Botschafter der Mundart

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„Jereimtes op Langefääler Platt“ bietet Manfred Stuckmann ist seinem neuen Buch, das von Leo Müller-Gladen liebevoll illustriert und mit Unterstützung des Wochen-Anzeigers noch vor Weihnachten veröffentlicht wird. Foto: de Clerque
 
Emil Drösser ist ein Kenner des Monnemer Platt. Foto: Polster
Der Rheinländer spricht anders als der Bayer oder der Sachse. Sprache verbindet uns mit unserer Heimat – je regionaler, desto intensiver. Der Wochen-Anzeiger wollte wissen, wie es um die Mundart in Monheim, Langenfeld und Hilden bestellt ist.


Die Mundart ist typisch für eine Gemeinde oder Region. „Heimat ist da, wo meine Sprache gesprochen wird“, bringt es Manfred Stuckmann, Langenfelder Ehrenbürger und Mundartexperte, auf den Punkt. „Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß nicht, wo er hin will.“

Heimat wird auch für Paniker-Chef und Monheimer Urgestein Emil Drösser durch Sprache verkörpert: „Es gibt viele Dinge, die man im Dialekt schöner sagen kann, als in Hochdeutsch. Die Wandelbarkeit und die Differenziertheit ist das Schöne an der Mundart.“

Vorallem bei den älteren Mitbürgern ist das Platt noch weit verbreitet und das obwohl es in der Nachkriegszeit verpönt war, Dialekt zu sprechen. Manfred Stuckmann erinnert sich: „ Da herrschte die allgemeine Meinung vor, dass nur primitive Leute Dialekt sprechen. Zuhause wurde daher nur wenig Mundart gesprochen. Ich habe es von der Großmutter übernommen. “ Das kennt auch Emil Drösser: „Als Kind hat die Mutter verboten, Dialekt zu sprechen. Ich habe es auf der Straße gelernt.“ Auch bei Werner Kirchhoff, Hildener Urgestein und langjähriges Mitglied im Hildener Museums- und Heimatvereins sah es nicht anders aus: „Bei uns Zuhause wurde Hochdeutsch gesprochen, da mein Vater Rechtsanwalt war. Die Mundart war verpönt.“

Gelernt haben die drei Herren die Mundart trotzdem und pflegen sie bis heute. Mit früheren Klassenkameraden spricht Werner Kirchhoff Dialekt. 30 Jahre hat der 78-Jährige in der Bütt gestanden und seine Vorträge beim Pfarrkarneval oder dem Bürgerverein immer in Mundart gehalten. Ob Stammtisch-Abende oder Verzällches-Touren – für Manfred Stuckmann ist die Mundart allgegenwärtig: „Meine Frau stellt immer an der Sprache fest, ob ich mit einem Fremden oder einem Bekannten telefoniere.“ Opern auf Monnemer Platt, Auftritte mit den Panikern im Karneval - natürlich auf Platt - und Gespräche im Dialekt - für Emil Drösser ist der Umgang mit der Mundart ebenfalls Alltag.

„Bei den Jüngeren lässt es nach, wenn sie nicht hingeführt werden“, meint Emil Drösser und Werner Kirchhoff fasst die Situation wie folgt zusammen: „Verstehen tun es erstaunlich viele, sprechen weniger als die Hälfte, lesen wird schon kritisch und schreiben ist eine Rarität.“

Und da in Hilden der Dialekt im Alltag nicht gesprochen wird, wird er sich verlieren. „Wir haben keine Chance, die Mundart zu erhalten. Dafür ist sie zu klein“, meint der 78-Jährige. Auch den Düsseldorfern prophezeit er keine große Zukunft für ihre Sprache. „Der Düsseldorfer spricht im Alltag kein Platt. Das wird in 40 bis 50 Jahren verschwunden sein.“ Anders sieht es in Köln aus. „Die Kölner sprechen Mundart im Alltag. Wenn einer anfängt, dann steigt der nächste mit ein.“

Vor allem durch den Karneval ist die Mundart heute noch präsent. Gruppen wie BAP, Höhner, Brings oder Bläck Föös haben viel dazu beigetragen. „Sie sind als Botschafter des Dialekts sehr wichtig“, meint Stuckmann und freut sich, dass dadurch die Mundart bei jungen Leute wieder im Kommen ist: „Mein Enkel (27) fängt nun an, Dialekt zu sprechen. Ich habe keine Sorge, dass er verschwindet.“

Auch Emil Drösser sieht den Karneval als große Chance: „In Köln gibt es Kinderchöre, die Dialekt singen, wie zum Beispiel der Kölner Jugendchor St. Stephan. Es gibt die Mundart auch als Wahlfach. Warum müssen Kinder auf Englisch singen, warum nicht im Dialekt?“ Um die Mundart an die Kinder weiter zu geben, sei es wichtig, dass die Lehrer damit vertraut sind. Mundartabende, Bücher im Dialekt oder Stadtführungen auf Platt sind Möglichkeiten, die eigene Sprache lebendig zu halten. Dazu Stuckmann: „Man kann den Dialekt nur lernen, indem man ihn spricht.“


Dat es en Sprohch, die kütt vom Hätz

Ach wie schön wör doch uns Stadt, mer kallten all en Monnem Platt. Weil nüx su zesammehält, als ween mer jet op Platt verzällt. Wöht doch uns‘re Eijenaat, nur en uns Muttersprohch bewahrt. Och wenn et ens jemand störte, wenn ein Wort auf Platt er hörte. Dann sare ech, hüür ens Mann, man jar nit schöner, schöner schwaade kann.

Platt spreche es kinn Jeschwätz, dat es en Sprohch, die kütt vom Hätz. Platt liegt uns in Fleisch und Blut, un bliet uns treu bes en d‘r Duut. Dä bliet fremb, dat es jewesse, och wenn hä hie jebohre es. Wer uns Platt schläät en d‘r Wenk, es ärmer als en Waisenkenk. Dann sare ech, hüür ens Mann, man jar nit schöner, schöner schwaade kann.

Aus: "Napoleon en Monnem?" Operette in drei Akten von Emil Drösser
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