Kleinstcomputer am Geschwister-Scholl-Gymnasium Unna

Anzeige
Die Schüler am GSG freuen sich über die Arbeit mit den Kleinstcomputern. (Foto: Dittrich)
 
Kleinstcomputern "Calliope mini". (Foto: Dittrich)

Mit zehn neuen Kleinstcomputern können Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) Informatik ganz neu entdecken.

Wenn einer mal staunt, was ein PC, ein Notebook, ein Tablet, ein Smartphone – also Informatiksysteme – so alles können, dann ist das eigentlich schon viel. Die meisten – auch jungen – Menschen nutzen ihre Informatiksysteme wie Geräte, die an eine Steckdose angeschlossen werden. Woher der schwarze Kasten da unterm Bildschirm die gigantische Leistungsfähigkeit nimmt und was wirklich vorgeht im Inneren, das ist unseren Blicken verborgen – und allzu gern geben sich die meisten von uns mit dieser Tatsache zufrieden.

Aber muss es nicht selbstverständliches Bildungsziel einer auf Zukunftstechnologien setzenden Gesellschaft sein, informatisches Grundlagenwissen für eine viel größere Zahl von Menschen zu vermitteln – als Einmaleins des 21. Jahrhunderts? Erst recht sollte das für Absolventen eines gymnasialen „MINT“-Zweiges gelten, für junge Menschen also, die auf ihrem Weg zur allgemeinen Hochschulreife besonders in Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften gefördert und gefordert wurden.

Unterrichtskonzepte für die Arbeit mit den Kleinstcomputern "Calliope mini"

Kleinstcomputer sind ein ideales Medium, um solche Ziele entschlossen anzusteuern. Kleinstcomputer am besten für jeden Schüler. So sieht das auch Professor Dr. Ludger Humbert, im Raum Hamm/Unna zuständiger Ausbildungsleiter für angehende Informatiklehrkräfte an weiterführenden Schulen. An seinem Seminar an der Universität Wuppertal reifte der Plan, Unterrichtskonzepte für die Arbeit mit den Kleinstcomputern "Calliope mini" zu entwickeln und Informatik-Lehrkräfte für diese Zukunftsaufgabe fit zu machen.

Referendaren stellte Humbert erste Prototypen des Minicomputers zur Verfügung und warb für die Idee, mit einer etwas größeren Anzahl von Geräten direkt in die Unterrichtspraxis zu starten. Martin Matzat, Informatikreferendar am Unnaer Geschwister-Scholl-Gymnasium, ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Infolgedessen verfügt das GSG jetzt als vorerst einzige weiterführende Schule in NRW über die technische Ausstattung für die Eroberung der Zukunft in dem immer bedeutender werdenden Fach Informatik.

Einplatinen-Computer "Calliope mini


Die Einplatinen-Computer "Calliope mini" laden zum Programmieren auf überschaubarem Niveau ein. Schaltprozesse werden anschaulich, Schrittzähler oder Zufallsgeneratoren sind konstruierbar und kleine Spiele spielen sich viel spannender, wenn die Nutzer sehen, warum es wo blinkt. „Es handelt sich um ein vollständiges System, mit dem ich alles machen kann“, erklärt Humbert. Im Gegensatz etwa zu einem Smartphone aber greifen die Nutzer nicht einfach auf eine alles könnende App zu, sondern gestalten ihre digitale Welt selbst.

„Eine wirklich hervorragende Ergänzung des Unterrichts“, schwärmt auch Andreas Schwarz, Informatiklehrer am GSG. Er war sofort begeistert, als Referendar Martin Matzat die zehn handlichen Kleinstcomputer von seiner Fortbildungsveranstaltung mitbrachte. Damit ist das Geschwister-Scholl-Gymnasium nun sehr wahrscheinlich als einzige Schule in Nordrhein-Westfalen in der Lage, die Kleinstcomputer in größeren Lerngruppen einzusetzen.

Flächendeckender Einsatz?

Dass das Experiment erfolgreich sein wird, davon sind Schwarz und Matzat eigentlich jetzt schon überzeugt. So preiswert wie jetzt für das GSG werden sie zwar sicher nicht bleiben. Dafür, dass es sinnvoll sein könnte, etwas Ernsthaftes zur digitalen Alphabetisierung der Schülerinnen und Schüler in NRW zu unternehmen. Zum Beispiel durch den flächendeckenden Einsatz solcher Kleinstcomputer. Und vielleicht auch durch eine erfolgreiche Initiative „von unten“, auf die Humbert aktuell setzt. Wenn an vielen Schulen ein Umdenkprozess einsetzt, dass manche Ausgabe für teure Geräte wie etwa Smartboards eigentlich einen geringeren Stellenwert hat als die Investition in Kleingeräte, mit denen solides Basiswissen vermitteln werden kann. Und wenn Schulen, deren Fördervereine, Schulträger und Sponsoren erste Bausteine initiieren, dann ist vielleicht auch ein flächendeckender Einsatz möglich.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.