Wrackteile werden gezeigt

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Das Buch „Abgestürzt“ hält alle Informationen zum Absturz des Halifax-Bombers über Neviges sowie vier weitere Flugzeugabstürze bereit. Anlässlich der Buchvorstellung im August kamen Teresa Church und Paul Knott (vorne) nach Velbert, um die Geschichte ihres Vaters bzw. Onkels zu hören. Dr. Helmut Grau (hinten, von links), Sven Polkläser, Jürgen Lohbeck und Marcel Lessar recherchierten die Abstürze. (Foto: Ulrich Bangert)
Es war der 4. November 1944, als ein Halifax-Bomber über dem Windrather Tal abstürzte. „Dieser Absturz war in Vergessenheit geraten“, weiß Jürgen Lohbeck, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, der vor gut einem Jahr durch einen Zeitzeugen auf das Thema aufmerksam wurde. Anfang des Jahres suchte er mit Dr. Helmut Grau und zwei weiteren Mitarbeitern das Windrather Tal nach Wrackteilen ab - und wurde fündig. „Diese Fundstücke werden am kommenden Samstag nach dem Gedenkgottesdienst ausgestellt“, sagt Dr. Grau.
Alle Interessierten sind um 14 Uhr in die evangelische Stadtkirche Neviges eingeladen, um dort gemeinsam mit den Angehörigen der Flugzeugbesatzung an den Absturz zu erinnern. Schulpfarrer Frank Overhoff wird den zweisprachigen Gottesdienst unter dem Motto „Für Frieden und Freundschaft“ leiten. Damit kommt er dem Wunsch der Angehörigen nach, die um einen Gottesdienst gebeten hatten.
Fünf Australier und elf Briten treten die Reise nach Velbert an, darunter Paul Knott, der Neffe des Bordingenieurs Harry Knott, einer der drei Überlebenden des Absturzes. Paul war es auch, der eine Mail an das Franziskanerkloster mit der Bitte um Informationen zu dem Absturz gesendet und damit den Stein ins Rollen gebracht hatte. „Das war ein glücklicher Zufall. Ohne diesen Kontakt wäre der Vorfall nicht so weit aufgeklärt worden“, sagt Grau.
Fest steht, dass es die Nacht der großen Bombardierung Bochums war. 700 Bomber waren im Einsatz, allein in dieser Nacht verloren 1700 Menschen ihr Leben.
Auf dem Rückflug, etwa über Hattingen, wird der Halifax-Bomber LV 936 mit sieben Mann an Bord schwer getroffen. Das Flugzeug gerät in Brand und explodiert schließlich über dem Windrather Tal. Der australische Pilot Joe Hermann schafft es nicht mehr, seinen Fallschirm anzulegen. Sein Sturz aus 4000 Metern Höhe scheint sein Todesurteil zu sein... doch dann, etwa in 2000 Metern Höhe, stößt er mit dem Bordschützen John Vivash zusammen, der gerade seinen Fallschirm öffnet. Er kann sich am Fuß des anderen festkrallen und beide landen verletzt, aber lebend, auf Nevigeser Boden. Eine Woche dauert ihre Flucht, dann geraten sie in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Ein weiterer Soldat wird schwer verwundet von Nevigeser Bürgern aufgefunden, er fällt einem Lynchmord zum Opfer. „Alte Nevigeser kennen die Geschichte, erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass er erschossen wurde“, sagt Lohbeck. Fakt ist: Er hat den Absturz überlebt, hat nach Wasser gefragt. Im Nevigeser Krankenhaus ist er nicht mehr lebend angekommen.
Vier Tage nach dem Absturz, am 8. November, wurden die vier Flieger in Neviges beerdigt. Später wurden sie umgebettet und fanden ihre letzte Ruhe auf einem Friedhof in Kleve.
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