Köttelbecken als allerschönste Ecken: Autor Friedhelm Wessel blickt zurück

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Friedhelm Wessel ist Jahrgang 1944. Die „Halde anne Köttelbecke“ hat er in seiner Jugend gerne mit seinen Freunden erkundet.

„Köttelbecken“, schreibt Friedhelm Wessel, „gehören zum Revier-Inventar wie Schlackenhalden, Gasometer und Fördertürme“. Da die „Köttelbecken nach und nach durch unterirdische Abwasserkanäle ersetzt werden“, blickt der Autor in seinem Buch „Unsere allerschönste Ecke: Die Halde anne Köttelbecke“ auf diese Zeit mit Wehmut zurück.

Wie Köttelbecken seit mehr als 100 Jahren die Region prägen, stellt Wessel anschaulich dar. Zum Beispiel mit Blick auf den Landschaftsarchitekten Peter Drecker aus Kirchhellen, der sich um die Gestaltung von Berghalden kümmert und deshalb weiß, dass jede Halde ihre „ganz eigenen Ansprüche“ hat.
Wessel zeigt in seinem Buch sehr anschaulich, dass er selbst ein Kind des Ruhrgebietes ist: Wer wie er die Köttelbecken-Zeit selbst erlebt hat, wird sich nicht nur an den Geruch („Mix aus altem Öl, verfaulenden Äpfeln, Mutters Parfüm, Plumpsklo und vielem mehr“) erinnern, sondern auch an die Abenteuer, die er dort erlebt hat. Das gefährliche und natürlich verbotene„Bachlaufen“ war so eines: von der einen auf die andere Seite der 45 Grad steilen Wand der Betonwanne auf die andere Seite hüpfen und dabei nicht in der stinkenden braunschwarzen Brühe landen. Was wohl nicht allen „Abenteurern“, die Wessel sehr anschaulich vorstellt, gelingen konnte. Auf den Spott der anderen folgte der Ärger daheim.
1983 war die Halde Brinkfortsheide in Marl Filmlandschaft mit bekannten Schauspielern wie Tana Schanzara, Renan Demirkan, Hannelore Hoger, Günter Lamprecht oder Rock-Legende Udo Lindenberg in Adolf Winkelmanns Film „Super“. 1995 wurde „Tot auf Halde“ mit Benno Führmann gedreht oder „Pina“ von Regisseur Wim Wenders 2011, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Wer mehr wissen möchte: Wessel beschreibt auch die Filme, die lange Zeit vergessen waren und heute Kultstatus besitzen (Der Platz an der Halde).
Fred Fischer mit seinen Aliens auf dem Plateau unter dem Tetraeder (2009 und 2013) darf in diesem Werk natürlich auch nicht fehlen oder das ehemalige Klärwerk Emscher im Bernepark, heute Berne-Park mit einem „Theater der Pflanzen“.
Nicht allein ältere Herrschaften, die vielleicht selbst noch Kontakt mit Köttelbecken hatten, dürfte dieses Buch mit seinen vielen Hintergrundgeschichten interessieren.

Friedhelm Wessel: Unsere allerschönste Ecke: Die Halde anne Köttelbecke. Geschichten von künstlichen Bergen und aromatischen Bächen. 80 Seiten, gebunden. Verlag Henselowsky Boschmann. Preis: 9,90 Euro. ISBN: 978-942094-52-8.
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