Romantischer Wanderer trifft auf Berliner Mauer

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(Foto: Volkmer)

Ein Mann in altdeutscher Tracht steht auf einem Berg und blickt... auf die Berliner Mauer? Möglich ist das in der Ausstellung „Verfremdet“ des Leistungskurses Q1 des Gymnasiums Kamen im Haus der Stadtgeschichte.

Der „Wanderer über dem Nebelmeer“ ist ein Selbstporträt von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1818. „Wir sehen den Wanderer, der den Gipfel erklommen hat, von hinten und schauen mit ihm in die nebelige Ferne unendlicher Gebirge. Wir übernehmen seine Sicht und seine Weltsicht. Und die wird geleitet von Einsamkeit und Fernweh“, erklärt Kunstlehrer Rainer Klarholz, der den Kurs betreut.

Die Schüler übernahmen aus Friedrichs Bild das Vordergrundmotiv des einsamen Bergsteigers auf dem Gipfel, und kopierten es so gut wie möglich in Acrylfarben. Der Hintergrund des Bildes und damit der überwiegende Teil wurde ausgetauscht und von den Schülern mit einer maximal abweichenden Bildidee gefüllt. Dadurch wird der romantisierende Ansatz zerstört und das Einstiegsmotiv in immer neuen, kontrastierenden Kombinationen persifliert. So findet sich der Wanderer mal auf einem fremden Planeten, in der U-Bahn, unter Wasser oder auf Insektengröße verkleinert im Glas wieder. Auch die Berliner Mauer taucht auf einem Werk auf. „Das Motiv steht bei uns für Befreiung“, so Klarholz. Auch die Landschaften auf den Werken Caspar David Friedrichs sind zwar sorgfältig komponiert, tauchen in der Realität aber nicht so auf, sondern sind aus mehreren Einzelteilen „zusammengesetzt“. Die Rückenfiguren, die meist den Künstler selbst darstellen, erfüllen dabei die Funktion einer Identifikationsfigur. Der Betrachter soll sich in sie hinein­versetzen.

Der Frühromantische Maler Caspar David Friedrich wollte mit seinen Werken eine Natursehnsucht darstellen, die für eine politische Resignation stand. „Die Ideen der Französischen Revolution hatten in Deutschland keine Erfolge, deshalb zogen sich viele Künstler in eine Art Naturmystizismus zurück“, erläutert Klarholz. „Wir haben fast jedes Jahr eine Ausstellung des Gymnasiums in unseren Räumen“, soJürgen Dupke vom Haus der Stadtgeschichte.

Die Ausstellung ist noch etwa vier Wochen komplett zu sehen. Danach folgt im 1. Stock eine neue Ausstellung. Im Erdgeschoss werden die Werke noch bis zu den Sommerferien gezeigt. Geöffnet ist das Haus der Stadtgeschichte dienstags bis donnerstags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr sowie sonntags. Der Eintritt ist frei.
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