über Kunst und überleben

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Meine Ideen bei der Diskussion über Moyland und Beuys

Duve van Boggelen von Kunsthaus Davidu aus Appeldorn

Mit Interesse habe ich die verschiedenen berichte über Schloss Moyland gelesen und möchte darauf reagieren. Ich komme ursprünglich aus Holland. Wohne aber schon 13 Jahre am Niederrhein mit meinem Partner Vincent Drost und zusammen betreiben wir das Kunsthaus Davidu.
Ertsmal bin ich nicht einverstanden mit das Kommentar das die neue Kuratoren das Museum schlechter gemacht haben: ich finde die Ausstellung über Beuys viel besser geworden und mein Interesse für Beuys, seine Werke und seine Ideen hat eigentlich erst angefangen, nachdem ich das ‚Moyland neue Version’ besucht habe; seitdem war ich dreimal da und gucke mir immer stueckchenweise die Filme über ihn an und erlebe die Räumlichkeiten in das ganzen Schloss viel schöner und die Kunstwerken betrachte ich mit mehr Energie weil jetzt alles nicht mehr so voll steht.
Diese Meinung ist nicht nur die von einem (snobistischen ?!) Künstler sondern teile ich mit unseren Besuchern, unser Kursmitgliedern, Nachbarn und Freunden aus der Gegend, wenn wir uns über das Schloss unterhalten..
Auch die Wechselausstellungen gefallen mir besser, weil die mit Reflektion, Humor und Vielseitigkeit einen viel breiteren Blick in die Kunstwelt schaffen als vorher, wo meistens (jedenfalls die Ausstellungen an die ich mich erinnere) nur ein Künstler ausgestellt wurde. Ich habe per Zufall eine der neuen Kuratorinnen kennen gelernt, ( Dr Stefanie Heckmann) und kann nur bestätigen dass Sie kontaktreich und mit sehr viel Liebe ihren Job macht und überhaupt nichts Snobistisches an sich hat (was ich von einige andere alteingesessene Museumsleiter in der Gegend Nicht sagen kann.)
Das beide Kuratoren die Entscheidung gemacht haben dass Beuys und verwandte (Zeichnungs)Kunst ein wichtiges Thema bleibt, beide Kuratoren sogesagt inhaltlich getrieben sind und sich als Hauptziel nicht unbedingt ‚soviel wie möglich’ Besuchern wünschen finde ich an sich ganz ok.
Bleibt übrig, dass wenn es so weiter geht das Museum seine Bestimmung verliert!
Die Gründe haben nach meiner Meinung vielleicht auch zu tun mit ein paar anderen Sachen.
Beuys ist als Künstler schlecht zu vermarkten weil sein Werk nur zu verstehen ist wenn man das damalige Zeitbild versteht, und /oder daran interessiert ist. Viele von seinen im Museum ausgestellten Werken haben nicht genügend fürs Auge, um sich lange damit zu beschäftigen.
Vielleicht ist er einfach ein Phänomen, das vorbei gegangen ist; so wie wir alle irgendwann vorbei gehen. Was damals provokativ, pur und schlau war ist jetzt einfach zu minimal und wenig reizvoll.
Als Resultat dieser zeit gucken aber viele Eltern, Lehrer und Therapeuten jetzt mit sehr viel mehr Liebe und wissen als früher, zu den kreativen ‚Produkte’ von Kindern, Schülern und Patienten.
(Auch Vincent van Gogh oder Rembrandt sind nicht für ewig; die beiden haben aber gemeinsam dass ihren Kunst optisch wegen Farben und Technik im ersten Augenblick sich schon verkaufen.)
Für die Region ist Beuys aber wichtig und muss erhalten bleiben. Aber ist er so wichtig dass das erfolgreichste Museum aus der Gegend eine ganze Flügel extra Beuys anbauen müsste und somit einen Konkurrenzstreit mit dem ursprünglichen und nicht so gut besuchte Beuysmuseum angegangen ist? Ist das nicht etwa auch eine versuch das Schloss schneller umzubringen?
Es ist doch klar das das Schloss im letzten Zeit auch dadurch viel an Besuchern verloren hat!

Natürlich tut das Kurhaus (vielleicht wie eine Hyäne) nur was gut ist für sein eigenes überleben ( wieso soll ein Museum da eine Ausnahme sein?)
Meiner Meinung nach ist das Schloss als Museum inhaltlich und von den Profilierung besser geworden. Der Boden also steht. Es könnte und soll seine starke Punkte weiter ausbreiten, dafür kann es auch von Erfolgsstrategien vom u.a. Kurhaus lernen und vielleicht auch ein paar Kompromisse schließen mit dem was andere für gut halten . In der Evolution gibt es ja Beispiele, die länger erfolgreich sind als andere durch Kraft und Laute und es gibt die, die einfallsreich und flexibel sein. ( und natürlich auch die die sehr viel Glück oder Pech haben)
Wenn man sich überlegt, was passieren wird, wenn das Schloss verkauft wird: wahrscheinlich werden ab dann die Räume als Hotel vermietet für Hochzeiten und Partys; Vielleicht wäre es evolutionär gesehen besser, da selber drauf einzuspringen und somit kein bestandsrecht zu verlieren und sogar die Regisseurrolle zu behalten…
Wenn man nur überleben kann, wenn mehr Besucher kommen, ist es keine schlechte Idee auch mit Künstlern aus dem direkten Umfeld zu arbeiten. Die sind mit ihre Wurzeln verbunden mit viele Kulturliebhabern in der Region und können Ihre Klientel mitbringen:
Dann noch ein Beispiel aus eigene Erfahrung: an nur 8 bis 10 offenen Tagen pro Jahr kommen schon mehr als Tausend Besuchern zu uns. Das kommt nicht nur durch unsere Kunst und gute Presse; das hat auch sehr viel zu tun mit dem ganze ambiente in unserem Kunsthaus und nicht zu vergessen dem sehr geliebten Garten! Vielen kommen sogar zuerst nur für den Garten aber kommen danach öfter zurück wegen der Kombination mit unsere Kunst und dem Kulturangebot.
Der Garten der zum Schloss gehört könnte viel besser vermarktet werden wenn Sie schöner und ideenreicher gestaltet würde: auch gibt es da noch für Jahre neue „Abteilungen“ in form von Beeten und Kunstwerken usw. die einen Anlass bieten könnte neu zu Eröffnen und Besucher zu locken; (vielleicht Andy Goldsworthy oder ähnliche und vielleicht besser bezahlbare Künstler mal einladen??)
Es würde inhaltlich nichts ändern an dem eingeschlagenen Weg; es würde nur schmackhafter verpackt werden und ein Beweggrund dafür sein, dass der moderne Mensch heutzutage seine Höhle verlässt.
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1 Kommentar
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Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau | 23.05.2013 | 10:21  
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