Spezielles Wohnprojekt der Caritas Herten für Flüchtlinge

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Bärbel Timmermann (Caritasverband Herten) im Gespräch mit Familie M. aus Aserbaidschan. (Foto: Harald Westbeld)

Der Fernseher ist einer der Sprachtrainer von Familie M. Es ist der einzige Einrichtungsgegenstand in der Wohnung, den sie sich selbst geleistet haben. Nur deutsche Sender laufen darauf, versichert die 34jährige, die mit ihrem Mann und den zwei Söhnen aus Aserbeidschan geflohen ist, vorzugsweise Nachrichten.

Nach Aufenthalt in drei Lagern sind sie in Herten angekommen und im Wohnprojekt der Caritas untergekommen. Um eigene Wohnungen anbieten zu können, ist ein Haus mit ehemaliger Schreinerwerkstatt angekauft worden. Bärbel Timmermann hat mit ihrem Team der Familienpflege die neue Herausforderung Flüchtlingsbetreuung angenommen. Mit sichtlich viel Spaß: „Wir wachsen an allen Sorgen und Nöten“.
Da bleibt der Erfolg nicht aus. Familie M., die vor der Anerkennung ihres Asylwunsches aus Angst vor dem langen Arm ihrer Regierung in der Heimat weder ihren Namen nennen noch ihre Gesichter zeigen kann, hat selbst in der Nähe jetzt eine eigene Wohnung gefunden. Beim Umzug kann sie außer den Möbeln alles Hausrat inklusive der Bettdecken als Startpaket mitnehmen, erklärt Bärbel Timmermann. Zwei weitere Ausstattungen hat sie schon auf dem Dachboden bereit liegen für die nächsten Bewohner.

Auch bei den Fluchtgründen halten sich beide Aserbeidschaner zurück, sprechen von „Problemen mit der Regierung“. Umso entschlossener bereiten sie sich auf ein Leben in Deutschland vor, das ihre neue Heimat werden soll. Auf einen Deutschkurs bei der VHS müssen sie noch warten, haben sich aber mit Laptop und eben dem Fernseher schon eine Menge selbst beigebracht. Frau M. fällt es auch relativ leicht, da sie von Beruf Übersetzerin ins Russische ist. Ihr Mann hat als Lebensmittelsachverständiger gearbeitet und würde hier gerne wieder anknüpfen .

Der zehnjährige Sohn macht Bärbel Timmermann viel Freude und die Eltern sind erkennbar stolz auf ihn. Nach nur sechs Wochen in der Vorbereitungsklasse konnte er in den regulären Unterricht wechseln, hat jetzt eine gute Prognose für den Wechsel aufs Gymnasium und spielt Querflöte in der Musikschule. Der jüngste Sohn (4) findet seit August im Kindergarten Anschluss. Leicht war es für die Kinder trotzdem nicht, berichten die Eltern. Schwierig sei es für sie gewesen, die Flucht zu verstehen, die Freunde fehlen und alles sei eben neu. Bewusst gäben sie ihnen nur positive Informationen und bemühen sich, dass sie sich möglichst schnell in ihr neues Leben einfinden können. Um das Umfeld kennenzulernen, fahren sie in umliegende Städte, haben Recklinghausen und Gelsenkirchen erkundet, waren auch in Wuppertal und Düsseldorf. Bewegen dürfen sie sich allerdings nur in Nordrhein-Westfalen. Aber das sei in Ordnung. Global ist schon die Hausgemeinschaft. Die weiteren drei Wohnungen werden von Flüchtlingsfamilien aus Somalia, Kosovo und der Mongolei bewohnt. Die Familien teilen sich die Waschmaschinen, die Wohnungen sind, so Bärbel Timmermann einfach aber freundlich eingerichtet.

Den Kauf des einen Hauses in der Nähe der Geschäftsstelle des Caritasverbandes sieht Bärbel Timmermann als einen weiteren Baustein in der Flüchtlingsarbeit des Caritasverbandes: „Wir wollen eben nicht nur ein Dach über dem Kopf anbieten, sondern vor allem auch eine gute Begleitung.“ Deshalb gehe sie mit zu Ämtern und mit den Kindern anfangs zur Schule und in die Kindergärten. Das sei sonst schon „sehr schwierig, wenn die Flüchtlinge sich nicht auskennen.“ Eine Hürde ist nicht zuletzt die Sprache. Mit Familie M. gehe es sehr gut, aber mit der Mongolin im Haus, die vor zwei Wochen ein Kind bekommen habe, sei Verständigung „nur mit Mimik und Gestik möglich“.

Bärbel Timmermann erlebt, dass es „einen großen Unterschied macht, ob man die Zahlen und Fakten in den Nachrichten sieht oder die Menschen kennenlernt“. Und freut sich, wie gut Familie M. schon Fuß gefasst hat.
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