Mitleid für die Friedensdorf-Kinder?

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Lebensfreude im Speisesaal (Bild: Jakob Studnar) (Foto: Jakob Studnar)
 
Fröhlich in die Zukunft blicken (Bild: Jakob Studnar) (Foto: Jakob Studnar)

Die Kinder des Friedensdorfes haben gute Gründe bemitleidet zu werden. Schließlich wachsen sie unter äußerst widrigen Umständen auf, sehen sich in jungen Jahren mit Armut und Leid, manche mit Krieg konfrontiert. Ihre Heimatländer bieten nicht nur keinen Schutz, sie ermöglichen auch keine ausreichende medizinische Hilfe.

Deswegen springt das Friedensdorf ein und mit ihm zahlreiche Kliniken und Ärzte, um manchen Kindern gar ihre Unversehrtheit zurückzugeben, anderen wenigstens die Schmerzen und Funktionseinschränkungen an diversen Körperteilen zu nehmen. Aus Sicht des Friedensdorfes geht es nicht um Schönheitsoperationen, sondern darum, den Jungen und Mädchen eine zweite Chance auf ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben, nicht selten die Chance zum Überleben, zu geben. Das geschieht durch die Heilbehandlungen in Deutschland, die für die Kinder eine vorübergehende Trennung von ihren Familien mit sich bringen. Wiederum ein Grund für Mitleid? Aus Sicht des Friedensdorfes eher nicht. Immerhin gehören die Kinder, die im Rahmen der großen Hilfseinsätze ausgeflogen und fern der Heimat operiert werden, bereits zu den „Gewinnern“ – verglichen mit den ungezählten Kindern, die in Afghanistan, Angola, Tadschikistan, Gaza oder anderswo bleiben und weiter auf Hilfe hoffen müssen. Vielleicht ohne jemals welche zu bekommen.

Mitleid macht nicht gesund
Als vergleichsweise kleine Hilfsorganisation mit begrenzten Mitteln und Kapazitäten kann das Friedensdorf kaum mehr Kindern helfen als es bereits tut. Das ist einerseits eine Ungerechtigkeit, andererseits ein Grund zum Weitermachen. Schließlich ist es genau das, was die Kinder und ihre Angehörigen tun: Weitermachen trotz aller Widerstände und Ungerechtigkeiten. Bei den Erwachsenen mag das eine bewusste Entscheidung sein, bei den Kindern ist es eher eine intuitive Haltung. Mitleid macht sie nicht gesund und Selbstmitleid erst recht nicht. Und so entwickeln die Friedensdorf-Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter eine beeindruckende Stärke und Lebensfreude, die ihnen immens beim Gesundwerden hilft – und die abfärbt auf Besucher des Friedensdorfes. Viele, die das Oberhausener Friedensdorf mit Mitleid betraten, verlassen es mit dem Entschluss zu helfen.

Weiter als man denkt
Auch wenn die durch das Friedensdorf ermöglichte medizinische Hilfe zahlenmäßig hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleibt, so belegen die Erfahrungen des aktuellen Afghanistan-Kombinationseinsatzes einmal mehr dessen weitreichende Bedeutung. Aktive Hilfe, wenn auch nur in begrenztem Rahmen, kann anders als stilles Mitleid auch denjenigen Hoffnung und Mut geben, die nicht direkt davon profitieren. So etwa den Menschen in entlegenen afghanischen Provinzen, die durch die jahrelange Regelmäßigkeit der Friedensdorf-Hilfseinsätze und das Netzwerk mit dem „Afghanischen Roten Halbmond“ als Partnerorganisation zuverlässige Ansprechpartner vor Ort wissen, die Hoffnung geben und in vielen Fällen auch konkrete Hilfe leisten können.
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