Wertvolle Zeitkapseln

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Sven Polkläser (links) und Dr. Helmut Grau arbeiteten gemeinsam an dem Buch „Dem Jubel folgt die Ernüchterung – Die Auswirkungen des ersten Weltkrieges im Spiegel Heiligenhauser Volksschulchroniken“.
Mit dem Buch „Dem Jubel folgt die Ernüchterung – Die Auswirkungen des ersten Weltkrieges im Spiegel Heiligenhauser Volksschulchroniken“ haben Dr. Helmut Grau und Sven Polkläser ein weiteres Stück Lokalgeschichte aufgearbeitet. Auf über 170 Seiten und mit zahlreichen Dokumenten und Fotos wird der Fokus auf die Zeit zwischen 1914 und 1918 gelegt. Ob die Stimmungslage in der Heiligenhauser Bevölkerung zu Beginn des Ersten Weltkrieges, der Einfluss der englischen Seeblockade auf Industrie und Landwirtschaft, die Schicksale einzelner Soldaten aus der Stadt Heiligenhaus oder aber wie die Stimmungslage gegen Ende des Krieges kippte – umfangreich informieren die beiden Autoren über vergangene Zeiten.
„Noch heute wird der Erste Weltkrieg ausführlich im Schulunterricht behandelt, der Blick wird dabei aber meist auf die weltweiten Konflikte gelegt“, so Sven Polkläser. „Weniger bekannt ist das, was an der Heimatfront passiert ist.“ Dabei sei doch gerade dieser historische Stoff besonders interessant, auch sie selbst hätten im Rahmen der Recherchen noch einige Überraschungsmomente erlebt.
„Die Idee zum Buch entstand, nachdem sich die beiden Autoren intensiv mit der Chronik der Volksschule im Vossnacken in Langenberg beschäftigt hatten“, weiß Dr. Jutta Scheidsteger vom SCALA Verlag. „Das weckte ihre Neugierde und es tauchte die Frage auf, ob solche Schulbücher auch für die Heiligenhauser Schulen existieren.“ Im Heiligenhauser Stadtarchiv wurden Dr. Helmut Grau und Sven Polkläser, beide Mitglieder des Heiligenhauser Geschichtsvereins und ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesverbandes Rheinland, fündig. „Wir stießen hier auf fünf Volksschulchroniken sowie eine achtseitige Zusammenfassung einer sechsten Chronik“, so Grau. „Auch weitere Dokumente wie ein Karton mit Feldpostkarten halfen uns bei der Recherche.“

Die beiden Autoren entschlossen sich, den Schwerpunkt auf die Zeit des Ersten Weltkrieges zu legen und die Inhalte der Chronisten (Hauptlehrer) in Relation zu stellen. „Zwei der Chroniken stehen sich diametral gegenüber“, informiert Dr. Grau, der die Schriften meist bis spät in die Nacht transkribierte. „Der Hauptlehrer der katholischen Volksschule Abtsküche berichtet in seiner Chronik Tag für Tag akribisch über das weltweite Geschehen, sein Ton ist patriotisch-schwärmerisch. Über das Schulgeschehen hingegen erfährt man so gut wie nichts. Im Gegensatz dazu steht die Chronik der evangelischen Volksschule Tüschen, diese ist sachlich-nüchtern geführt, was das Kriegsgeschehen angeht.“
Gemeinsamkeit aller sechs Chroniken sind die Berichte über Not, Elend und Verzicht bei der Bevölkerung. „Teilweise enthalten sie sogar Kondolenzschreiben“, sagt Polkläser. „Es ist erschreckend, mit welcher Nüchternheit über den Tod eines Soldaten informiert wird. Es sind kurze, einprägsame Worte wie ,Er starb an einem Kopfschuss‘.“

Wer glaubt, Schulchroniken seien langweilige Dokumente voller Schulnoten und stichpunktartiger Fakten über Lehrer und Schüler, der habe sich getäuscht, sind sich Dr. Helmut Grau, Sven Polkläser und Verlegerin Dr. Jutta Scheidsteger einig: „Es sind wertvolle Zeitkapseln, die das ganze gesellschaftliche Leben zu dieser Zeit widerspiegeln.“ Daher ist man nun auf Reaktionen gespannt und eventuell entdecke ja nun der eine oder andere Heiligenhauser in den Unterlagen seiner Vorfahren weitere spannende und aufschlussreiche Dokumente.
„Dem Jubel folgt die Ernüchterung – Die Auswirkungen des ersten Weltkrieges im Spiegel Heiligenhauser Volksschulchroniken“ ist im Buchhandel erhältlich. Die Auflage liegt bei 500 Exemplaren. Es handelt sich um den zweiten Teil einer Triologie. Der erste Teil über die Volksschulchronik Vossnacken erschien im Oktober, der dritte Teil über die Volksschule Abtsküche wird im Frühjahr 2016 erscheinen.
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