Weihnachten im Jahr 1946

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Bochum: helga Schulz | Es war im Jahr 1946
Unsere Familie war einige Zeit in Thüringen evakuiert.Und erst im Jahr 1946 traten wir die Rückreise in unsere Heimatstadt Bochum an.
Die Rückreise war auch manchmal dramatisch,nämlich da,als wir drei Kinder schon im Menschenüberladenen Viehwaggon waren und der Zug anrollte.Mutti stand mit dem Leiterwagen noch draussen.Wir schrien alle drei voller Panik und das Wunder geschah.
Zwei Männer sprangen heraus,liefen neben den Zug und luden den Leiterwagen mit Hilfe von Menschen im Zug ein.Mutti schoben sie hinterher und wir waren wieder zusammen.
In Bochum angekommen lag so ziehmlich alles in Schutt und Asche.Meterhohe Trümmerfelder und das Haus in dem wir früher wohnten,war auch zerbomt.
Vater war schon vorgereist und hatte im unterirdischen Bunker,in dem wir bei Fliegeralarm Zuflucht gesucht hatten,eine Bleibe für uns geschaffen.Zunächst bekamen wir drei Räume,Küche,Kinderzimmer und ein Schlafzimmer.Da es sehr eng war im Zimmer und nur ein Bett hineinpasste,mussten wir drei Kinder in einem Bett schlafen.Da gab es auch Gerangel im Bett,wenn sich dann einer zu breit machte.Ansonsten fühlten wir Kinder uns ganz wohl dort,denn es wohnten ja mehrere Familien mit Kindern dort und es entstanden schnell Freundschaften.Für uns Kinder war es eine schöne Zeit.Wir wohnten fünf Jahre in diesem Bunker.
Meine Weihnachtsgeschichte widme ich in liebevollem Gedenken,meinem lieben Vater.Unser Vater war in Nebentätigkeit auch Bunkerwart,aus diesem Grund hatte er einen Wekraum,zur Wartung von Maschinenraum u.s.w.
Da es kurz vor Weihnachten war,verschwand Vater immer wieder in dieser Werkstatt und verschloss die Tür,das war neu und sehr geheimnisvoll.Wir rätselten was da wohl vor sich ging.
Aber bald war es soweit,Weihnachten war da.Die Bescherung fand immer am Weihnachtsmorgen statt.Aus der Küche läutete ein Glöckchen.Da wir schon lange wach waren und auf dieses Zeichen gewartet hatten,sprangen wir alle gleichzeitig aus dem Bett und liefen in die Küche.
Große Erwartungen hatte ich nicht,wir hatten keinen Wunschzettel erstellt,denn wir wussten ja,das wir sehr arm waren und froh wenn wir etwas zu Essen bekommen haben.
Die Überraschung war überwältigend.Da stand ein weißer Puppensportwagen und eine Puppe war auch darin.Ich war so überrascht und brauchte einen Moment bis ich es begriff.Das war wirklich für mich.Für meine Brüder hatte das Christkind zwei schöne selbstgebastelte grosse Autos gebracht.Auch sie waren überglücklich.
Heute weiss ich ja,daß mein Vater dieses alles in Eigenarbeit gefertigt hatte.Das Material dafür, hatte er wahrscheinlich mühevoll zusammengetragen,denn es gab ja noch fast nichts.
Diesen Puppenwagen habe ich mit stolz,oft über weite Strecken,über holpriges Pflaster,zu meiner Freundin gefahren.Dabei klapperten die Holzräder ziehmlich laut.
Danke Papa
deine Tochter Ellen

Am Imbuschplatz in Bochum,ist der Lüftungsschacht zum Bunker noch zu sehen !
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4 Kommentare
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Peter van Rens aus Oberhausen | 14.12.2016 | 16:50  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 14.12.2016 | 18:11  
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Volker Dau aus Bochum | 14.12.2016 | 19:18  
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Erika Huber aus Bochum | 16.12.2016 | 16:59  
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