"Kirschgarten" im Schauspielhaus

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Lopachin (Roland Riebeling) verzweifelt am mangelnden Realitätssinn seiner Mitmenschen. Im Hintergrund Marco Massafra als Jepichodow. (Foto: Küster)
Der Ungar Tamás Ascher gilt mittlerweile international als Tschechow-Experte. In Bochum brachte er nun das Drama „Der Kirschgarten“ auf die Bühne.
Dabei stellen nur die modernen Kostüme einen ausdrücklichen Gegenwartsbezug her. Allerdings ist die Aktualität des Geschehens auf der Bühne unübersehbar.
Gutsbesitzerin Ljubow Andrejewna Ranjewskaja (Bettina Engelhardt) sträubt sich gegen den aus finanziellen Gründen zwingend notwendigen Verkauf ihres Kirschgartens – weniger weil ihr dieser am Herzen liegt,sondern weil sie die gesellschaftlichen Veränderungen nicht akzeptieren will.
Dass das Zifferblatt der Wanduhr verschmutzt ist, spielt keine Rolle – sie ist ohnehin stehen geblieben.Wenn der Bruder der Gutsbesitzerin andeutet, er habe sein ganzes Vermögen in Bonbons investiert, ist das wohl wirklich nur ein bisschen übertrieben.
Als positive Gegenfigur erscheint der Kaufmann Lopachin, dem Roland Riebeling Leben einhaucht. Ihm ist durch Sachverstand und Einsatz der gesellschaftliche Aufstieg gelungen. Vergeblich versucht er,den Angehörigen der alten Führungsschicht den Ernst der Lage vor Augen zu führen.
Der leise Humor der großartigen Dialoge kommt in der eher konventionellen Inszenierung gut zur Geltung. Liebe zum Detail zeichnet das Bühnenbild aus. Auch die Musik zaubert Atmosphäre ins Große Haus.
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