Windpark am Kartenspielerweg kommt

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Sind von Windrädern im Reichswald nicht begeistert: Niederländer, die am vergangenen Mittwoch gegen die Planung mobil machten.
 
Die zwölf Windräder, die demnächst am Kartenspielerweg im Reichswald gebaut werden sollen, sind hier als rote Punkte markiert.
Vor der Tür des Kranenburger Rathauses wurde demonstriert: Mit Plakaten und großformatigen Fotos machten Niederländer auf ihr Anliegen aufmerksam: Sie wollen den Bau von 12 Windkraftanlagen am Kartenspielerweg verhindern. Sie fühlen sich durch Optik gestört – und befürchten ein weiteres Ausbluten ihrer Ortsschaften. Zum Beispiel Ven Zelderheide: Im kleinen Ort direkt an der Grenze gelegen, leben 750 Einwohner. „Und bei uns gibt es ein demographisches Problem – wenn die Windräder kommen, werden noch weniger Menschen hierher ziehen“, sagte Ellie Roelofs aus dem niederländischen Ven Zelderheide. Die Windkraftanlagengegner machten auch darauf aufmerksam, dass im genannten Gebiet auf niederländischer Seite kräftig in den Naturschutz investiert würde. Mehrere Millionen Euro flössen in die Region. Und so kam die Frage auf, ob die niederländischen Gemeinden mit einem Betrag X aus der Energiegewinnung rechnen könnten.


Lars Schnatbaum-Laumann, Energie-Agentur NRW: "Es führt kein Weg daran vorbei, erneuerbar Energien zu nutzen, denn Kohlendioxid verändert die Lebenswelt." NRW habe mit der Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes beschlossen, Flagge zu zeigen. Windkraft sei die ideale Ergänzung zur Biomasse, die im Übrigen ausgereizt sei, und zur Photovoltaik. Der Bau von Windanlagen im Wald sei möglich, wenn bestimmte Dinge beachtet würden. Ein wichtiger Punkt ist der Schutz von Fauna und Flora, sodass Windanlagen nur nach sorgfältiger Prüfung im Wald gebaut werden dürfen. Zudem wurde auf Landesebene eine Karte erstellt, aus der sich die Windgeschwindigkeiten in bestimmten Regionen ablesen lassen. Und da kann der Reichswald im Bereich des Kartenspielerweges punkten, auch wenn der Schutz von Fauna und Flora, Wasser und Hügelgräbern gesichert sein muss.

Axel Kämmerling, Landesbetrieb Holz und Wald, schloss sich den Ausführungen an. Er machte deutlich, dass das Land NRW Eigentümerin der betreffenden Waldfläche sei. Energiewende ohne Wald gehe nicht - 260 Windenergieanlagen stünden im Staatswald. Die Zonen würden an Betreiber und Entwickler verpachtet, die Erlöse würden in den Wald reinvestiert.

Die Firma "Abo Wind" aus Wiesbaden ist ausführende Firma und mit der Projektplanung betraut. Georg von Aretin ging kurz auf die Firmengeschichte ein, erläuterte, dass aus einem einst Zwei-Mann-Unternehmen inzwischen eines mit 300 Mitarbeitern gewachsen sei. Internationale Erfahrung bringe das Team mit. Im Jahr 2000 sei im Schwarzwald erstmals eine ein Windpark im Wald realisiert worden. "Wir kennen uns also mit einem solch sensiblen Umfeld aus", so von Aretin. Zwölf Anlagen könnten am vorgesehenen Standort umgesetzt werden, die Windräder werden eine Höhe von 200 Metern haben.

Nach dem Planungsverfahren, nach der Natur- und Artenschutzprüfung, nach dem Genehmigungsverfahren soll Ende 2016 mit den Rodungs- und Bauarbeiten begonnen werde. Bürger können ihre Bedenken während der Offenlegung anbringen. "Alle Bedenken müssen geprüft, der Rat muss zu jedem Argument Stellung nehmen", so Ferdinand Böhmer, Kämmerer der Gemeinde Kranenburg. Bürgerbeteiligung ist nicht nur erwünscht, sondern gewollt. Denkbar sei eine Bürgergenossenschaft.

Der Vertrag wurde noch am Mittwoch unterzeichnet.
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