Eine Stromstation in Billmerich wird zur blühenden Naturarche

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Die Station Rosengarten, bei der Vorstellung der Artenvielfalt (v.l.) Dietmar Biermann (technischer Prokurist Stadtwerke Unna), Jürgen Schäpermeier (Geschäftsführer Stadtwerke Unna) und Andreas Förster (Landschaftswächter Billmerich). (Foto: privat)

Eine Trafostation als blühendes Biotop: „Wie attraktiv ein technisches Bauwerk für den Naturschutz aktiviert werden kann“, zeigt der Landschaftswächter Andreas Förster gerne an einem Energieknoten der Stadtwerke Unna in Billmerich.

Auf rund 100 Quadratmeter rund um die Trafohäuschen am südlichen Dorfende wächst eine Blütenpracht, wie sie sonst kaum mehr am Haarstrang zu finden ist. „Das ist hier eine Arche für die Natur, die früher hier heimisch war“, erklärt der Umweltschützer. Skabiosenflockenblume, Großer Odermennig, Oregano, Johanniskraut, Zottiger Klappertopf, Margeriten, Nesselblättrige Glockenblume oder auch Dornige Hauhechel sind eine bunte Wiese und Weide für Tiere, die auch längst aus der Feldflur vertrieben wurden. „Kleiner Fuchs“, „Admiral“, „Brauner Waldvogel“ und viele weitere Schmetterlingsarten tummeln sich vor der Station, Hummeln und Bienen summen über die „optimale Nektartankstelle“, sagt Andreas Förster.

Biotop aus zweiter Hand


Das Biotop aus zweiter Hand kann bald 30. Geburtstag feiern. Ende der 80ger Jahre überzeugte der Billmericher Umweltschützer die VEW und dann die Stadtwerke Unna von dem Projekt: Das Gelände der Stromstation, das zum Schutz der unterirdischen Leitungen von Bäumen wie Bebauung freigehalten werden muss, könnte doch ein Naturschutz-Bereich werden. Als wilder Parkplatz wurde es genutzt, festgefahren war der Boden, häufig sogar zugemüllt.

Die Stadtwerke und die VEW gaben grünes Licht: Das Gelände wurde umgepflügt und gefräst. Mit heimischen Pflanzen, die er auf dem Haarstrang zwischen Bausenhagen und Opherdicke sammelte oder im eigenen Garten zog, säte Förster die Fläche ein. Ursprünglich sollten hier auf einem kleinen Acker zur Demonstration alte Getreidesorten wachsen, die blühenden Pflanzen nur der bunte Feldrand sein.

„Das Ackerprojekt musste später wegen des hohen Pflegeaufwands aufgegeben werden“, sagt Andreas Förster, der die Woche über beruflich im Rheinland aktiv ist. So hat sich der Bereich jetzt zur bunten Wiese für Pflanzen entwickelt, die einst im Haarstrang-Bereich heimisch waren, inzwischen aber durch die intensive Landwirtschaft, naturfeindliche Mähverfahren und zunehmend auch durch Gartenabfälle vertrieben sind.

„Wo gibt es noch blühende Wegränder?“, fragt Förster. Und antwortet: „Nur noch an wenigen Stellen. Viele Wuchsorte von Pflanzen, wo ich die Samen für das Stationsgelände gesammelt habe, sind jetzt verschwunden.“ Die hohe Nährstoffbelastung von Straßen- und Wegrändern lässt gerade mal noch wenige Gräser oder Stickstoff-liebende Arten wie die Große Brennnessel sprießen.

Artenreichtum


Damit entfallen auch die Nektarquellen und die Heimat vieler Tierarten. Im Billmericher „Rosengarten“ (so nennt sich die Station nach der alten Flurbezeichnung) kann der eigentliche Artenreichtum jetzt bewundert werden: Rund vierzig verschiedene verschiedene Wildblumen hat Förster dort registriert, in den meisten Feldrainen leben gerade noch fünf bis zehn.

Das Artenreich ist auch pflegeleicht: Nur der Weg zur Station wird regelmäßig freigeschnitten, die restliche Fläche bekommt im Herbst einen Pflegeschnitt. Die Mahd fährt ein befreundeter Schafhalter ab: „Seine Tiere sind richtig wild auf solche kräuterreiche Kost.“ Die bunte Vielfalt an der Ecke Altendorfer Straße/Kluse spart auch Kosten: Im Gegensatz zu anderen Stationen wird sie von den Nacht- und Nebelkippern verschont.

Über den Erfolg des Projektes freuen sich die Stadtwerke: „Wo das sinnvoll ist und eine fachliche Pflege gesichert ist, stellen wir gerne solche Stationen für Umweltprojekte zur Verfügung“, erklärt Dietmar Biermann, technischer Prokurist des kommunalen Energieunternehmens. An manchen Stationen haben die Stadtwerke schon entsprechende Vorhaben mit Nachbarn gestartet, an weiteren mit einer Dachbegrünung für Augenzierden gesorgt. Im Unnaer Osten übergaben sie zudem eine ehemalige Turmstation an Umweltschützer als Fledermaus-Domizil. Möglich wären noch weitere Pilotmaßnahmen, wenn sich Partner finden, sagt auch Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Schäpermeier. Rund 400 Trafostationen und 100 Gasstationen unterhält das Unternehmen im gesamten Stadtgebiet.
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