"Herne stellt sich quer": AfD-Mann Tillschneider unter Protest in Herne empfangen

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Das Bündnis "Herne stellt sich quer" demonstrierte am Sonntag, 13. Mai, gegen die AfD-Veranstaltung "Islam und Antisemitismus".
 
Der Islamwissenschaftler und AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider gilt als Rechtsaußen seiner Partei. Er sprach am Sonntag zu "Islam und Antisemitismus".
Herne: Gaststätte Zille |

Unter Protest empfing der Stadtverband der AfD Herne am Sonntagmorgen ihren Gast aus Sachsen-Anhalt. Hans-Thomas Tillschneider war eingeladen, einen Vortrag zu "Islam und Antisemitismus" zu halten. Rund 300 Menschen fanden sich zu einer Gegenkundgebung ein.

Mit Tillschneider hatte sich die Herner AfD einen Sprecher aus dem rechtsextremen Flügel der Partei in die "Zille" am Kulturzentrum geladen. Der Islamwissenschaftler ist bekannt für seine Nähe zu diversen rechtsextremen Gruppen, darunter die "Identitäre Bewegung", das Netzwerk "Einprozent" sowie auch "Pegida" in Dresden, wo er im vergangenen Jahr als Gastredner aufgetreten war. Dem völkisch-nationalistischen Verein "Patriotische Plattform", dem vor allem AfD-Mitglieder angehören, steht er als Sprecher vor.

Bürgerliches Bündnis gegen AfD

Es dürfte wesentlich mit der Einladung Tillschneiders zusammen hängen, dass sich im Vorfeld der AfD-Veranstaltung ein breites Bündnis aus Grünen, Linken, Gewerkschaften und dem kulturell-alternativen Zentrum Herne (KAZ) bildete. Denn angesichts der Personalie Tillschneider sei man "über 'Wehret den Anfängen' schon weit hinaus", so DGB-Sprecher Norbert Arndt bei der Kundgebung. Mit Blick auf "diesen rechtsextremistischen Import aus Sachsen-Anhalt", mahnte Arndt, dürfe niemand geschichtsvergessen den Sonntag genießen.

Während sich vor der "Zille" Musiker und Redner in Solidaritätsbekundungen übten, zog sich die AfD mit ihrem knapp 60 Personen zählenden Publikum ins Lokal zurück. Kern der Veranstaltung: Tillschneiders Vortrag. Der drehte sich einzig um die angebliche Unvereinbarkeit des muslimischen Glaubens mit einer rechtsstaatlichen Gesinnung. Ein gläubiger Muslim kann also nicht gleichzeitig Demokrat sein? – Nein, das führe zwangsläufig zu einem Gewissenskonflikt. Was bedeutet das für die Millionen Muslime und Muslimas, die heute in Deutschland leben? – Das seien zu viele. Die "kulturelle Fremdheit des Islam" sei unüberwindbar und betreffe nahezu jeden Aspekt der Gesellschaft. Hier könne es kein Verständnis geben, kein Miteinander.

"Niemand muss sich zwischen Islam und Demokratie entscheiden"

Saida Aderras kann darüber nur den Kopf schütteln. Die Dortmunder Islamwissenschaftlerin und Expertin für interreligiösen Dialog stellt zunächst fest: "Es gibt nicht den einen Islam. Solche undifferenzierten Behauptungen können nur falsch sein." Tatsächlich, so Aderras, müsse sich niemand zwischen dem Islam und der Demokratie entscheiden. Beides sei problemlos miteinander vereinbar, wie auch die vielen Millionen in Deutschland lebenden Muslimas und Muslime zeigten. Die Religion werde allenfalls für politische Zwecke benutzt. 

Kritik an einer Religion zu üben, nur um diese Kritik am Ende auf alle Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft zu projizieren – das sei ein alter Taschenspielertrick der neuen Rechten, meint auch Alexander Häusler. Legitime Religionskritik richte sich immer an die Lehre, so der Rechtsextremismus-Experte, und nicht an eine ganze Gruppe von Menschen. Häusler erkennt in Hans-Thomas Tillschneider eine "wichtige Figur des Rechtsaußen-Flügels der AfD" mit engen Kontakten zu Rechtsradikalen in ganz Deutschland. Mit nationalistischen und völkischen Kampfbegriffen mache Tillschneider deutlich, dass ihm an Grundrechten wie der Religionsfreiheit wenig liege.

Zille-Wirtsleute: "Mensch ist Mensch"

Die Wirtsleute Nathalie und Karl-Heinz Gerdes, die ihre "Zille" am Sonntag für die AfD-Veranstaltung zur Verfügung stellten, zeigten sich wenig begeistert vom Trubel vor der Tür. Der Herner AfD-Verband sei regelmäßig zu Gast im Lokal und mache keine Probleme. Davon, dass mit Hans-Thomas Tillschneider ein Rechtsradikaler bei ihnen spreche, möchten beide nichts wissen. Die AfD sei wie jede andere Partei willkommen, so Karl-Heinz Gerdes. Das habe auch ökonomische Gründe, pflichtet Tochter Nathalie bei. Beide widersprachen Gerüchten, die "Zille" sei als Tochterunternehmen der Stadt dazu verpflichtet, die AfD zu beherbergen. Das geschehe aus freien Stücken. Nathalie Gerdes: "Mensch ist Mensch."
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5 Kommentare
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 14.05.2018 | 20:02  
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Jürgen Daum aus Duisburg | 14.05.2018 | 21:28  
Oliver Borgwardt aus Gladbeck | 16.05.2018 | 12:23  
Jens Steinmann aus Herne | 17.05.2018 | 10:44  
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hans Knaup aus Kranenburg | 17.05.2018 | 20:02  
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