Auf den Spuren des Nationalsozialismus: Tag 4

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Am letzten Tag unserer Studienfahrt hatten wir die Ehre, mit dem Zeitzeugen Karol Tendera zu sprechen und uns seine unglaubliche Geschichte berichten zu lassen. Anschließend besuchten wir das jüdische Viertel und die Schindlerfabrik.

Karol Tendera erzählte uns von den schlimmsten 5 Jahre seines Lebens. Er begann uns von dem Tag zu erzählen, an dem er aus der Berufsschule gezogen und als Zwangsarbeiter nach Hannover gebracht wurde. Nach zweimaliger Flucht aus Hannover wurde er in Krakau gefasst. Er verbrachte 5 Monate im Gefängnis und wurde dann mit seinen Mithäftlingen, woraus sich wahrhafte Freundschaften entwickelten, in das Stammlager von Auschwitz gebracht. Karol Tendera bekam die Häftlingsnummer 100430 auf seinen linken Unterarm tätowiert und verlor somit seine Identität. Er erzählte auch davon, wie er nicht nur diese sondern auch seinen Glauben an Gott und seinen Willen zum Leben verlor. Seinen Todeswunsch konnte er mehrmals nur mit Hilfe seiner Freunde überwinden.

Der Moment, in welchem er uns seine Häftlingsnummer zeigte, indem er seinen Ärmel hochzog war sehr schockierend und sehr emotional.
Des Weiteren erschrak uns der Umstand, dass Herr Tendera ein Versuchsobjekt von Dr. Mengele war und dies überstand. Gerade nach unserem Workshop, welcher an Vortag stattfand, in dem wir genaueres über Mengeles Vorgehensweise erfuhren und wir dachten, die Wahrscheinlichkeit dazu sei sehr gering.

Seiner Meinung nach müsse man einfach Glück haben. Dies ist auch seine Devise fürs Leben. Herr Tendera sagte im Gespräch und schrieb in seinem Buch noch weitere Devisen und Weisheiten auf, die uns teilweise sehr inspirierten und an welche man in Leben öfter denken sollte, bevor man zu schnell urteilt.

Es ist unglaublich beeindruckend und wir haben einen außerordentlichen Respekt davor, dass der mittlerweile 96-Jährige noch über eine solche Lebensfreude verfügt und recht humorvoll auf seine Vergangenheit zurückblickt und genauso über seine Erlebnisse spricht. Genauso beeindruckend fanden wir, dass er in keinerlei Hinsicht irgendwelche Rachegefühle gegenüber Deutschen hat, obwohl diese ihm doch so viel Leid zufügten. Stattdessen half er sogar noch zwei Wehrmachtsoffizieren direkt nach seiner Befreiung.
Wir alle wünschen ihm, dass er sein Ziel, 103 Jahre alt zu werden, erreicht.

Nach dem Zeitzeugen Gespräch besuchten wir die Ausstellung zur deutschen Besatzung, in der bekannten Emalia Warenfabrik, besser bekannt als „Schinderfarbrik“. In der Ausstellung verfolgten wir die Spuren der Bürger Polens, von der deutschen Annexion bis hin zur sowjetischen Machtübernahme. Wir begannen unsere Führung in einem Raum, in dem mehrere Kameras aus dem 20. Jahrhundert ausgestellt waren. Dort informierte uns ein Mitarbeiter des Museums über die Ausstellungsstücke und Abbildungen des Raumes. Er erwähnte, dass vor dem zweiten Weltkrieg ungefähr 280.000 Menschen in Krakau lebten, wovon mehr als 60.000 Menschen dem jüdischen Glauben angehörten. Im laufe der Führung erfuhren wir immer mehr über die Okkupationszeit. In dieser mussten die jüdische Bevölkerung immer mehr Demütigung und Diskriminierung über sicher ergehen lassen, zum Beispiel durften jüdische Bürger keine Straßenbahn fahren, oder sie hatten auch starke Einschränkungen beim Einkaufen.
Damals gab es in Krakau oft Bombenanschläge der Alliierten, welche in einem Raum der Ausstellung, mithilfe von Lautsprechern sehr eindrucksvoll und einschüchternd dargestellt wird.

Um seinen Einfluss in Polen auszuweiten, errichtete das Deutsche Reich im annektierten Gebiet einen autonomen Machtbereich, dass „Generalgouvernement“ unter der Leitung von Hans Frank, welcher später im Rahmen der Nürnberger Prozesse zum Tode verurteilt wurde. Desweiterem betrachteten wir das ehemalige Büro von Oskar Schindler, in dem sich ein runder, abgegrenzter Bereich mit den Namen der von ihm geretteten Juden befindet.

Zuletzt betraten wir einen kreisförmigen Raum, in dem Unterhaltungen von Verfolgten in mehreren Sprachen, u.a. in deutsch, dargestellt wurden.
Im Anschluss des Museumbesuches führte uns ein Stadtführer durch das jüdische Viertel Kazimierz. Dort errichteten die Deutschen das Krakauer Ghetto. Auf einer Fläche, wo normalerweise ca. 3000 Menschen lebten, lebten im Ghetto etwa 16.000 Menschen. Da die ersten Menschen bei der Errichtung des Ghettos viele Möbel nicht mitnehmen konnten, mussten sie diese in großer Zahl auf der Straße und dem großen Marktplatz zurücklassen. Um dem zugedenken, befindet sich dort heute ein Mahnmal, bestehend aus 68 Stühlen. Es verteilt sich auf dem gesamten, ehemaligen Marktplatz des ehemaligen Ghettos. Dort befand sich bereits zu früheren Zeiten eine Apotheke, welche zur Zeit der Okkupation von einem nicht jüdischen Polen betrieben wurde. Für ihn wurde eine Ausnahme gemacht, denn er behauptete, er beschütze das Ghetto vor einer Epidemie. Auch er half den Juden vor Ort.

Danach besuchten wir, ebenfalls im Rahmen der Stadtführung, eine Synagoge mit Friedhof. Dieser wurde von den Nationalsozialisten stark beschädigt.
Unser Fazit des Tages ist, dass die Zeit der Besetzung für die Bevölkerung Polens, vor allem dem jüdischen Teil, eine Qual war. Sie mussten zahlreiche Einschränkungen und Bevormundung über sich ergehen lassen. Menschen wie Oscar Schindler bewiesen allerdings Zivilcourage und viele Menschen verdanken ihnen das Leben.
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1 Kommentar
Nina Möhlmeier aus Castrop-Rauxel | 07.12.2017 | 12:37  
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