„Solange ich darf“

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Die Velberter Geschwister Laetitia und Philip Hahn sind hoch-talentierte Jung-Pianisten. In diesem Monat werden die beiden Musikstudenten an die Kalaidos Universität in der Schweiz wechseln. Ihr erstes gemeinsames Konzert geben sie am 20. April in der Philharmonie Essen.
 
Eine ganz normale Familie: Annette und Christian Hahn mit ihren talentierten Kindern Laetitia und Philip.

Laetitia und Philip Hahn beginnen mit ihrem Musik-Studium in der Schweiz

Die Velberter Jung-Pianisten Philip und Laetitia Hahn werden zu Beginn des Sommersemesters, also noch diesen Monat, an die Kalaidos Universität in der Schweiz wechseln. Philip als Jungstudent, und Laetitia als jüngste, je eingeschriebene Bachelorstudentin. Gemeinsam werden sie am 20. April in der Philharmonie in Essen konzertieren. Dabei handelt es sich für Philip um sein Orchester-Debüt, und das mit gerade einmal sechs Jahren. Grund genug, für Stadtanzeiger-Mitarbeiterin Astrid von Lauff der Familie Hahn einen Besuch abzustatten.

Ein Sonntagmorgen bei den „Hahns“ in Velbert ist nicht anders, als bei anderen Familien auch. Da gehen die Uhren etwas langsamer - es wird gerne mal länger geschlafen und jeder geht seinen Vorlieben nach. Laetitia und Philip, die beiden jungen Velberter Erfolgspianisten, haben sich an diesem Morgen extra schick gemacht, schließlich sollen bei dem „Pressetermin“ auch Fotos gemacht werden. Ein bisschen aufgeregt führen sie mich gemeinsam mit ihren Eltern in das Wohnzimmer der Familie, wo gleich zwei Flügel ihren Platz gefunden haben.

Vorher allerdings muss Laetitia erst einmal die Türklinke zur Wohnzimmertüre suchen, denn diese versteckt die Zwölfjährige immer, damit sie von ihrem Bruder beim Klavierspielen nicht gestört werden kann. Von „Wunderkindern“ also erstmal keine Spur. Zwei ganz normale Geschwister, die sich gerne mal necken.
„Nein“, bestätigt Mutter Annette Hahn. „Hier zu Hause gibt es keine Wunder. Wir sind eine ganz normale Familie, mit allem was dazu gehört.“ Und doch, die Vita der Velberter Geschwister grenzt an ein Wunder und erklärt einiges. Bereits im Alter von knapp zwei Jahren saßen die beiden quirligen Kinder am Klavier und schnell war den Eltern in beiden Fällen klar: Das Wort „talentiert“ allein ist hier nicht ausreichend.

„Als Laetitia geboren wurde, ging ich noch davon aus, weiter arbeiten zu können“, erzählt mir Annette Hahn, als wir an dem großen Esszimmertisch der Familie Platz nehmen. „Doch das habe ich schnell ad acta gelegt. Laetitia sprach bereits erste Worte im zarten Alter von nur acht Wochen und begann das Klavierspiel mit zwei Jahren. Ein herkömmlicher Kindergarten konnte den Ansprüchen des Kindes nicht gerecht werden.“ Schließlich fand die Familie zumindest eine teilweise befriedigende Lösung: Laetitia besuchte einen internationalen Kindergarten und konnte sich dort dem Thema Fremdsprachen widmen. Mit vier Jahren wurde sie eingeschult. Vier Klassen habe Laetitia bis jetzt übersprungen, erzählen mir die Eltern weiter und heute besuche sie die zehnte Jahrgangstufe der Tagesschule Wewersbusch in Langenberg.

Als ihr Bruder Philip geboren wurde, erkannten Christian und Annette Hahn sehr schnell: Philip steht seiner Schwester in nichts nach. Schon mit vier Jahren bestand er die Aufnahmeprüfung als Jungstudent am Musik-Konservatorium in Frankfurt. Mit seinen heutigen sechs Jahren besucht er bereits die zweite Klasse der Windrather Talschule. „Als Eltern von hochbegabten Kindern, wie es Laetitia und Philip sind, hat man keine Vergleichsmöglichkeiten, kann nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wir haben uns immer auf unser Gefühl verlassen. Die Frage ‚Was tut unseren Kindern gut?’, steht bei uns immer im Mittelpunkt“, so Vater Christian. Dabei sei es immer vorteilhaft gewesen, dass seine Frau und auch er keine musikalische Ausbildung besäßen. „Wir haben daher einen sehr neutralen Blick auf die Dinge. Mischen uns nicht ein.“

Als ich wissen will, wie oft Laetitia denn üben müsse, antwortet sie spontan: „Ich übe immer so lange, wie ich darf.“ Ein Erfolgsrezept - denn die musikalische Entwicklung der beiden Kinder ist atemberaubend. Im Jahr 2011 gab Laetitia ihr erstes 60-minütiges Solokonzert mit Klavier und Violine. Da war sie sieben Jahre alt. Ein Jahr später bestand sie die Aufnahmeprüfung als Jungstudentin an der Musikhochschule Düsseldorf. Auf etliche Auftritte in zahlreichen bekannten Konzerthäusern im In- und Ausland kann Laetitia inzwischen zurückblicken. Sie hatte Auftritte im Chinesischen Fernsehen mit dem prominenten Pianisten Lang Lang und im deutschen Fernsehen unter anderem bei Stefan Raab und Markus Lanz. Die Musikkarriere von Philip verlief bisher ebenso steil. Auch er kann schon auf mehrere Fernsehauftritte zurückblicken, gibt Konzerte und erhält Stipendien.

Mit dem Wechsel der Kinder an die Kalaidos-Universität in die Meisterklasse von Professor Lev Natochenny beginnt nun ein neuer Abschnitt in Laetitias und Philips musikalischer Ausbildung. Für Laetitia scheinbar nichts Besonderes . Auf meine Frage, ob sie sich denn Wohl fühle unter erwachsenen Studenten, antwortet sie: „Das ist kein Problem für mich. Mein Sitznachbar hat mich allerdings gefragt, ob ich mich verlaufen hätte.“ Mir wird klar, an „das Besondere“ hat sich Laetitia längst gewöhnt. Und auch Philips Interesse an seinen überdurchschnittlichen Leistungen hält sich während unseres Gesprächs in Grenzen. Er hat sein Malzeug geschnappt und hört schon lange nur noch mit einem halben Ohr zu. Alles ganz normal. Lebendig werden die beiden erst wieder, als sie mir zum Schluss ein kleines, vierhändiges Privat-Konzert geben. Ja, und da ist es wieder: Das Wunder...!
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