Ein Familienmitglied in Kussmundrot: Familie von Thaden und ihre Corvette

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Die Scheinwerferklappen öffnen sich pneumatisch – und sorgen für einen gewissen „bösen“ Blick.
 
„Coke-Bottle-Design“: schlanke Taille, draller Po.

Autos können Fortbewegungsmittel sein. Sie bringen uns von A nach B, wenn etwas kaputt ist, lassen wir es reparieren und wenn sie Schrott sind, kaufen wir uns ein neues. Aber Autos können auch mehr sein. So wie die Corvette Stingray der Familie von Thaden.

Es war ein kalter Januarmorgen 1989 und Peter und Birgit von Thaden waren unterwegs, um ein schönes Auto zu finden. Amerikanisch sollte es sein, ein Jeep vielleicht oder etwas in der Art. Tatsächlich geträumt hatte Peter von Thaden zwar schon länger von einem schnittigen amerikanischen Sportwagen – aber die Preise waren einfach zu hoch. Leider standen sie beim gesuchten Händler vor verschlossenen Türen, als sie von einem Passanten angesprochen wurden: „Was für ein Auto suchen Sie denn?“ fragte er und als er hörte, dass das Paar etwas amerikanisches wollte, gab er ihnen einen heißen Tipp: Da vorne um die Ecke verkaufe jemand eine Corvette. Wenn sie Interesse hätten? Sie hatten und folgten schnurstracks dem Fingerzeig.

Und da war sie: Noch in orangerot lackiert, Cabrio, nicht gerade Top-Zustand, aber Direktimport aus Kalifornien, Baujahr 1974. Für 36.000 DM sollte sie verkauft werden, eine Corvette Stingray. Ein stolzer Preis, aber: „Damals waren die Preise gerade durch die Decke gegangen, so dass die 36.000 DM eigentlich gar nicht so schlecht waren“, erinnert sich Peter von Thaden. Gesehen – gekauft, das Ehepaar von Thaden war nun stolzer Besitzer einer Corvette Stingray im berühmten „Coke-Bottle-Design“, 225 PS, 5,4 Liter Hubraum, V8.

Kunstlederwüste

Doch das pure Glück währte gar nicht so lange, denn zunächst einmal verbrachte Peter von Thaden die kommenden zwei Jahre mehr unter und im Auto als auf der Straße. Der Innenraum: eine optische Kunstleder-Wüste, der Lack verwittert und matt. Allein der Motor war halbwegs in Ordnung, „so konnten wir die Corvette immer fahren – das hat uns für vieles entschädigt“, erinnert sich Peter von Thaden. Er ließ den Innenraum komplett mit feinem Leder ausstatten, Griffe, Schrauben, Leisten wurden hochwertig verchromt. Neue Felgen ließ Peter von Thaden extra aus Aluminium fertigen.

Und auch der Motor erfuhr einige kleine „Verbesserungen“, so dass der Massener heute nicht mehr so genau sagen kann, wieviel PS das Gefährt tatsächlich hat.

240 Spitze - mit offenem Verdeck

Denn sportlich fahren – das gehört für die von Thadens dazu. Da geht’s auch hin und wieder mal mit 240 km/h über die Autobahn – offen, versteht sich. „Da merkt man noch richtig, dass der Wagen offen ist“, schmunzelt Birgit von Thaden. Kein Vergleich zu modernen Cabrios, die mit Windschott und aerodynamischen Kniffen kaum ein Lüftchen in den Innenraum lassen.
Immerhin wurde das Auto für solche Fahrten gebaut, allein die Beschleunigung presst einen in die Sitze und das herrliche Motorgeräusch gräbt sich in die Magengrube. Ein tolles Fahrgefühl, von dem auch die Söhne der Familie begeistert sind. Dabei kann die Familie das Auto immer nur zu zweit genießen, denn: Das Cabrio ist ein reiner Zweisitzer. Kofferraum? Fehlanzeige. „Da passt nur ein Kosmetikköfferchen rein“, lacht Birigt von Thaden. Und selbst Gurte oder vollwertige Kopfstützen sucht man vergebens.

Daher wird der Wagen auch überwiegend zum „Cruisen“ genutzt, zum Kaffetrinken an die Möhne oder mal übers Wochenende zu einem V8-Treffen. So kann man nicht nur die schöne Landschaft und das satte Motorengeräusch genießen, sondern bekommt auch die meist bewundernden Blicke und Kommentare der Passanten unmittelbar mit. Auch das macht den Reiz dieses Autos aus.

Sobald sich das Garagentor öffnet, Peter von Thaden den Motor seiner „Vette“ anwirft und vors Haus rollt, versammelt sich eine kleine Schar begeisterter Nachbarskinder, die das Auto und sein Motorengeräusch bewundern. Und schnell sind auch die Söhne Hendrik und Jan in Fachsimpeleien mit den Kids vertieft. Auch ihnen merkt man die Begeisterung für das Auto an.

Und so wird die Corvette sicher noch lange zur Familie von Thaden gehören. „Hier sind schon ein paar Autos und Motorräder gekommen und gegangen. Aber die Corvette, die bleibt“, bekräftigen denn auch Peter und Birgit von Thaden einmütig. Na denn: Weiterhin viel Spaß mit diesem amerikanischen Traum!
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