Alte Zeitungen online lesen: Hilden ist bei Pilotprojekt mit dabei

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Die Recherche via Mikrofilm soll abgelöst werden: Michael Lorscheidt (r.) kümmert sich beim LVR um die Digitalisierung alter Zeitungen. Gespannt auf die Projektergebnisse sind Dr. Wolfgang Antweiler vom Hildener Stadtarchiv (l.), seine Haaner Amtskollegin Birgit Markley, sein Velberter Kollege Christoph Schotten (vorne) und Kulturdezernent Sönke Eichner. (Foto: Michael de Clerque)
Hilden: Stadtarchiv |

Was war in der Itterstadt vor rund 100 Jahren los? Eine wichtige Quelle sind alte Zeitungen. Demnächst sollen sie via Internet für alle kostenfrei zugänglich sein. Ein Pilotprojekt zur Digitalisierung und Aufbereitung ist in der vergangenen Woche gestartet.

Die "Hildener Rundschau" war Mitte des 19. Jahrhunderts sowie viele Jahrzehnte später eine zentrale Informationsquelle für die Hildener. Mit wenigen Lücken verwahrt das Stadtarchiv die Bestände unter optimalen Licht- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen. Wer einen Blick in die alten Zeitungen werfen möchte, kann dies bislang mithilfe von Mikrofilmen.

"Zeitungen gehören neben Fotos zu den meist genutzten Quellen bei uns", sagt Stadtarchivar Dr. Wolfgang Antweiler. Doch das Lesen der Mikrofilme ist beschwerlich: Der Papierhintergrund wird schwarz, die gedruckte Schrift weiß abgebildet. Blättern ist nicht möglich, stattdessen ziehen die Seiten schnell über den Bildschirm, der wie die übrige Mikrofilm-Technik aus den 1970er Jahren stammt.

Zeitungen erstmals bequem am Monitor lesen

Mit der Digitalisierung der Mikrofilme soll das Lesen und Stöbern in den alten Dokumenten wesentlich benutzerfreundlicher werden. "Die Zeitungen künftig bequem am Monitor lesen zu können - dies war ein zentraler Punkt, weshalb wir uns für die Teilnahme am Landesprojekt gemeldet haben", sagt Antweiler.

Kosten trägt das Land Nordrhein-Westfalen

Am vergangenen Mittwoch hat er zusammen mit Birgit Markley vom Stadtarchiv Haan und Christoph Schotten vom Stadtarchiv Velbert die Mikrofilme an das Reprografie-Team des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum übergeben. Unter Einsatz modernester Scantechnik werden zunächst die Jahrgänge 1862 bis 1944 digitalisiert. Die Kosten von rund 200.000 Euro übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen.

"Nach der Digitalisierung und der Aufarbeitung sollen die Zeitungen Mitte 2018 zur Verfügung stellen", sagt Heike Bartel-Heuwinkel vom LVR-Reprografie-Team. Geplant ist eine Suche über das Datum sowie über den Zeitungstitel. Ob auch eine inhaltliche Suche möglich sein wird, also zum Beispiel das Durchforsten einer Ausgabe nach dem Stichwort 'Feuerwehr' , steht noch nicht fest.

Wer in den alten Ausgaben blättert, der liest sich schnell fest. "Die Welt wartet gespannt auf die Hindenburg-Verhandlungen", titelte die Hildener Rundschau am 9. Januar 1932. Auf dem Titel ging es um die große Politik mit Reichspräsidentenwahl und der Konferenz zu den Reparationszahlungen - wie damals üblich ganz ohne Fotos. Beilagen beschäftigten sich mit Themen wie "Turnen, Sport und Spiel", "Für die Frau" und "Der Schrebergärtner". Neben den redaktionellen Beiträgen geben auch die Anzeigen - teilweise bebildert - Aufschluss über die lokalen Entwicklungen. 1917 etwa wurde Notseife verkauft, Druckereien boten Todeszettel an.

Kostbare historische Quelle

Amtliche Verlautbarungen, Polizeimeldungen wie etwa geklaute Wäsche oder eine entwendete Kuh, Entwicklungen der lokalen Vereine: Die Zeitungen helfen dabei, sich ein Bild von der Vergangenheit zu machen. Und gerade für das Rheinland, wo in Kriegszeiten auch viele amtliche Unterlagen vernichtet wurden, sind sie eine äußerst kostbare Quelle.

Im ersten Projektjahr beteiligen sich auch die USB Köln, die Stadtarchive Haan und Velbert, im zweiten Jahr auch Kempen, Waldbröl und Aachen.

Mit Abschluss des Projekts sollen mehr als 100 Zeitungen aus NRW digital zugänglich gemacht sein. "Während man heute bei ortsübergreifenden Themen noch von Archiv zu Archiv fahren muss, kann künftig viel einfacher recherchiert werden", freut sich Wolfgang Antweiler auf die neuen Möglichkeiten.
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