Dr. Peter Kracht: „Westfalen im Glas und im Humpen“

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Helmut Eichhorst Geschichtswerkstatt, Dr. Peter Kracht und Klaus Thorwarth SGV-Heimatverein
 
In einer Diashow führte Dr. Peter Kracht mit vielen Informationen locker durch das Programm
Unna: Nicolaihaus | Donnerstag, 08. Mai 2014 I 19:00 Uhr

Ein „geistreicher” Streifzug durch das Land, wo Schinken, Korn und Bier zu Hause sind

Zu ihrer einmal in jedem Monat stattfindenden Vortragsreihe hatten Klaus Thorwarth für den SGV-Heimatverein und Helmut Eichhorst für die Geschichtswerkstatt Unna Dr. Peter Kracht eingeladen.

Zur Person
Dr. Peter Kracht (* 6. Mai 1956) ist ein deutscher Journalist und Historiker. Er ist Hauptkulturwart beim Sauerländischen Gebirgsverein, Bundeskulturwart beim Deutschen Wanderverband, Leiter der Fachstelle Geschichte im Westfälischen Heimatbund und Kreisheimatpfleger des Kreises Unna.

Für die Gäste wurde es ein informativer und spannender Abend. In einer Diashow führte Dr. Peter Kracht mit vielen Informationen locker durch das Programm und einige Bierproben hatte er auch dabei.

Vom Wasser aus Bächen zu qualitätsvollen Spezialitäten
Tranken unsere frühesten Vorfahren sicherlich klares Wasser aus den Bächen in der heimischen Umgebung, so scheint sich relativ bald herausgestellt zu haben, dass Quellwasser für sich genommen doch ziemlich geschmacklos ist. Alsbald kam man auf die glorreiche Idee, es anzureichern mit Geschmack- und Gehaltvollem: Das deutsche Reinheitsgebot von 1516 geht zwar auf Herzog Wilhelm IV. von Bayern zurück, doch schon im Mittelalter hatten auch mehrere westfälische Städte Export-Bier von besonderer Qualität im Angebot. Auch in den westfälischen Klöstern war man dem Gerstensaft keineswegs abgeneigt, gerade in der Fastenzeit wirkte das „flüssige Brot” wahre Wunder. Bis heute ist Westfalen in Sachen Bierbrauen deutschlandweit ganz vorn dabei - und das nicht nur in der Spitzengruppe des Hektoliter-Ausstoßes. Immer mehr kleine, kleinste und allerkleinste „Brauereien” haben sich mit ihren qualitätsvollen Spezialitäten ein festes und treues Publikum erobert.

Aus der Soester Wiesenkirche
Und was essen und trinken Jesus und seine Jünger in der Soester Wiesenkirche, die in diesem Jahr ihren 701. Geburtstag feiert, beim berühmten
„Westfälischen Abendmahl”? Natürlich gibt es nach alter Westfalenart Pumpernickel mit Schinken - und trinken Bier aus ordentlichen Humpen dazu. So mancher Kunsthistoriker will als wichtiges Detail in dem bekannten Fensterbild auch schon Schnapsgläser entdeckt haben.

Münsterländer Doppelkorn gefällig?
Nicht jeder steht auf derlei Hochprozentigem, aber eine „richtige” westfälische Herrenrunde ohne Korn und Zigarre konnte man sich jahrzehntelang nicht vorstellen. Erst das Rauchverbot in Gaststätten, ein geändertes Freizeitverhalten und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein scheinen dafür zu sorgen, dass sich die Trinksitten der Westfalen in der nahen Zukunft deutlich verändern werden.
Westfälischer Korn kommt bis heute überwiegend aus dem Münsterland, aber auch aus Steinhagen kommt hochprozentiges Trinkgut. Ein Apfelbrand aus Bellersen im Kreis Höxter findet sicherlich auch vielerorts Zuspruch. In Lippe erinnerte man sich 2009 kulinarisch sogar an die frühe Geschichte unserer Region - und hat den römischen Feldherrn Varus und seine Legionen gleich trinkgerecht „westfälisiert”!

Besondere Orte und Höhepunkte
Die dürfen bei einer „Trinkkur” durch Westfalen natürlich nicht fehlen: So etwa der Whisky aus der Dechenhöhle oder das berühmte
„Bullenauge”, Jahr für Jahr unumschränkter Herrscher an der Getränke-Front auf der Soester Allerheiligenkirmes.

Mein Fazit
Mir hat der Vortrag in der lockeren Art besonders gut gefallen. Der anhaltende Applaus war wohl verdient. Auch die zusätzlichen Fragen und Eingaben der Gäste sorgten für viel Heiterkeit.

Mein Tipp
Besuchen auch Sie einmal einen Vortrag vom SGV-Heimatverein und der Geschichtswerkstatt Unna im Nicolaihaus
»Termine finden Sie hier

Fotos © Jürgen Thoms
09.05.2014 16:21:35
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