Bücherkompass, Rezension, Lena Gorelik - Sie können aber gut Deutsch

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Dortmund: zuhause |

Lena Gorelik stammt aus einer russisch-jüdischen Familie. Sie lebt seit 1992 in Deutschland, arbeitet als Journalistin und hat neben dem hier zu besprechendem Buch noch 7 weitere Werke veröffentlicht. Der rote Faden durch dieses Buch ist das Thema Integration, und Lena Gorelik schreibt dazu gewissermaßen als "Insiderin".

Sie tut das in einem überwiegend lockerem, klugen und periper humorvollem Stil, der jedoch nach meiner Einschätzung erst in der zweiten Hälfte des Buches zum tragen kommt. Die erste Hälfte des Buches ist eher zäh zu lesen, von ständigen Wiederholungen geprägt und ohne wirkliche Aussagen relativ langweilig. Das ist schade, denn das Thema gibt einiges her, und daher empfehle ich persönlich, auch die gefühlt einhundertfünfzigste Wiederholung der Phrase "Wir alle sind Deutschland", durchzustehen denn- es wird besser !

Der zweite Teil des Buches ist nicht nur flüssiger geschrieben sondern wirft interressante Fragen auf. Fragen die sich der Leser fast automatisch stellt und seine Antworten darauf reflektiert. Der Grundtenor lautet hierbei : Was macht jemanden, der in Deutschland lebt aber anderswo auf der Welt geboren wurde, zu einem integrierten Mitglied der Gesellschaft ?

Was bedeutet "Integration"?

Die Autorin beschreibt aus eigener Erfahrung, dass ein Studium in Deutschland, ein deutscher Ehemann, die journalistische Tätigkeit für zahlreiche überregionale deutsche Zeitungen oder vielfältiges, soziales Engagement alleine nicht dazu ausreicht.

Was aber gehört unabdingbar zur erfolgreichen Integration ?

Gartenzwerge sammeln ?
Tatort anschauen ?
Rosen züchten ?
Goethe und Schiller zitieren können ?
Sauerkraut auf fünf verschiedene Arten zubereiten können ?

Fragen über Fragen, und die (von mir, nicht von der Autorin erstellte Liste) ließe sich noch seitenlang fortsetzen. Lena Gorelik stellt im Buch ähnliche Fragen, und fragt sich, wie ich meine zu Recht, was so schlimm daran sein soll ihren Sohn zweisprachig zu erziehen, ihm russische Schlaflieder vorzusingen oder für die ganze Familie das Lieblingsessen in Form von Kartoffelsalat nach russischem Rezept, zuzubereiten. Verhindert so ein Verhalten gelungene Integration ? Die Autorin antwortet hierzu ein klares Nein, und ich stimme ihr vorbehaltlos zu.

Lesetipp zum Thema Integration

Das Buch ist, trotz der erwähnten Schwerfälligkeit des Anfangs, absolut zu empfehlen. Zu empfehlen für Leser, die Fragen nicht scheuen, die Antworten suchen und für Leser die Menschen nicht nach ihrer Herkunft beurteilen. Für die kleinen, verwirrten Sarrazins dieser Welt ist das Buch eher ungeeignet - sie würden es nicht verstehen (wollen).

Bei Interesse gebe ich das Buch gerne weiter, einfach hier per kommi oder per pn melden.
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3 Kommentare
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Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 10.06.2015 | 19:54  
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Manuela Burbach-Lips aus Dortmund-City | 10.06.2015 | 20:29  
122.747
Thorsten Ottofrickenstein aus Menden (Sauerland) | 10.06.2015 | 20:51  
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