Da waren es nur noch....... (Wiederholung aus 2011 )

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Immer seltener hatten wir ihre Geschäfte betreten, geschweige etwas bei ihnen gekauft. Dennoch lamentieren wir lauthals, wenn ein allteingessener Ladenbesitzer entmutigt aufgibt und einem weiteren Billig-Bäcker Platz macht. Die uns vertrauten Firmenschilder verschwinden zusehends und werden bestenfalls durch Logos überregionaler Filialisten ersetzt. Mitleid kommt auf, wenn ein Traditionsunternehmen trotzig versucht, sich über Wasser zu halten, obwohl es bereits von einem Tinten-Shop und einem der unzähligen Telefonläden flankiert wird. Herten hat schon vor langer Zeit sein Gesicht verloren, als Städteplaner die Abrißbirne ungezügelt wüten ließen. Das Wenige, an dem wir unsere Erinnerungen festmachen könnten, geht in der Innenstadt nun auch verloren.

Ich sehe das Bild des einheimischen Geschäftsmanns noch vor mir, der morgens seine Ladentür selbst öffnete, den Blick zum Himmel wandte, um dann die Markise per Handkurbel in eine Schatten spendende Position zu bringen. Im Verkaufsraum hingen Portraits seiner Vorgänger, deren strenge Blicke ihm wohl den Mut nahmen, bauliche oder sonstige Veränderungen zu wagen. Es wäre ohnehin ein letztes Aufbäumen gewesen, denn der Großteil seiner vermeintlich treuen Kunden war bereits zum „Aldiismus" konvertiert. Verblieben waren ihm lediglich die unerbittlichen Spendeneintreiber der zahlreichen Vereine, denen er sich aus Familientradition zur Herausgabe von Sachpreisen für die jährliche Tombola verpflichtet fühlte.

Nun haben die Eintagsfliegen ihr Brutgebiet von den Randbezirken in die Innenstadt verlagert. Dort nisten sie sich in viel zu große, fast mietfreie Leerstände ein und geben sich mit dem Schritt in die Selbständigkeit den finanziellen Rest. Aus Bernis Bottle-Shop wird nach nur wenigen Wochen Susis Suppenküche, deren Betreiberin wiederum nach einigen Monaten fluchtartig - unter Hinterlassung aller noch abzustotternden Gerätschaften - das Weite sucht.

Für die Misere in den Innenstädten werden allzu leicht die Discounter und Städteplaner als Verursacher ausgemacht. Doch letztendlich sind wir mit unserem Kaufverhalten den hiesigen Geschäftsleuten in den Rücken gefallen, indem wir den mischkalkulierten Sonderangeboten der Billigheimer nicht widerstehen konnten . Einst pries der damalige Bürgermeister das aus Karstadt-Überbleibseln gebastelte Herten-Forum als Leuchtturm-Projekt an, dessen Licht auf die gesamte City ausstrahlen sollte. Erreicht wurde jedoch noch nicht einmal der Wirkungsgrad einer Grablampe.
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Marlis Trapitz aus Düsseldorf | 03.06.2015 | 22:43  
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