung in der Felsenmeerstadt zum Arbeitsplatz in Dortmund und zurück. Dabei erlebt der Zahntechnikermeister den alltäglichen "Verkehrs-Wahnsinn" beim Kampf Auto gegen Fahrrad und hat sich deshalb so seine Gedanken zur Mobilität der Zukunft in den Städten gemacht.

Das aktuelle Hauptproblem sei, dass Radfahrer von Autofahrern nach wie vor nicht als vollwertige und gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden. "Obwohl ich gerade in der dunklen Jahreszeit durch diverse Reflektoren quasi wie ein Weihnachtsbaum funkele, nehmen mich die motorisierten Verkehrsteilnehmer häufig einfach nicht wahr, überholen nur mit wenigen Zentimetern Sicherheitsabstand oder schneiden mich beim Wiedereinscheren", bilanziert Meyer kopfschüttelnd die lebensgefährliche Ignoranz vieler Autofahrer.
Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden E-Mobilität (u.a. auch mit E-Bikes und Pedelecs) fordert der Hemeraner eine andere Aufteilung der vorhandenen Verkehrsräume und ein generelles Tempo 30 in den Innenstädten. "Dann könnten Autofahrer und Fahrradfahrer - die auf einer eigenen Fahrspur - gleichberechtigt mit derselben Geschwindigkeit und daher ohne viel gefährliches Überholen den urbanen Verkehrsraum nutzen." Positive, zukunftsweisende Entwicklungen sieht Joachim Meyer auch in den "Rad-Autobahnen", die es bereits im Ruhrgebiet gibt. "Wenn es einen innerstädtischen Zeitgewinn für das Radfahren gegenüber dem Auto geben würde, wäre ein zusätzlicher Anreiz für den Umstieg auf E-Bikes gegeben", so Meyer, der einen Umstieg von 30 Prozent der Berufspendler auf das Rad in den nächsten zehn Jahren durchaus für möglich hält - vorausgesetzt die Verkehrsinfrastruktur verändert sich entsprechend.
Auch mit der speziellen Verkehrssituation in seiner Heimatstadt hat sich Joachim Meyer intensiv beschäftigt und viele Problemzonen ausgemacht.

"Wenn plötzlich die Oma mit dem Dackel an der Langleine auftaucht, ist ein Unfall vorprogrammiert."

"Eine aus meiner Sicht völlig falsche Entwicklung sind die kombinierten Rad-/Fußwege, zu der auch der hoch gepriesene Radweg zwischen Menden und Hemer gehört. Sportliche Radfahrer oder E-Bike-Fahrer erreichen schnell mal 30 km/h und sind damit sechsmal schneller als Fußgänger. Wenn sie dann auf eine Oma mit ihrem umhertollenden Dackel an der Langleine und plötzlich losrennende Kleinkinder treffen, sind Unfälle trotz aller Voraussicht vorprogrammiert." Deshalb fordert Meyer bei der zukünftigen Planung von neuen Radwegen die strikte Trennung von der Fußgängernutzung.
Weitere Minuspunkte sammelt die Felsenmeerstadt nach Ansicht des Hemeraners durch Radwege, die abrupt an einer Kreuzung enden. "Von einem echten Radwegenetz kann man da momentan sicherlich nicht sprechen." Auch der Radweg von Westig in Richtung Innenstadt habe seine Tücken. "Zu einen verläuft er ebenfalls über den Bürgersteig, zum anderen kreuzt er rund ein halbes Dutzend von Ausfahrten, wo man als Radfahrer ständig mit einem ignoranten Autofahrer, der die Vorfahrtregelung nicht beachtet, rechnen muss."
Und dann ist da noch die große Kreuzung in Niederhemer. "Nach dem Überqueren in Richtung Innenstadt befindet man sich als Radfahrer urplötzlich auf der linken Spur", erläutert Joachim Meyer, "während links ,die Autos' versuchen, sich vorbeizudrängeln, wird man von rechts durch den zufließenden Verkehr aus Iserlohn regelrecht in die Zange genommen. Da kann einem als Radfahrer schon mal richtig mulmig werden."
Aber Joachim Meyer will nicht nur meckern, er ist auch bereit, tätig zu werden. "Ich würde mich bei Interesse seitens der Stadt gerne mit den zuständigen Mitarbeitern zusammensetzen, um einige aus meiner Sicht leicht zu realisierende Verbesserungen zu erörtern." Er denkt dabei zum einen an Plakataktionen zur zusätzlichen Verkehrserziehung und Sensibilisierung der Autofahrer ("Das funktioniert beim Thema Rettungsgasse doch auch ganz gut."), zum anderen aber auch durch einfache Markierungsmaßnahmen, die die Situation für die Radfahrer in Hemer sicherer machen könnten.

Gefährliche Situationen ergeben sich für Radfahrer u.a. nach dem Überqueren der großen Kreuzung in Niederhemer.
Joachim Meyer hat sich intensiv mit den Konflikten zwischen Rad- und Autofahrern in Hemer und darüber hinaus beschäftigt.
Autor:

Christoph Schulte aus Hemer

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