Wieder angesiedelt

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Nach über 100 Jahren vermehren sich erstmals wieder Groppen in den Emscher-Läufen. Foto: Jochen Durchleuchter/Emschergenossenschaft
Groppe überlebte den Niedergang der Emscher

Die Vereinten Nationen feiern jedes Jahr am 22. Mai den „Internationalen Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt“ – und die Emschergenossenschaft feiert mit! Dazu hat der Flussmanager, der dem einstigen Abwasserlauf Emscher aktuell neues Leben einhaucht, auch allen Grund: Die Wiederansiedlung der Emschergroppe in mehrere bereits renaturierte Gewässer des Emscher-Systems lief äußerst erfolgreich.

Nach über 100 Jahren vermehren sich erstmals wieder Groppen in den Emscher-Läufen. Der Bestand der „Emschergroppe“ kann nun als gesichert angesehen werden.Kaum ein anderer Fluss blickt auf eine so abwechslungsreiche Geschichte zurück wie die Emscher.

Vom Tieflandfluss zum Abwasserkanal

Vom einstigen fischreichen Tieflandfluss entwickelte sie sich zum Abwasserkanal eines der am dichtesten besiedelten industriellen Ballungsräume Europas. Seit Anfang der 90er Jahre wurden zahlreiche Abwasserläufe im Emscher-Einzugsgebiet von der Emschergenossenschaft wieder zu naturnahen Fließgewässern umgestaltet.
Als Besonderheit für das Emschergebiet ist der Restbestand einer Groppen-Population anzusehen, welcher in einem isolierten Abschnitt der Boye in Bottrop die Zeit der industriellen Gewässerverschmutzung überdauern konnte. Ein Teil dieser Tiere wurde in sieben neu gestaltete Gewässer umgesetzt. „Alle Wiederansiedlungen verliefen erfolgreich. Das ist ein Ergebnis, auf das wir mit Recht stolz sein können. Mit dem Emscher-Umbau schenken wir den einst geschundenen Bächen dieser Region neues Leben, und die Natur nimmt dieses Leben an“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.
Etwas mehr als ein Jahr nach dem Aussetzen der Groppen im Deininghauser Bach führte die obere Fischereibehörde 2012 eine Elektrobefischung an den Besatzstellen durch, um nach dem Verbleib der besetzten Tiere und einer möglichen Reproduktion zu sehen. An der unteren Besatzstelle konnten bereits auf den ersten 20 Metern der untersuchten Strecke 17 junge Emschergroppen nachgewiesen werden. Auf ein weiteres Fischen wurde daraufhin verzichtet.

Größenunterschied der Generationen

Auch an der oberen Besatzstelle wurde das Fischen nach 20 Metern eingestellt. Dort ließen sich bereits 19 junge Groppen fangen. Da außer den Jungtieren auch einige Elterntiere gefangen wurden, zeigte sich sehr schön der Größenunterschied zwischen den Generationen. Für den Deininghauser Bach konnte damit belegt werden, dass sich die Groppenbestände etabliert haben.
Erfolgskontrollen der Emschergenossenschaft im Jahr 2013 förderten am Ostbach in Herne sowie am Läppkes Mühlenbach an der Stadtgrenze Oberhausen und Essen ebenfalls positive Ergebnisse zu Tage. Bereits in der ersten Laichzeit (März bis April) nach dem Umsetzen hatten sich die Tiere fortgepflanzt. Eine Elektrobefischung, die vor genau einem Jahr im Läppkes Mühlenbach durch den Rheinischen Fischereiverband 1880 e.V. erfolgte, zeigte bereits eine Ausbreitung der Groppen nach ober- und unterhalb der ehemaligen Besatzstellen.
Auch in den Gewässern Landwehrbach, Roßbach, Emscher (Oberlauf in Dortmund) und Hörder Bach konnte im Rahmen der Erfolgskontrolle die Vermehrung der Groppen nachgewiesen werden. Nach über hundert Jahren der Abwesenheit ist nunmehr die Groppe ins neue Emschertal zurückgekehrt.

Artenvielfalt an der Emscher

Abgesehen von dem Artenschutzprojekt zum Erhalt der Groppe, zeigen auch die zahlreichen weiteren Projekte zur nachhaltigen Sicherung der Biodiversität im Emschergebiet bereits sichtbare Erfolge. Zum Beispiel der Phoenix See in Dortmund mit seinen umgebenden Gewässern Emscher und Hörder Bach - dort beteiligten sich im Sommer 2014 mehr als 50 Wissenschaftler und Ehrenamtliche am Geo-Tag der Artenvielfalt . Nach Auswertung aller Daten stand am Ende die stolze Zahl von 709 erfassten Arten.
Darunter fielen unter anderem 392 Farn- und Blütenpflanzen, die in den Gewässern und deren direktem Umfeld (Aue) leben. In den Gewässern wurden 110 verschiedene Arten von Tieren bestimmt: u.a. 9 verschiedene Libellenarten, 12 Köcherfliegenarten und 7 Eintagsfliegenarten. 31 Käferarten tummelten sich im Wasser und am Ufer. Nicht umsonst beurteilte der NABU den Phoenix See als wichtigstes Brutgewässer in Dortmund, insgesamt wurden 46 Vogelarten von den Vogelkundlern beobachtet. Darunter zählte auch der im Bestand gefährdete Flussregenpfeiffer, der auf kiesige Uferbereiche angewiesen ist.
Der GEO-Tag der Artenvielfalt zeigte 2014 auch, dass Phoenix See, Emscher und Hörder Bach wichtige Refugialräume für bedrohte Arten, sogenannte Rote-Liste-Arten geworden sind: Die Forscher konnten 12 Arten nachweisen, die in ihrem Bestand in NRW gefährdet sind. So wird z.B. die über dem Phoenix See nach Insekten jagende Breitflügelfledermaus in NRW als „stark gefährdete“ Art beurteilt.
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