So bunt wie die Menschen - „Demenz und Alzheimer“ war das Thema bei „Bottrop informier Dich“

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Heike Taut-Franci hat die erste Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten in Bottrop gegründet. „Angehörige brauchen Hilfe, sonst werden sie selber krank“, weiß sie. (Foto: Michael Kaprol)

Es war ein flammender Appell, den Heike Taut-Franci am Ende an die Zuhörer richtete: „Schämen Sie sich nicht für Ihren Angehörigen. Und: Locker bleiben! Sonst kriegen Sie noch mehr Stress. Es ist wichtig, den Tag zu leben.“


„Wenn die Erinnerung nicht bleibt - Demenz, Alzheimer und Co.“ hieß das Thema der aktuellen Folge der Reihe „Bottrop informier Dich“ in der Alten Börse - ein Thema, das vielen Bottropern wichtig ist. Der Saal konnte die vielen Interessierten kaum fassen, die der Einladung gefolgt waren. Auf dem Podium standen als Fachleute Dr. Reinhold Dux, Chefarzt der Neurologie am Knappschaftskrankenhaus, Barbara Josfeld, Demenzberaterin beim Gesundheitsamt, Thomas Behler, Geschäftsführer der Rudi-Assauer-Stiftung, und Heike Taut-Franci, Gründerin der ersten Selbsthilfegruppe für Angehörige Demenzerkrankter Rede und Antwort.

Heike Taut-Franci weiß sehr genau, wovon sie redet. Ihr Mann Paolo erkrankte bereits im Alter von 50 Jahren, vor ein paar Monaten ist er gestorben. Anfangs habe sie sich nicht viel dabei gedacht, wenn ihr Mann müde und vergesslich war. „Aber dann kam es Schlag auf Schlag.“ Halluzinationen, schmutziges Geschirr im Schrank, Orientierungslosigkeit. Heute hilft sie in der Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten mit Rat, Tat und Erfahrung.

Demenz kann viele Gesichter haben, erklärte der Neurologe Dr. Reinhold Dux den Zuhörern. „Man muss den Patienten als Gesamtheit sehen. Die Krankheit ist so bunt wie die Menschen unterschiedlich sind.“ Wenn sich die Krankheit bemerkbar mache, sei sie meistens schon viele Jahre aktiv gewesen, so der Mediziner. „Man kann aber einiges dafür tun, dass Demenz später auftritt“, sagt Dux. Wer nicht raucht oder trinkt, sich bewegt und aktiv ist, trage dazu viel bei. Wenn die Krankheit früh genug erkannt werde, könne man sie inzwischen auch deutlich verzögern. „Mit Medikamenten kann man Symptome dämpfen, so dass Erkrankte auch länger in ihrer Familie bleiben können.“

Barbara Josfeld vom Gesundheitsamt ist beim Thema „Früherkennung“ eine wichtige Adresse. Sie ist mit mobilen Demenzsprechstunden unterwegs, wo sich Betroffene infomieren können. Mit Test lässt sich auch feststellen, ob der Verdacht auf eine Demenzerkrankung begründet ist.

Barbara Josfeld ist im Gesundheitsamt unter Tel. 70 35 62 zu erreichen. Heike Taut-Franci und die Selbsthilfegruppe Angehöriger von Demenzerkrankten beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, Tel. 23019.
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