Louis Berger - ein Mann mit Widersprüchen - Buch erzählt die Geschichte des Wittener Industriepioniers

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Andreas Kleinschmidt und Gerhard Koetter präsentieren das Werk über Louis Berger.
 
Das Buch ist im Handel erhältlich.

Eine Straße führt seinen Namen und auf dem Hohenstein bildet sein Denkmal eine zentrale Landmarke Wittens: Louis Berger hat seine Spuren in der Stadt hinterlassen. Dennoch ist er vielen ein Unbekannter.


Abhilfe schafft ein Buch, das das Leben Bergers Revue passieren lässt. Der Hevener Heimatforscher Gerhard Koetter hat es verfasst. „Louis Berger – Ein Leben im industriellen und politischen Umbruch“ widmet sich dem Leben und Werk des 1829 geborenen Witteners.
„Berger war kein Mann frei von Widersprüchen“, erklärt Koetter. Einerseits war er ein liberaler Politiker, der wegen seines offenen Ansinnens, dem deutschen Adel seine Macht zu entreißen, mit einem offiziellen Bann belegt wurde. Weil er einigen mächtigen Männern mit seinem Ansinnen auf die Füße trat, wurde Gussstahl aus seinem Werk zeitweise auf eine Schwarze Liste gesetzt und war in Deutschland über einen längeren Zeitraum hinweg fast unverkäuflich. Auf der anderen Seite produzierte Berger Waffen für den russischen Zaren. „Es war unter anderem ein russischer Offizier in Witten zu Besuch“, erzählt Gerhard Koetter, der früher Direktor der Erlenschule war und sich vor allem als Muttental-Experte einen Namen gemacht hat. „Und ohne die Zustimmung Bismarcks hätte Berger nie mit den Russen zusammenarbeiten dürfen.“ Offizielle Dokumente, die diese Vermutung belegen, gibt es zwar nicht, aber Bergers offenes Engagement und Bismarcks russlandfreundliche Politik lassen gar keine andere Schlussfolgerung zu.

Viel Recherche


Für sein Buch, das im Handel 8,99 Euro kostet, hat Gerhard Koetter unter anderem die stenografischen Berichte des Preußischen Landtages und des Reichstages mit Hilfe der Bibliothek des Ruhrgebietes in Bochum durchforstet. Von 1865 bis 1891 saß Berger im Preußischen Landtag, von 1874 bis 1881 im Reichstag; zunächst vertrat er demokratisch-liberale Standpunkte, später vermehrt national-liberale. „Er saß oft zwischen den Stühlen“, so Koetter, der im Wirtschaftsarchiv Dortmund auch viele private Korrespondenzen Bergers studierte.
Der Förderverein Westfälisches Industriemuseum Zeche Nachtigall hat die Entstehung des rechercheintensiven, aber sehr leicht zu lesende Buches unterstützt. „Das von Berger gegründete Werk existiert bis heute, er hat die Stadt in den Jahren seines Wirkens wie kein anderer Industrieller geprägt; mit dem Buch von Gerhard Koetter liegt nun eine umfassende, leicht zugängliche Biografie vor, die eine Person der Wittener Industriegeschichte auch interessierten Laien nahe bringt“, freut sich der Vorsitzende des Fördervereins, Matthias Kleinschmidt. Der ist eher als Stadtkämmerer bekannt, doch als Fördervereinsvorsitzender ist er ganz persönlich an der Geschichte Wittens interessiert. So waren ihm etwa Bergers Russland-Geschäfte – in ihren Dimensionen – vor der Lektüre des Buches weitestgehend unbekannt.
Und diese Geschäfte haben es in sich, denn Bergers Partner in Russland war Ludwig Nobel – Bruder von Alfred Nobel, dem Stifter des Nobelpreises. Ludwig Nobel hat maßgeblich die russische Waffenindustrie aufgebaut; Berger selbst hätte sich in Russland niederlassen können, das Zarenreich rollte ihm den Roten Teppich aus. „Da aber hat Berger sich dann doch zurückgezogen.“ Aus dem Waffengeschäft. Nicht aber aus Russland. Mit Ludwig und Alfred Nobel legte Berger nämlich in Baku (heute Aserbaidschan) den Grundstein der russischen Ölindustrie!

Der Politiker


Als Landtagspolitiker war sein Blick jedoch auf seine Heimat gerichtet, selbst nach seinem Umzug nach Horchheim (heute Koblenz). So war Berger als Verkehrsexperte eine parteiübergreifend geachtete Persönlichkeit und Gerhard Koetter zitiert in seinem Buch unter anderem eine regelrechte Wutrede Bergers – gegen die Preußische Staatsbahn. Darin warf er den Verantwortlichen vor, ohne Rücksicht auf städteplanerische Bedürfnisse ihre Trassen zu bauen und benannte explizit einen Bahnübergang an der Herbeder Straße, wo es sieben Gleise den Arbeitern fast unmöglich machten, von einer Seite der Stadt auf die andere zu wechseln, weil ständig Loks rangierten und Züge fuhren. Die Unterführung/Brücke, die heute einen Durchlass zwischen Bahnhof- und Herbeder Straße darstellt, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Und wer heute in Annen an der Glück-Auf-Schranke steht, weiß, was Berger schon vor 130 Jahren zu monieren hatte!
Berger war ein Schwiegersohn Friedrich Harkorts, dem Vater des Ruhrgebiets, dem er 1890 ein Buch widmete, das überhaupt erst die Leistungen Harkorts als Industriepionier bekannt gemacht hat. Berger starb 1891.

Das Buch ist im Wittener Buchhandel erhältlich.

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