Kinderärztlicher Notdienst: "Jede Unterschrift zählt"

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Warum sollen wir im Süden keine kinderärztliche Notfallpraxis haben? Diese Frage stellen sich die Mütter einer Pekipgruppe und sammeln Unterschriften. Foto: Michael de Clerque
Langenfeld (Rheinland): Notfallpraxis Süd |

Um den Kinderärztlichen Notdienst im Südkreis von Mettmann zu retten hat sich eine Gruppe junger Mütter zusammengetan und sammelt Unterschriften in der Bevölkerung. Auch Bürgermeister Frank Schneider hat bereits unterschrieben und unterstützt das Engagement.

Langenfeld. Das ist ein Alptraum für jede Mutter und jeden Vater: Es ist Wochenende, plötzlich ist das Kleinkind krank und kein Arzt in der Nähe, der bei Mittelohrentzündung, hohem Fieber oder sonstigen Schmerzen helfen kann.

Notdienst noch bis zum 1. April in den Praxen

Nach der Schließung des kinderärzlichen Notdienstes in der Notfallpraxis Langenfeld verrichten die Kinderärzte den Notdienst noch bis zum 1. April in ihren Praxen. Und dann? „Dann soll es bei uns im Südkreis keinen kinderärztlichen Notdienst mehr geben“, weiß Denise Singendonk. Sie gehört zu den Müttern einer Pekip-Gruppe, die sich mit dem angekündigten Zustand nicht einfach so abfinden wollen. Viel reden und nichts tun – keine Lösung für die engagierten und couragierten Mütter. „Wir haben den Ehrgeiz und nehmen uns die Zeit“, sagt Denise Singendonk. Den Umstand, das man in Zukunft mit einem kranken und weinenden Kind bis nach Ratingen oder Velbert fahren soll, möchte man in Langenfeld nicht tatenlos hinnehmen. „Dass wir mit unseren kleinen kranken Kindern eine Stunde mit dem Auto oder gar zwei Stunden mit der Bahn zum Notdienst fahren sollen, dort wegen des Mehraufkommens an Patienten dann stundenlang warten müssen, eine Notfallapotheke suchen, um dann ebenso lang wieder nach Hause zu fahren, können wir nicht nachvollziehen“, so Denise Singendonk. Der gemeinsame Plan der besorgten Mütter: Eine Unterschriftenaktion.

"Stellenweise herrschte Ahnungslosigkeit"

Eine gute Idee, die sich in der Umsetztung nicht ganz so einfach darstellte. „Wir hatten als Privatpersonen einen schwierigen Start“, erzählen die Mütter. Sie hatten die Menschen auf den Straßen angesprochen, um so viele Unterschriften wie möglich zu sammeln und damit auf die Situation aufmerksam zu machen. Eine Erkenntnis? Stellenweise herrschte Ahnungslosigkeit. „Nicht jeder war informiert und wusste, das wir da ein Problem haben“, fasst Denise Singendonk die gemachten Erfahrungen zusammen.

3500 Unterschriften innerhalb sieben Tagen

Und doch: 3500 Unterschriften hat man innerhalb von sieben Tagen auf den Listen, die in Langenfeld, Hilden, Haan und Monheim ausliegen und herumgetragen wurden, bereits gesammelt und in der vergangenen Woche der Ärtzekammer vorgelegt. „Wir wollten, das man dort weiß, dass wir für die stadtnahe Notfallversorgung unserer Kinder kämpfen“, erklärt Denise Singendonk.
Inwischen liegen die Unterschriftenlisten nicht nur in Kinderarztpraxen, Spielzeuggeschäften und Apotheken aus. Auch in den örtlichen Kitas sowie im Bürgerbüro kann man inzwischen mit seiner Unterschrift gegen den kompletten Ausfall des kinderärztlichen Notdienstes im Südkreis protestieren.
„Es kann nicht sein, dass wir hier im Süden nicht mehr versorgt sind“, lautet der Vorwurf der Mütter, die inzwischen auch aus dem Langenfelder Rathaus unterstützt werden.

Bürgermeister Frank Schneider unterstützt Engagement

Auch Bürgermeister Frank Schneider hatte seine Unterschrift auf die Liste gesetzt. „Das großartige Engagement der Mütter findet meine Unterstützung, da auch wir als Stadt Langenfeld alles daran setzen, eine notdienstliche Versorgung für alle Langenfelder in unserer Stadt zu sichern. Bereits bei unserer ersten Unterschriftenaktion vor mehr als einem Jahr hatten sich mehr als 20.000 Menschen für den Erhalt der Notfallpraxis ausgesprochen. Dies hatte in Verbindung mit vielen weiteren Gesprächen mit den Verantwortlichen schon dazu geführt, dass wir heute entgegen ursprünglicher Planungen eine Notfallpraxis für erwachsene Patienten vorhalten können. Um nun auch noch für die Sicherung eines kinderärztlichen Notdienstes in Langenfeld zu sorgen, werden bestimmt auch dieses Mal viele Tausend unterschreiben, da dieses Ziel mit Sicherheit nahezu alle Menschen unserer Stadt unterstützen. Die Aktion der Langenfelder Mütter unterstütze ich daher gerne mit meiner Unterschrift und der Auslage der Unterschriftenlisten im Bürgerbüro des Rathauses und in allen städtischen Kitas“, so der Bürgermeister.

Termin mit Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann

Wie es weitergeht? „Wir haben in den nächsten Tagen auch einen Termin mit Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann“, gibt sich Denise Singendonk weiterhin kämpferisch und hofft, das auch die Menschen auf den Straßen ihre Unterschriften leisten werden, um für die Kinder der umliegenden Städte den wohnortnahen Notdienst zu sichern.

Auch online

Übrigens: Wer sich der Aktion anschließen möchte, kann das auch online machen. Einfach unter www.change.org im Suchen-Feld „Kinderärztlicher Notdienst“ eingeben und die Pedition unterschreiben.
Corinna Rath
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