Dorstener Ruderer werden Deutsche Meister im Männer-Doppelvierer

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Der Titel der Deutschen Meisterschaften im Männer-Doppelvierer ging an das Dorstener Quartett Jason Osborne, Timo Piontek, Benedikt Müller und Cedrik Kulbach (von links). (Foto: www.rudern.de)
 
Die eine Hälfte vom Doppelvierer: Jason Osborne und Cedrik Kulbach (Foto: www.rudern.de)

Dorsten/Krefeld. Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen! Mit dieser Taktik waren die Preußen einst schon erfolgreich. Und für Timo Piontek, Cedric Kulbach, Jason Osborne und Benedikt Müller traf genau dieses ebenfalls zu.



Alle vier Ruderer haben ihre Wurzeln beim Ruderverein Dorsten – und alle vier verschlug es aus verschiedensten Gründen in die „weite Welt“. Den einen nach Koblenz, den anderen nach Mainz, einen nach Karlsruhe und einen nach Dortmund. Bei den Deutschen Meisterschaften in Krefeld starteten die „Dorstener Jungs“ dann erstmals überhaupt in einem Boot.

Die Idee dazu wurde bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam geboren. Cedric Kulbach und Trainer Sebastian Schmelzer kamen in der Euphorie der Erfolge auf die Idee, einen „Dorstener Doppelvierer“ an den Start zu bringen. Einige Mails und Wochen weiter stand der Plan. In Karlsruhe lag ein passendes Boot und die beteiligten Vereine gaben Ihr Einverständnis. Spätestens nach Veröffentlichung des Meldeergebnisses galten Kulbach, Osborne, Piontek und Müller als nominelle Favoriten, ohne überhaupt je einen Meter zusammen gerudert zu sein. Die ersten Meter machte das Quartett dann kurz vor dem Vorlauf auf dem Elfrather See. „Läuft!“ – so das Fazit von Bugmann Cedric Kulbach.

Sechs Sekunden Vorsprung

Der Vorlauf am Freitagnachmittag war Routine – nach gut 400 m wurde das Rennen verwaltet. Überlegen zogen die vier vor dem Boot aus Stuttgart ins Finale ein, ebenso wie der andere Vorlaufsieger aus Frankfurt und die Boote aus Limburg, Krefeld und Leverkusen. Das Finale am Samstagnachmittag wurde mit Spannung erwartet. Denn Frankfurt und Stuttgart hatten der Renngemeinschaft Dorsten/Mainz/Karlsruhe/Koblenz den Kampf angesagt. Vom Start weg startete Schlagmann Jason Osborne die Abteilung Attacke. Bereits nach 200 m hatten sich Frankfurt und Dorsten eine Länge Vorsprung herausgerudert und setzten sich Bugball an Bugball immer weiter vom Feld ab. Bei Streckenhälfte kam der entscheidende Angriff. Mit einen starken Spurt über zehn Schläge holten sich Osborne und Co. eine halbe Länge Vorsprung, die sie dann kontinuierlich bis ins Ziel ausbauten. Am Ende siegten die „Dorstener Jungs“ vor den Booten aus Frankfurt und Stuttgart – mit SECHS SEKUNDEN Vorsprung. Erstmalig in der Vereinsgeschichte geht der Deutsche Meistertitel im Männer-Doppelvierer nach Dorsten.

„Wahnsinn – wer kam denn darauf?“ oder „Was ist das denn für eine irre Idee!“, lauteten die Stimmen der versammelten Landes- und Vereinstrainer am Streckenrand. Denn alle, inklusive der Regattasprecher, kannten den Hintergrund dieser Renngemeinschaft. „Ich bin total glücklich! Die Jungs haben mir einen Wunsch erfüllt, den ich jahrelang hatte: Sie vereint in einem Boot zu sehen und dann gleich Deutscher Meister zu werden!“ freut sich Trainer Sebastian Schmelzer nach dem Rennen.

Bereits nach dem Vorlauf gab es eine Art „Klassentreffen“ am Bootshaus in Dorsten. Bei Lagerfeuer und Grillwurst traf man sich wieder, quatschte über alte Zeiten und die aktuellen Erfolge.

Kulbach und Osborne gewinnen auch Doppelzweier

Zur Lagerfeuerromantik gesellte sich auch Tim Knifka, der die Deutschen Meisterschaften in Krefeld für einen Besuch seiner Heimatstadt nutze. Leider reichte es für ihn im Männer-Doppelzweier nur zum sechsten Rang. Sieger waren ebenfalls Dorstener. Weltmeister Cedric Kulbach und Olympiateilnehmer Jason Osborne gewannen souverän und sicherten sich den Titel.

Lukas Müller legt nach – Gold im Männer-Achter

Seit 2009 steht Lukas Müller in jedem Jahr bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Podest. Gold gewann er aber einzig im Jahr 2011, in dem Jahr, in dem er Juniorenweltmeister im Vierer ohne Steuermann wurde. In diesem Jahr erweiterte Lukas seine Titelsammlung um den Sieg bei der Royal Henley Regatta und nun ist er Deutscher Meister im Männer-Achter – als erster Dorstener nach Thorsten Streppelhoff im Jahr 1996.

Als „Telefonachter“ wurde die Renngemeinschaft Celle, Düsseldorf, Dorsten, Herdecke, Emscher, Leverkusen, Bernburg und Lübeck spöttisch bezeichnet, die Olympiaersatzmann Johannes Weißenfeld mit Lukas Müller, Rene Stüven, Daniel Imort, Finn Schröder, Maximilian Planer, Peter Kluge, Felix Krane und Steuerfrau Anna Dames zusammenstellte. Alles erfahrene Rennruderer, die im U23 und A-Bereich schon zahlreiche Erfolge feierten.

Bei sechs Booten im Meldeergebnis gab es keinen Vorlauf, so dass es direkt im Finale um die Medaillen ging. Favorit war das Boot vom Berliner RC, die am Tag der Deutschen Einheit die Langstreckenregatta „Rund um den Wannsee“ gewinnen konnten. Ebenfalls stark schien das Boot der Frankfurter RG Germania. Krefeld, Leverkusen und Wiking Berlin komplettierten das Starterfeld. Vom Start weg führten Müller und Co und gaben diese Führung auch nicht mehr her. Wieder Gold – das Dritte des Tages! Und für Lukas Müller eine weitere Medaille- im achten Jahr in Folge. „Er hat mir versprochen, dass er diese Serie versucht noch weiter auszubauen. Ein feiner Ruderer und starker Typ“, lobt Trainer Sebastian Schmelzer seinen einstigen Schützling. Müller startet nun mit dem A-Kader am Stützpunkt Dortmund in die Vorbereitungen zur neuen Saison.

Keine Sprintertypen

Während die „Großen“ bei den Großbootmeisterschaften Erfolge feierten, lief es für die Junioren bei den Deutschen Sprintmeisterschaften nicht so rund. Im A-Junioren-Doppelzweier scheiterten Julius Gülker und Aaron Kiersch schon bereits im Hoffnungslauf. Ein wenig besser lief es für Tim Gerling, Leon Jakiel, Lennart Kötters und Hendrik Winkel in den B-Junioren-Doppelzweiern. Winkel/Kötters gewannen das kleine Finale, Gerling/Jakiel wurden im gleichen Rennen Dritte. „Aus Usain Bolt macht auch niemand einen 5.000-m-Läufer. Wir trainieren für andere Strecken, unsere Ruderer sind definitiv keine Sprintertypen und fühlen sich auf den Normalstrecken deutlich wohler“, resümierte Sebastian Schmelzer den Ausflug zu den Sprintmeisterschaften.
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