Nikolaus mit Jubiläum

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Wenn Erwin Lenz als Nikolaus unterwegs ist, freuen sich nicht nur die Kleinen. Gerade in Fuhlenbrock haben auch deren Eltern oft schon mit Herzklopfen auf ihn - pardon, den Nikolaus - gewartet. (Foto: Michael Kaprol)
 
Der Nikolaus gehört zu unserer Traditon“, sagt Erwin Lenz. Beim Weihnachtsmann, der aus Amerika kommt und „Hohoho“ sagt, kriegt er zuviel. (Foto: Michael Kaprol)

Der Nikolaus hat feuchte Hände. In seinem ganzen Leben hat er noch kein Interview geben müssen - und das in 60 Dienstjahren.

Feuchte Hände kennt der Heilige Mann gut. Vor jedem Auftritt als Nikolaus ist er total nervös. „Ich habe richtig Lampenfieber“, gibt Erwin Lenz zu, „meine Frau darf mich dann nicht ansprechen.“ In Fuhlenbrock kennt ihn jedes Kind - und auch deren Eltern haben als Knirpse schon oft den Atem angehalten, wenn sie plötzlich das Glöckchen hörten, das den Herrn mit dem roten Mantel ankündigt. Nicht nur die örtlichen Kaufleute engagieren den 82-Jährigen am Nikolaustag. In der Bonifatiusgemeinde ist Erwin Lenz ebenso gerne gesehen wie im Seniorenwohnheim oder in Familien.

„Im ersten Moment haben Kinder oft Angst“, weiß er aus Erfahrung. Doch die schwindet schnell, wenn der Nikolaus zur Begrüßung die kleinen Hände schüttelt und außer freundlichen Worten natürlich auch ein par Leckereien mitgebracht hat. Nicht fehlen darf das Goldene Buch. Und hier verrät Erwin Lenz ein Geheimnis: Auf den Seiten steht gar nichts. Aber wenn der Nikolaus es bei einem Besuch in einer Familie aufschlägt, liegen Zettel darin, die ihm wichtige Informationen zu den zu beschenkenden Jungen und Mädchen geben - irgendwie scheinen die Eltern einen heißen Draht zum Nikolaus zu haben. „Aber ich bin nicht streng zu den Kindern oder stelle sie gar bloß“, versichert Erwin Lenz. „Nur manchmal beuge ich mich hinunter und flüstere ihnen zu: Du musst brav sein.“

Angefangen hat die Nikolaus-Karriere von Erwin Lenz eher zufällig. „Ich bin da ganz dumm drangekommen“, schmunzelt der Fuhlenbrocker. Vor 60 Jahren war er Schriftführer des örtlichen Siedlerverbandes - und der war in der Weihnachtszeit auf der Suche nach einem geeigneten Nikolaus-Kandidaten. Und so fand sich Erwin Lenz bald in dieser Rolle wieder, ausgestattet mit Mitra, Rauschebart und Mantel. „Wir haben damals alle Kinder der Siedlung zu Hause besucht“, erinnert sich der Nikolaus. „Manche haben bis halb zehn abends auf uns gewartet.“ Seitdem ist der Nikolaus-Job an Erwin Lenz hängen geblieben. In diesem Jahr hat er zum ersten Mal ans Aufhören gedacht. „Aber so viele haben schon gesagt: Das kannst du doch nicht machen!“ Und trotz des Magengrummels vor jedem Auftritt hängt Erwin Lenz an seiner Rolle. „Es ist beglückend zu sehen, wie sie auf mich warten“, erklärt der Nikolaus - und bei den Kindern geht ihm das Herz auf.

Das Talent von Erwin Lenz blieb natürlich nicht lange verborgen - kein Wunder, war er in seiner beruflich aktiven Zeit doch einer der Fahrer, die die hohen Amtsträger der Stadt von A nach B brachten. Also wurde der Heilige Mann aus Fuhlenbrock sowohl von der Stadt als auch von den Parteien gerne für ihre vorweihnachtlichen Feiern gebucht. Für eines der offiziellen Fotos aus dieser Zeit, in denen noch der Vollbart aus Hanf, den der Nikolaus in früherer Zeit trug, zu sehen ist, mussten auch die beiden Enkel von Erwin Lenz ran. Tobias und Magnus posieren als neugierige Stöpsel, die zu gerne einen Blick ins Goldene Buch werfen würden.

Inzwischen sind die Enkel längst den Kinderschuhen entwachsen, doch der Nikolaus-Job des Opas sorgt zumindest bei Magnus noch immer für einen Einsatz als Helfer. „Wenn ich am Nikolaustag in Fuhlenbrock unterwegs bin, füllt er immer wieder meinen Korb auf“, erzählt Erwin Lenz. Und das ist auch bitter nötig, denn der Nikolaus hat ordentlich zu schleppen. Allein 80 bis 100 gespendete Stutenkerle hat er dabei, dazu Schokolade und Äpfel. „Das geht weg wie geschnitten Brot.“ Nach so einem arbeitsreichen Tag tun selbst dem Nikolaus die Füße weh.

Am Heiligen Abend ist Erwin Lenz wieder Ehemann, Vater und Opa. Gefeiert wird im Kreis der Familie, und da gibt es unverrückbare Traditionen. Die selbstgebaute Krippe wird aufgestellt, der Weihnachtsbaum wurde selbst geschlagen, es gibt Glühwein für alle. „Nur nicht für den Opa, der muss ja noch fahren“, grinst Erwin Lenz.

So schlimm war das Interview am Ende wohl doch nicht. Denn für jeden im Stadtspiegel-Team gab es einen großen Schoko-Kollegen. Vielen Dank für den Besuch - und schöne Weihnachten, Nikolaus!
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