Ein Tag als Bäuerin auf dem Speckenhof Bönen +++ Video +++

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Richtig wach ist Rudi noch nicht! (Foto: Anja Jungvogel)

Das Landleben finde ich toll! Es entspannt mich immer wieder ungemein, wenn ich an Feldern und Wiesen vorbei fahre, Pferde wiehern und Hühner gackern höre. Aber reicht das aus, um eine gute Bäuerin zu sein? Ich probiere es einfach aus: Ein Tag auf dem Speckenhof.

Ein Postkartenmotiv begrüßt mich auf dem Hof: Der Misthaufen qualmt in der frühen Morgensonne, Gänse laufen schnatternd umher, aus den Ställen melden sich die Pferde, die Kühe, die Ziegen, die Hühner..... Puh,ganz schöner Lärm hier. Und es riecht förmlich nach jeder Menge Arbeit.
Da kommt auch schon meine neue Chefin: Sybille Stoeckmann, Leiterin des Speckenhofs, weiß, was alles zu tun ist. Die Ställe müssen gereinigt, die Tiere gefüttert und getränkt und die Pferde geputzt werden. Ach ja, Eier einsammeln nicht vergessen. Und die Gänge müssen gefegt werden. „Die Ziegen blieben einfach nicht in ihren Boxen - und machen halt jede Menge Dreck“, erklärt Sybille Stoeckmann.
Wenn ich mir die gehörnten Zeitgenossen so anschaue, glaube ich es meiner „Chefin“ aufs Wort. Denn ein Paar mit den schönen Namen Milli und Vanilli verfolgt mich schon die ganze Zeit - und ich könnte schwören, dass sie etwas im Schilde führen.

Nackenmassage für Rudi

Als erstes ist Rudi an der Reihe. Das Hausschwein blinzelt mir schläfrig entgegen. Erst als ich ihm den Nacken massiere, erwachen seine Lebensgeister und er schenkt mir ein freundliches Grunzen.
Obwohl die vielen Pferde schon unruhig mit den Hufen scharren, sind erst die beiden Kuh-Damen an der Reihe. Stroh ausschütten, Futter austeilen. Mit der Schubkarre wird Stroh aus der Scheuen geholt. Der Weg zu den Kühen erweist sich als Spießrutenlauf: Viele hungrige Mäuler recken immer wieder die Köpfe und wollen mich partout daran hindern, einfach weiterzugehen. Mit diversen Stupsern in den Rücken hindern mich ein paar Island-Pferde daran, den Kühen ihr Futter zu geben. Das ist also Futterneid! Das gleiche Spiel bei den Hühnern: Als ich zwei noch warme Eier „klauen“ konnte, wollte mir ein Hund diese auch schon wieder abnehmen...
180 Tiere leben auf dem Speckenhof. Manche, weil sie sonst schon lange „entsorgt“ worden wären. Manche, weil sie alt und krank sind. Manche müssen auch „arbeiten“ - wie die Pferde bei den Reitstunden. Und alle wollen versorgt und gepflegt werden. Kein Wunder, dass die Speckenhofer, an sieben Tagen die Woche, jeden Tag über zehn Stunden, auf dem Hof beschäftigt sind.
Ich gebe mein Bestes: Fege, miste aus, verteile Stroh, füttere, putze die Pferde - doch die Arbeit scheint kein Ende zu nehmen. „Die Arbeit hält fit“, muntert mich Sybille Stoeckmann auf. Ich finde gerade, sie macht müde. Aber vielleicht ist das ja auch die frische Landluft.
Was wirklich Spaß macht sind die Tiere. Nach einer Weile riecht es nicht mehr streng im Stall - es duftet nach Pferd. Will ich wirklich wieder zurück in mein Büro?

Tiere können heilen

Der Speckenhof ist aber nicht nur ein Zuhaus für viele Tiere, die sonst niemand mehr haben möchte. Julia und Sybille Stoeckmann, die Leiterinnen des Hofes, verfolgen auch einen pädagogischen Ansatz.
Zwei ihrer Ziele sind die Förderung von allen Kindern und Jugendlichen, besonders aber von sozial benachteiligten oder anderweitig gehandicapten Kindern,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen, auch solchen mit Migrationshintergrund,
bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die nachhaltige Förderung der Erziehung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einem ökologisch und sozial verantwortlichen Handeln. Was die Arbeit erleichtert:
Seit einigen Wochen ist der Speckenhof vom Kreis Unna als Freier Träger der Jugendhilfe anerkannt und Mitglied im ABA-Fachverband für offene Kinder-und Jugendarbeit .
Ein neues Projekt haben die Stoeckmann-Schwestern jetzt gestartet. Mit "Ich glaub mein Schwein hupt! Extrem Bauernhofing für Kinder" soll ein Angebot für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Die Kinder verbringen dabei einen Nachmittag in der Woche in kleinen Gruppen auf dem Hof und werden hier im Rahmen der tiergestützen Pädagogik von Fachkräften individuell betreut und gefördert. "Da wir dieses Angebot für die Teilnehmer kostenfrei anbieten wollen, freuen wir uns besonders über Spenden für dieses Projekt", bittet Sybille Stoeckmann um Unterstützung.
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1 Kommentar
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Peter Gerber aus Menden (Sauerland) | 12.11.2013 | 18:13  
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