„Fläche wächst nicht nach“

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Für Landwirte wird es immer schwieriger, ihre betriebe zu halten und wirtschaftlich zu arbeiten, wenn weiterhin ökologisch wertvolle Freiflächen bebaut werden. Auch ob Inga Bröcker später den Betrieb ihres Vaters in Wuppertal übernehmen kann, ist dann fraglich.
Velbert: Kleine Höhe | Als „sinnlosen Flächenfraß ohne Not“ bezeichnet Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann sowie stellvertretender Kreislandwirt und Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-Ost, die Pläne, eine Forensik auf der „Kleinen Höhe“ zu errichten. Gemeinsam mit vielen weiteren Landwirten der Region appelliert er daher an die Stadtverwaltung Wuppertal, von der Umsetzung abzusehen. „Bis 2017/2018 müsste die Stadt den Bebauungsplan für diese Fläche ändern. Derzeit sieht es diesbezüglich nach einer deutlichen Mehrheit im Rat aus“, weiß Dahlmann. „Dies gilt es mit vernünftigen Argumenten zu verhindern!“

Den Wuppertaler Landwirten ist bekannt, dass bereits seit circa 40 Jahren immer wieder über eine Bebauung der „Kleinen Höhe“ diskutiert wird. Wegen verschiedener ökologischer Gutachten und auch aus wirtschaftlichen Gründen sei aber immer wieder davon abgesehen worden.

„Es geht eben auch nicht darum, sich generell gegen den Bau oder die Notwenigkeit einer Forensik auszusprechen, sondern darum, nicht weiter wertvolle, ökologisch hochwertige landwirtschaftliche Fläche durch Bebauung zu vernichten“, so Tim Neues, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-West. Bei der „Kleinen Höhe“ handelt es sich um eine große bisher unbebaute Fläche, die an der Grenze zwischen Wuppertal und Neviges liegt. „Es geht hier um sehr fruchtbare Böden, wie sie hier weit und breit sonst nicht aufzufinden sind“, sagt Dahlmann.

Rund fünf Hektar würden für die geplante Forensik benötigt. „Zwei davon werden bebaut, der Rest soll als Außenfläche genutzt werden“, so die Informationen, die den Landwirten vorliegen. Darüber hinaus sei die Informationspolitik aber alles andere als transparent: „Es sind wohl 32 weitere Standorte geprüft worden. Wo die alle sind und warum sie nicht geeignet sind, wird aber nicht verraten“, so die Kritik von Landwirt Karl Böcker.

Dass es sich um eine politische und nicht um eine Vernunftsentscheidung handle, sei in diesem Fall ja wohl mehr als deutlich, urteilt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann: „Eine Kommune finanziert sich nunmal über die Gewerbe- und die Einkommenssteuer. Landwirte sind für sie weniger gewinnbringend.“

Man habe die beiden Informationsveranstaltungen mit Ministerin Barbara Steffens abgewartet und wolle jetzt öffentlich die Bedenken äußern: „Wenn erst einmal damit begonnen wird, an der ,Kleinen Höhe‘ zu bauen, wird doch letztendlich nach und nach die gesamte Fläche bebaut.“ Schließlich sei sie dann erschlossen. „Und wenn sie weg ist, ist sie weg! Landwirtschaftlich wertvolle Fläche wächst nämlich nicht nach“, sagt Dahlmann, der weitere Aktionen und Informationsveranstaltungen seitens der Kreisbauernschaft ankündigt.

Solche Projekte und generell die Schaffung von Gewerbe- und Wohnungenflächen würden häufig zu Lasten der Landwirte umgesetzt werden. „Regionale Produkte von Betrieben in der unmittelbaren Nachbarschaft werden gewünscht. Aber wie soll das funktionieren, wenn wir Landwirte nicht mehr die nötigen Flächen für den Anbau und unsere Tiere haben?“, fragt Carsten Böcker, Ortslandwirt Wuppertal-West. Er und die anderen Landwirte der Stadt seien sich sicher, dass die meisten Bürger ähnlicher Meinung sind. „Aber das scheinen die Politiker nicht zu berücksichtigen. Daher müssen wir uns jetzt wehren, denn sonst sprechen wir in einigen Jahren nicht mehr vom Landschafts- sondern vom Landwirtschaftsschutz“, so Tim Neues.
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August-Friedrich Tonscheid aus Velbert-Neviges | 24.02.2016 | 08:15  
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