Denk mal, ein Denkmal!

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Hier vorn beginnt die Kanalerneuerung. Auf den ersten 25 Metern könnten die Arbeiter auf Zeugen der Vergangenheit, einen Friedsgraben, stoßen.

„Nichts ist unmöglich“ hieß es mal in der Werbung für einen japanischen Autohersteller. „Nichts ist undenkbar“ könnte es jetzt für die Bauarbeiten am Altstadtmarkt heißen.

Eine Äußerung von EUV-Chef Michael Werner Ende der vergangenen Woche bei der Vorstellung der aktuellen Kanalbauarbeiten an Castrops „guter Stube“ hatte aufhorchen lassen: Das Westfälische Denkmalamt mit Sitz in Münster habe einen Hinweis gegeben, wonach ein so genannter Friedsgraben – ein trockener Wallgraben als Befestigungs- und Schutzbauwerk – im Erdreich verborgen sein könnte.

Was hat das Denkmalamt mit der Erneuerung des Abwasserkanals unter der Fahrspur am Markplatz zu tun? „Bei allen geplanten Bauarbeiten werden nicht nur die Versorger von Gas, Wasser und Strom eingeschaltet, sondern wir müssen auch das Denkmalamt beteiligen“, erläutert Werner.

Und diese Behörde in Münster habe in den Archiven alte Unterlagen und Pläne gesichtet und ausgewertet. Herausgekommen sei dabei eben der Hinweis auf den möglicherweise verborgenen Friedsgraben. „Wenn es den gibt, soll er auf den ersten 25 Metern der Baustelle liegen“, konkretisiert der EUV-Chef den Hinweis aus Münster.

Also, wenn denn tatsächlich historisches Erbe an der Markt-Baustelle gefunden werden kann, dann müssten die Bauarbeiter ziemlich zügig auf die Spuren der Vergangenheit stoßen. Denn der Bagger beginnt mit dem Aufreißen der Fahrbahn an der Ausfahrt des Marktes zur Straße Am Stadtgarten und arbeitet sich dann Richtung Sparkasse vor.

„Wir werden jetzt bei den Arbeiten darauf achten, ob es dunkle Verfärbungen im Boden gibt oder fremdes Material gefunden wird“, beschreibt Werner die weitere Vorgehensweise. Allerdings hält es der EUV-Chef eher für unwahrscheinlich, dass Spuren der Vergangenheit gefunden werden. „Generationen von Bauarbeitern sind schon am Marktplatz tätig gewesen. Und gefunden wurde nichts.“

Was, wenn beim Buddeln aber doch etwas Historisches zu Tage tritt? „Dann müssen wir das Denkmalamt benachrichtigen. Münster schickt einen Mitarbeiter zur Begutachtung vor Ort und entscheidet dann, wie es mit den Bauarbeiten weitergeht.“

Der Zeitplan für die Kanalbaumaßnahme dürfte dann hinfällig sein. Bis Mitte August will das beauftragte Bauunternehmen die neuen Abwasserrohre verlegt haben. „Je schneller, desto besser für die Geschäftsleute in der Altstadt“, hatte Matthias Zimmer, Vorsitzender von Casconcept deutlich gemacht und „von einer Operation am offenen Herzen“ gesprochen. Eine möglichst kurze Bauzeit sei „existenziell wichtig“.

„In den neunziger Jahren haben wir bei Arbeiten auf dem früheren Erin-Gelände ein paar Scherben gefunden. Damals wussten wir, dass es dort einen Siedlungsschwerpunkt gab“, erinnert Werner an die damaligen Funde. Heute sind die ausgegrabenen Schätze im Archäologisches Museum in Herne zu sehen.

Und am Marktplatz? Es muss ja nicht sein. Aber: Nichts ist undenkbar...
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