Hexenprozesse - Hexenverfolgung - Anton Praetorius

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Hartmut Hegeler
 
Hartmut Hegeler hat Bücher geschrieben und hält Vorträge
 
Zum Abschluss noch diese Frage: Wie denken Sie über die damalige Zeit?
Unna-Massen ■ Mittwoch, 27. November 2013
Schön, Herr Hegeler, dass es mit einem Gesprächstermin noch geklappt hat. Sie haben einige Bücher über Hexenprozesse, Hexenverfolgung und Anton Prätorius geschrieben.
Sie kämpfen für Gerechtigkeit und für die Rehabilitation unschuldig verurteilter Menschen.


Ich habe Sie vor einigen Jahren bei unseren Spaziergängen mit unseren Labradorhündinnen kennengelernt. Unsere Gesprächsthemen waren aber immer nur unsere Hunde. Heute freue ich mich auf ein „spannendes“ Thema.

Was gibt es zur Person Hartmut Hegeler zu sagen?
Ich wurde 1946 in Bremen geboren, besuchte das Ratsgymnasium in Bielefeld und studierte Theologie. Anschließend arbeitete ich als kreiskirchlicher Pfarrer in Unna/Westfalen und erteilte Religionsunterricht am Berufskolleg. Seit 2010 bin ich pensioniert. Bereits mehrere Jahre setze ich mich mit der Thematik der Hexenverbrennung auseinander und kämpfe für Gerechtigkeit und Rehabilitation der unschuldig verurteilten Opfer.

Warum gerade Hexenprozesse - Hexenverfolgung - Anton Praetorius?
Die Hexenverfolgung gehört zu einem dunklen Bereich der Kirchengeschichte und kostete in Europa ca. 60 000 Menschen das Leben. Etwa 25 000 von ihnen kamen aus Deutschland. Nicht nur im Mittelalter sondern vor allem in der Frühen Neuzeit wurden unschuldige Menschen als Hexen beschuldigt und für die Umweltkatastrophen, Krankheiten sowie Missernten und Krisen verantwortlich gemacht.

Was hat Sie veranlasst diese Herausforderung anzunehmen?
Schülerinnen im Berufskolleg baten mich, uns im Religionsunterricht Gedanken über ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte zu machen: Über die Hexenprozesse. Zunächst habe ich versucht, die Schülerinnen auf fröhlichere Themen einzustimmen, aber sie waren nicht von ihrem Wunsch abzubringen. Als ich mich dann intensiver mit der Zeit der Hexenverfolgungen beschäftigte, merkte ich, wie wenig ich darüber wusste. Das empfand ich als eine große Herausforderung.

Warum haben Sie Bücher geschrieben und halten Sie Vorträge?
Zusammen mit vielen Gleichgesinnten in Deutschland möchte ich mit meinen Büchern und Vorträgen den Menschen ein Denkmal setzen, die damals unschuldig vor Gericht gestellt wurden. Viele verloren ihr Leben, über die Familien wurde unendliches Leid gebracht. In vielen Orten erinnert nichts mehr an ihr Schicksal. Ich meine: Die größte Sünde ist das Vergessen der unschuldigen Opfer.

Ich habe mich um Hintergrundinformationen über die Hexenprozesse bemüht. Damals wurden Frauen, Männer und Kinder als Zauberer und Hexen beschuldigt, gefoltert und verbrannt. Durch die Folter wurden Menschen zum Geständnis gezwungen, sie seien Hexen. In den Anklageschriften wurde ihnen oft vorgeworfen, sie seien an den Wetterkatastrophen und an den Missernten schuld. Damals wussten die Menschen nichts von den Umständen, wie Wetterkatastrophen entstehen. So wurden Sündenböcke gesucht und gefunden - so war es damals wie heute.

Ich möchte Informationen über die Hexenprozesse vermitteln. Ich möchte erreichen, dass die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert werden. Gedenksteine vor Ort sollen an ihr Schicksal erinnern. Diese können zum Erzählort werden, um Menschen sensibel für Unrecht heute zu machen, damit sie sich - wie beispielweise Amnesty International - für das Schicksal von Verfolgten einsetzen, ähnlich wie es in vielen Orten mit den Stolpersteinen für die Opfer der unschuldig Verfolgten des Dritten Reichs geschieht.

Wie lange geht Ihr Kampf schon für Gerechtigkeit und für die Rehabilitation unschuldig verurteilter Menschen?
Es ist über 10 Jahre her, als mich Schülerinnen danach fragten, wann die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert wurden.
In Zeiten der modernen Naturwissenschaften ist jedem klar, dass ein Mensch nicht auf einem Besenstiel reiten und am Hexensabbat teilnehmen oder mit Zauberei Wetterkatastrophen und Krankheiten bewirken kann. Das waren die Anklagepunkte in den Hexen-prozessen für die Menschen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurden. Aus heutiger Sicht wurden sie im Namen Gottes zu Unrecht beschuldigt und hingerichtet, denn die Angeklagten konnten diese Verbrechen nicht begehen.

Werden die damaligen Urteile in der heutigen Zeit nicht aufgehoben?
Die Urteile der Hexenprozesse sind nie aufgehoben worden. Die Verurteilten gelten bis heute als schuldig im Sinne der Anklage. Sie haben sich dem Teufel verschrieben, Gott verleugnet und durch Zauberei Schaden über die Menschheit und die Natur bewirkt. Nach 300 Jahren verdienen die Opfer der Hexenprozesse ihre Würde und Christenehre wieder zu bekommen und rehabilitiert zu werden.

Warum sind Sie von Pfarrer Anton Praetorius so beeindruckt?
Am Freitag, 06.12.2013, jährt sich der Todestag von Anton Praetorius zum 400. Mal. Der in Lippstadt geborene protestantische Pfarrer hatte schon damals seine Stimme gegen Hexenprozesse erhoben.
An Praetorius hat mich besonders beeindruckt, dass er unter Einsatz seines Lebens eine Frau aus einem Hexenprozess rettete. Aktuell ist sein vehementes Eintreten für die Abschaffung der Folter. Man hat diesen Verfechter der Menschenrechte daher als einen „Vorgänger" von Amnesty International bezeichnet. Praetorius hat es nicht leicht gehabt in seinem Leben, aber er hat das bewiesen, was wir in heutiger Zeit immer wieder fordern sollten: Glaube und Zivilcourage. Er kann für die Jugend ein Vorbild für sein Eintreten für Menschen in Not sein. Gerade das Andenken an das unschuldige Leiden und Sterben von Jesus macht uns Christen besonders sensibel für die Verfolgung Unschuldiger.

Zum Abschluss noch diese Frage: Wie denken Sie über die damalige Zeit?
Wenn ich mich mit dem Leben der Menschen vor über 300 Jahren beschäftige, wird mir deutlich, wie sehr wir von mutigen Menschen vor uns profitieren. Sie haben um die Menschenrechte gekämpft und uns viele Freiheiten erstritten. Das verpflichtet uns, uns weiter für diese Menschenrechte einzusetzen. So ist das Erinnern an die Opfer der Hexenprozesse zugleich ein Signal gegen Gewalt an Frauen heute, gegen Mobbing, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.

Ausführliche Informationen zum Thema gibt es hier
» http://www.anton-praetorius.de

Kontakt
Hartmut Hegeler
Sedanstr. 37
D-59427 Unna
Telefon: 02303 - 53051
Mobil: 015233 979023

Fotos © Jürgen Thoms
29/11/2013 21:19:06
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